SOMMERSERIESOMMERSERIE: «Eine Tasse ist immer auch Ausdruck von Kultur»

Büro-Tasse

Pascal Thommen
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Ob die Tasse allein dafür verantwortlich war, dass Martin Klöti 2012 in den Regierungsrat gewählt wurde, mag bezweifelt werden. Jedoch sind Werbeträger wie jene Tasse des 63-Jährigen FDP-Politikers sicher hilfreich. Hinter «Vote for Martin» steckt jedoch viel mehr als bloss ein simpler Wahlspruch.

Martin Klöti ist Regierungsrat des Kantons St. Gallen. Für den Wahlkampf liess er etwa 200 Stück dieser Tassen produzieren. Die optische Andeutung an amerikanische Wahlkampfsprüche ist nicht bewusst gewählt. «Mir gefielen einfach das Sujet und die Farben.» Ausserdem sei das Werbegeschenk auch sehr praktisch, sagt Klöti.

Als ehemaliger Hotelier hat Klöti eine enge Beziehung zum Geschirr. «Für mich sind Essen, Kochen und gute Tischgespräche Ausdruck von Kultur. Und auch eine schöne Tasse gehört dazu.» Er achte in jeder Gaststätte auf die Unversehrtheit des Geschirrs. «Irgendwie scheint es nämlich so, dass immer ich den abgebrochenen Teller erhalte.» Er leide wohl unter dem sogenannten Hotelier-Syndrom, sagt er.

Martin Klöti bezeichnet sich selbst als einen «Teetyp». Doch auch mit Kaffee kenne er sich gut aus. «Am frühen Morgen ist ein richtiger Cappuccino nach italienischer Art das Höchste der Gefühle.» Damit es in der Stadt St. Gallen auch weiterhin guten Kaffee gibt, setzt sich Klöti für gut ausgebildete Baristas ein. Im Café St Gall in der Bibliothek Hauptpost unternahm Klöti Anstrengungen, dass nur qualitativ hochwertiger Kaffee serviert wird.

Seine Leidenschaft für Kaffee stammt aus seiner Zeit als Hotelier. Klöti bekam die Chance, ein Hotel in Rapperswil zu erwerben. Das Konzept zum Hotel Jakob entwickelte er in der norditalienischen Stadt Triest. «Dort verbinden sich Wiener Kaffeehaus und italienische Tradition.»

Die «Vote for Martin»-Tasse benutze er selbst jedoch nicht. «Diese steht stattdessen bei meiner Assistentin im Schrank.» Im Wahlkampf kam die Tasse insbesondere bei Podiumsdiskussionen zum Einsatz. Für ihn hat sie noch einen anderen Vorteil. «Das Schönste an der Erinnerung durch die Tasse ist für mich, dass ich nie mehr gewählt werden muss.»

Pascal Thommen

pascal.thommen@tagblatt.ch

In jedem Büro findet sich ein skurriler Mix von Tassen. Sie sind manchmal lustig, zum Teil alt, bisweilen geschmacklos. Sie alle haben aber eines gemeinsam: Sie gehören jemandem, der nicht mehr ohne sie sein will. (red)