SOZIALARBEIT: Wo sich Junge heute treffen

Heute sind Jugendliche im Ausgang an anderen öffentlichen Orten anzutreffen als noch vor zehn Jahren. Dies zeigt ein Rückblick auf die Tätigkeit der mobilen Jugendarbeit der Stadt.

Adrian Lemmenmeier
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Nicht mehr in bei Jugendlichen: Das Pärkli St. Mangen wird seit 2015 kaum mehr von jungen Nachtschwärmern besucht. (Bild: Ralph Ribi)

Nicht mehr in bei Jugendlichen: Das Pärkli St. Mangen wird seit 2015 kaum mehr von jungen Nachtschwärmern besucht. (Bild: Ralph Ribi)

Es wird wieder wärmer, und die Leute zieht es wieder nach draussen. Besonders die jungen Leute. Manche haben kein Geld oder keine Lust, eine Bar oder einen Club aufzusuchen, nochmals andere erhalten keinen Einlass. Sie verbringen einen lauen Freitagabend stattdessen oft mit einem Bierchen unter Freunden in einem städtischen Park. In St.Gallen tun sie dies an anderen Orten als noch vor zehn Jahren.

Schwach erinnert man sich daran, dass solche Bier trinkende Jugendliche damals in St.Gallen ein Politikum waren. Die Rede war von Lärmbelästigung, Littering, Vandalismus und Sach­beschädigung im öffentlichen Raum. Als Gegenmassnahme genehmigte das Parlament im November 2005 das Pilotprojekt «Jugendarbeit im Zentrum». Daraus entstanden die Jugendbeiz Talhof und die städtische mobile Jugendarbeit.

Zehn Jahre später aber hört man wenig bis gar nichts mehr über die jungen «Pärklisäufer», wie man sie damals auch nannte. Wieso? Einstige und jetzige Mitarbeiter des Jugendsekretariats liefern Erklärungen.

Zwischen Jugendlichen und Gemeinwesen

Seit elf Jahren knüpft die mobile Jugendarbeit Kontakte mit Jugendlichen, die sich abends auf öffentlichen Plätzen aufhalten. Ist es draussen trocken, gehen zwei Mitarbeitende der Offenen Jugendarbeit Zentrum am Freitag- und Samstagabend durch die Innenstadt und suchen das Gespräch mit Cliquen von jungen Leuten. Dabei will man Anlaufstelle für die Jugendlichen sein, aber auch für Anwohner, die sich von den Jungen im öffentlichen Raum belästigt fühlen.

Eingerichtet wurde die mobile Jugendarbeit, weil zu Beginn des Jahrtausends vermehrt betrunkene Jugendliche in der Innenstadt auffielen. Besonders extrem war die Situation im Rekordsommer 2003. Damals frönten teilweise Hunderte junge Menschen auf öffentlichen Plätzen der Innenstadt dem Alkohol. Das Epizentrum dieses Treibens war das Mangenpärklein. «An Wochenendabenden war der Park eine heikle Gegend», erinnert sich Hansueli Salzmann, ehemaliger Leiter der mobilen Jugendarbeit. «Pöbeleien und Schlägereien hielten uns auf Trab. Auch wurde überall uriniert und mancherorts gekotzt.» An Sonntagmorgen habe das Mangenpärklein einem «Meer aus leeren Flaschen» geglichen, so Salzmann.

Karl Gabler, damaliger Präsident der Kirchgemeinde Evangelisch-Centrum und FDP-Stadtparlamentarier, fasste die Situation damals noch dramatischer zusammen: In einer Interpellation schrieb er von «Sodom und Gomorrha zu St. Mangen».

Die Schwerpunkte haben sich verschoben

Heute sei die Situation eine andere, sagt Hansueli Salzmann. Inwiefern das ein Erfolg der mobilen Jugendarbeit sei, will ihr ehemaliger Chef nicht beurteilen. Den Effekt der Jugendarbeit zu messen, sei enorm schwierig. «Im Allgemeinen habe ich den Eindruck, dass die Jugend momentan zufriedener ist als vor zehn Jahren.» Es könne aber genauso gut sein, dass sich die Gesellschaft einfach daran gewöhnt habe, dass sich junge Leute auf öffentlichen Plätzen aufhielten und Alkohol konsumierten. Ins gleiche Horn stösst Andrea Thoma, Salzmanns Nachfolgerin: «Jugendliche, die in öffentlichen Pärken trinken, werden heute sicher weniger kriminalisiert.»

Mittlerweile treffen sich die Jugendlichen aber an anderen Orten. Gemäss Daniela Epple, die derzeit regelmässig an den Wochenenden mit Jugendlichen das Gespräch sucht, sind das rote Bleicheli, der St. Leonhard-Park und der Klosterplatz heute beliebte Treffpunkte. «Am St. Mangenpark verloren die Jugendlichen schlagartig das Interesse, nachdem Ende Juni 2015 das 24-Stunden-Bistro der Tankstelle am Unteren Graben dicht gemacht hatte.» Dafür hätten neue Filialen eines Detailhändlers beim Bleicheli und beim Hauptbahnhof den St. Leonhard-Park und die rote Stadtlounge attraktiver gemacht.

Ein Sehen und Gesehenwerden

Die Nähe zu einem Geschäft sei für die Jugendlichen immer interessant, sagt Andrea Thoma. Nicht nur, weil man dort Alkohol, Esswaren und Zigaretten kaufen könne, sondern auch, weil man sich dort treffe. «Es ist ein Sehen und Gesehenwerden.»

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