Sonja Lüthi ist keine Linke

«Stadtrat: Das Pendel schlägt weiter nach links», Ausgabe vom 28. November

Elmar M. Jud, Pf 138, Oberer Graben 14, 9001 St. Gallen
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Die lediglich in ihrer Deutlichkeit überraschende Wahl von Sonja Lüthi wird vom Tagblatt als Linksrutsch im Stadtrat bezeichnet. Wer Sonja Lüthi etwas kennt und sich das Parteiprogramm der Grünliberalen Partei vor Augen hält (dazu müsste man es gelesen haben), gelangt zur Überzeugung, dass der Stadtrat mit ihr ein bürgerliches Mitglied mit ökologischer Ausrichtung erhält.

Die GLP unterstützt zwar grüne Anliegen – wie die Förderung erneuerbarer Energien – und setzt sich in der Verkehrspolitik stark für die Belange des öV ein. Gleichzeitig ist sie jedoch wirtschaftspolitisch liberal und vertritt eine Finanzpolitik, welche die Sanierung der überschuldeten Staatshaushalte und gezielte Verzichtsplanungen bei den Ausgaben fordert. Auch in der Sozialpolitik verfolgt die GLP keineswegs linke Ziele, sondern verlangt etwa in der Rentenreform die Sicherung der heutigen Renten und spricht sich klar gegen einen Ausbau des Sozialstaates aus. Schliesslich stützt die Tatsache, dass die GLP im Kantonsrat mit der CVP eine Fraktionsgemeinschaft bildet, die These des Tagblattes nicht, mit Sonja Lüthi rutsche der Stadtrat weiter nach links. Eine solche Fehlbeurteilung hätte bei der Wahl eines Mitgliedes der Umweltliberalen oder der Christlichsozialen wohl nicht stattgefunden.

Zusammengefasst will die GLP Umwelt und Wirtschaft durch ökologisches Handeln und eine liberale Wirtschafts- und Finanzpolitik miteinander verbinden. Dies kann wohl nicht als linke Position bezeichnet werden. Die Enttäuschung über den Verlust des CVP-Sitzes ist verständlich. In Anbetracht der seit Jahren linken Verkehrspolitik des Stadtrates ist es jedoch falsch, nach der Wahl von Sonja Lüthi wegen ihrer grünen Verkehrspolitik von einem Linksrutsch zu sprechen. Tatsache ist, dass mit Sonja Lüthi eine bürgerliche Frau und junge Mutter mit hervorragender beruflicher Qualifikation und Erfahrung in der Privatwirtschaft in den Stadtrat gewählt wurde. Von ihr ist grundsätzlich eine bürgerliche Politik und damit die Unterstützung der Anliegen von Wirtschaft und Gewerbe zu erwarten. Die Auseinandersetzung mit ihren ökologischen Anliegen stellt eine Herausforderung dar, der sich die klassischen bürgerlichen Parteien und das Gewerbe stellen müssen.

Elmar M. Jud, PF 138, Oberer Graben 14, 9001 St. Gallen