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SOUL: Schwermut auf Schaffhauserisch

Min King haben den Mundart-Soul erfunden. Nach mehrjähriger Pause ist die Band zurück, ernster und melancholischer denn je. Ihr Album «Immer Wieder» präsentieren die Schaffhauser heute im Palace.
Die Band Min King mit Sänger Philipp Albrecht (Zweiter von rechts). (Bild: PD)

Die Band Min King mit Sänger Philipp Albrecht (Zweiter von rechts). (Bild: PD)

Statt vom Inhalt ist bei dieser Band immer zuerst von der Form die Rede. Das liegt daran, dass Min King so Mundart-Musik machen wie keine andere Band. Im Schaffhauser Dialekt behandelt Sänger Philipp Albrecht die Liebe. Dabei schmachtet, schmeichelt und jauchzt er so, dass sie ihn nur noch den «James Brown von Schaffhausen» nennen. Auch an den grossen Al Green muss man bei ihm denken. Soul auf Schaffhauserisch? Ja, das geht.

Als hätten die 1960er-Jahre nie aufgehört

«Am Bluemeweg» hiess das Album, mit dem die Band 2012 in die Gehörgänge kroch und in die Tanzbeine fuhr. Frisch und fröhlich sang Albrecht von seiner Kindheit und Jugend, und dazu ertönten Bläsersätze und mehrstimmige Chörli, als hätten die 1960er-Jahre nie aufgehört. Die Musik klang vertraut, wie von früher, aber dass einer dazu Mundart sang, das war neu. Min King gelten seither als die Erfinder des Mundart-Soul.

Jetzt sind sie wieder da. Mehr als fünf Jahre nach dem letzten Album und nach mehrjähriger Konzertpause haben Min King ihr zweites Album «Immer Wieder» veröffentlich und präsentieren es heute live im Palace. Einiges hat sich verändert seit dem Debütalbum, nicht nur die Bandbesetzung. Zwar steckt immer noch viel Soul in den neuen Songs. Daher passt es auch, dass die Band im Rahmen der «Soul Gallen»-Reihe im Palace zu Gast ist. Doch die fröhlichen Funk-Stücke fehlen. Die neuen Lieder klingen trauriger und ernster, Min King sind erwachsener geworden. Der jugendliche Übermut ist der Schwermut gewichen. Statt über die Euphorie nach dem ersten Kuss singt Philipp Albrecht von der Ernüchterung über die «immer gliiche Abläuf, die gliiche Theme». Statt von blühender Liebe singt er von welken Beziehungen. So wie in «Die zwei», einem der stärksten neuen Songs: «Si schtönd sich im Weg, die zwei. Hettet’s besser allei, die zwei.»

Besser James Brown als Mani Matter

Mit ein paar elektronischen Beats machen Min King auch Ausflüge ins Zeitgenössische und wagen sogar eine Coverversion: «Mir Händ En Verein» stammt im Original von Mani Matter. Wobei die Schaffhauser in der Nähe von James Brown besser aufgehoben sind als beim Berner Liedermacher. Warmen Retro-Sound findet man am ehesten noch in «Teil dich mit». Da schmachtet und jauchzt der Sänger, da wabern die Orgeln wie in den Sechzigern. Min King können es noch immer, wenn sie wollen. Aber sie haben es nicht mehr nötig. (rbe)

Heute Fr, 21.30 Uhr, Palace

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