Sonntag ist nicht überall Ruhetag

Touristen und Stadtbewohner ärgert immer wieder, dass am Sonntag viele Restaurants in der St. Galler Innenstadt zu sind. Touristiker, Wirte und Quartiervereine haben jetzt reagiert. Seit einiger Zeit gibt's eine Liste mit 43 geöffneten Lokalen.

Elina Grünert
Merken
Drucken
Teilen
An Sonntagen trifft man in der Stadt viele geschlossene Restaurants und Cafés an. (Bild: Urs Bucher)

An Sonntagen trifft man in der Stadt viele geschlossene Restaurants und Cafés an. (Bild: Urs Bucher)

Der Grossteil der Cafés und Restaurants in der Stadt St. Gallen ist am Sonntag geschlossen. Touristen wie Einheimische sind darüber nicht glücklich. Die einen haben so Schwierigkeiten, sich zu verpflegen. Für die anderen wirkt die Innenstadt an diesem Tag wie ausgestorben. Man möchte den Gästen aber ein attraktives, weltoffenes St. Gallen präsentieren. Der Eindruck, dass fast alle Restaurants am Sonntag zu sind, ist diesem Bild nicht wirklich förderlich.

«Man weiss es einfach nicht»

Das Problem mit sonntags geschlossenen Gastrobetrieben ist nicht neu. Diesen Sommer wurde aber erneut ein Versuch gestartet, die Situation zu verbessern. In einer Arbeitsgruppe haben verschiedene Gruppierungen miteinander mögliche Lösungen diskutiert. Initiiert hatte die Diskussionsrunde der städtische Quartierbeauftragte Peter Bischof. Hauptthema war die Belebung der südlichen Altstadt und die Verpflegung an Sonntagen in der Innenstadt. Neben St. Gallen-Bodensee-Tourismus sassen Gastro Stadt St. Gallen, der Quartierverein Gallusplatz und die Klosterviertel-Gesellschaft mit am runden Tisch.

In einem ersten Schritt wurde erfasst, wie viele Restaurants am Sonntag überhaupt offen sind. «Wir waren wirklich überrascht, dass es doch recht viele Lokale sind», sagt Peter Bischof. Ihm sei rasch klar gewesen, dass das Problem nicht an der Zahl geschlossener Betriebe liege, sondern schlicht an der Information. «Viele potenzielle Gäste haben einfach das Gefühl, alles sei geschlossen, obwohl eigentlich doch 43 Restaurants offen wären», sagt Bischof.

«Für eine Stadt von der Grösse St. Gallens sind rund 40 offene Betriebe durchaus passabel», meint René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St. Gallen. Die geöffneten Restaurants und ihre Öffnungszeiten sind in einem «Pocket Guide» aufgelistet, der bei der Tourist Information erhältlich ist. Der Quartierbeauftragte Peter Bischof hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass es für viele offenbar zu aufwendig ist, in diesem Führer nachzuschlagen.

Liste soll Klarheit schaffen

Um dieses Problem zu lösen, schlugen Vertreter von St. Gallen-Bodensee-Tourismus eine Liste mit allen offenen Betrieben in der Innenstadt vor. Sie ist heute auf der Homepage der Tourismusorganisation einfach zu finden und einzusehen. Einen Ausdruck der Liste findet man beispielsweise aber auch im Schaufenster der Chocolaterie am Klosterplatz. Deren Chefin findet die Liste sinnvoll. Da ihr Lokal am Sonntag geschlossen bleibt, hängt sie die Liste als Service für Passantinnen und Passanten aus. Darauf sind alle möglichen Sparten der städtischen Gastronomie aufgeführt: China-Restaurant, klassisches Café oder Hipster-Treff – die gastronomische Vielfalt ist auch am Sonntag gegeben.

Personal zu teuer

Wirtepräsident René Rechsteiner versteht die Kritik der Bevölkerung, am Sonntag sei nichts los in der Stadt. Er weiss jedoch, dass viele Wirte gute Gründe haben, an diesem Tag ihren Betrieb zu schliessen. Für viele lohne es sich gar nicht, offen zu halten. Das zusätzliche Personal koste mehr, als was am Sonntag eingenommen werden könne. Zudem, sagt Rechsteiner, gingen viele Einheimische am Sonntag «eher auf dem Land» essen. So seien nur noch relativ wenige Leute in der Innenstadt unterwegs. Die Öffnungszeiten vieler Lokale richteten sich zudem nach den Ladenöffnungszeiten. «Was ein weiterer Grund ist, warum viele am Sonntag zu sind.»

Das Problem mit der Gastronomie am Sonntag kennt René Rechsteiner auch aus anderen Schweizer Städten. Einige von ihnen hätten daher auch eine Liste der offenen Betriebe erstellt. Diese Idee, die jetzt in St. Gallen umgesetzt wurde, sei also nicht neu. Rechsteiner hofft aber, dass Gäste und Einheimische mit Hilfe der Liste künftig auch in St. Gallen einfacher herausfinden, wo sie am Sonntag im Restaurant essen können.

René Rechsteiner Präsident Gastro Stadt St. Gallen (Bild: Elina Grünert)

René Rechsteiner Präsident Gastro Stadt St. Gallen (Bild: Elina Grünert)