SOMMERGESPRÄCH: «Ich war noch nie in der Badi»

Seit Anfang Jahr ist Dominik Gemperli Gemeindepräsident von Goldach. Warum er lieber in Mallorca badet als im See und welches Projekt ihm in der kurzen Zeit besonders ans Herz gewachsen ist.

Janina Gehrig
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Das Verkehrsproblem in Goldach müsse dringend gelöst werden, sagt Dominik Gemperli. (Bild: Janina Gehrig)

Das Verkehrsproblem in Goldach müsse dringend gelöst werden, sagt Dominik Gemperli. (Bild: Janina Gehrig)

Janina Gehrig

janina.gehrig@tagblatt.ch

Auf Ende Jahr hin zieht Dominik Gemperli (CVP) nun doch noch in «seine» Gemeinde, deren Präsident er ist. Damit ihn die Goldacher besser kennen lernen, kommentiert er das Weltgeschehen regelmässig auf seinem Blog.

Dominik Gemperli, haben Sie den Sommer mit dem Packen von Zügelkisten verbracht, um endlich nach Goldach zu ziehen?

Nein, noch nicht. Wir werden aber Ende dieses Jahres die Kisten packen müssen und um­ziehen.

Wohin?

Wir beziehen ein Haus im Quellacker. Wir haben unser Doppelhaus in Andwil verkauft. Es war eine aufwendige Sache, einen Käufer dafür und zugleich ein neues Zuhause hier zu finden.

Sie haben eine Ausnahmeregelung vom Kanton erhalten, um nicht per Amtsantritt umziehen zu müssen. Sind Sie und ihre Familie traurig, die Gemeinde Andwil nun zu verlassen?

Nein, jetzt steht klar die Freude im Vordergrund darüber, einen neuen Lebensabschnitt anzu­fangen.

Ihre Kinder werden also vorerst noch nicht in Goldach zur Schule gehen?

Nein, erst im zweiten Semester dann.

Die Tagesstrukturen für Schulkinder sind in Goldach katastrophal.

Ich empfinde die Strukturen nicht als katastrophal. Wir haben einen Hort, und wir verfügen über eine Kindertagesstätte, die von der Gemeinde massgeblich mitfinanziert wird.

Es gibt nur einen Mittagstisch, keine Betreuungsangebote vor und nach der Schule. Geht man im wohlhabenden Goldach davon aus, dass die Mutter zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert?

Bei der schulergänzenden Betreuung sind wir tatsächlich noch nicht so weit. Aber wir wollen uns dieses Themas im Gemeinderat annehmen, schliesslich gewinnt es an Aktualität. Allerdings stellen selbst grössere Städte wie Gossau noch nicht sehr lange entsprechende Strukturen zur Verfügung.

Wie wird das Ihre Familie regeln?

Bei uns bleibt meine Frau vorderhand zu Hause. Das ist natürlich ein Privileg.

Sie haben Gossau erwähnt. Für die Nachfolge des Stadtpräsidenten brachte man auch Ihren Namen ins Spiel.

Ich mache mir derzeit keine Gedanken über weiterführende Mandate, sondern möchte mich voll meiner neuen Aufgabe hier in Goldach widmen. Ich habe mich gut eingelebt und die Arbeit macht Spass.

Welches Projekt hat Sie besonders beschäftigt in den letzten Monaten?

Die Zentrumsentwicklung ist zu meinem Herzensprojekt geworden in dieser Legislatur. Das Verkehrsthema wird in der Gemeinde als grosses Problem wahrgenommen. Stellen Sie sich vor: 2023 werden die Bahnschranken während insgesamt 30 Minuten pro Stunde geschlossen sein. Wir haben jetzt schon lange Schlangen vor den Schranken. Für das Projekt zur Umfahrung Mühlegut wollen wir dieses Jahr noch den Baukredit von den Bürgern beantragen. Die Anstösser haben wir bereits über das Projekt informiert.

Nächste Woche informieren Sie zudem über den Stand des Verfahrens zum Autobahnanschluss A1 für die Gemeinden Goldach, Rorschach und Rorschacherberg. Was erhoffen Sie sich vom Projekt?

Genau, die Öffentlichkeit soll im Rahmen einer Vernehmlassung auch die Möglichkeit bekommen, sich bei diesem Jahrhundertprojekt einzubringen. Wir sind gespannt auf die Reaktionen. Für unsere Region ist der Anschluss eine Riesenchance, was die Siedlungsentwicklung und die Zentrumsgestaltung anbelangt. Zudem bringt das Projekt Verbesserungen für den Langsamverkehr mit sich.

Wann steht der Anschluss?

Das ist schwierig zu sagen, es gibt noch so viele Ungewissheiten. Meine Hoffnung ist, dass wir in zehn Jahren mit dem Bau des Anschlusses beginnen können.

Sie führen einen Blog, auf dem sie politische Ereignisse, Verkehrsunfälle oder neue Erkenntnisse aus der Tierwelt kommentieren. Wenden Sie sich als Gemeindepräsident oder als Privatperson an die Öffentlichkeit?

Als beides. Die Leute sollen die Möglichkeit haben, mich besser kennen zu lernen. Ich möchte zum Nachdenken anregen, nicht nur über politische, auch über gesellschaftliche Themen. Und ich möchte die Bürger auch unterhalten.

Abgesehen vom Blog: Wie suchen Sie sonst den Kontakt zu den Goldachern, solange Sie nicht hier wohnen? Gehen Sie in die Badi?

Ich war noch nie in der Badi. Dafür habe ich nicht die Figur (lacht).

Wirklich?

Ja, nur zum Essen. Ich verbrachte meine Sommerferien in Mallorca. Die Kontakte zu den Bürgern lassen sich noch ausbauen, sie werden aber immer häufiger. Ich komme an gewissen Veranstaltungen mit Bürgern in Kontakt. Als Gemeindepräsident bin ich aber auch in der Sprechstunde da für die Anliegen aus der Bevölkerung. Ich gehe jedoch nicht bewusst in eine Beiz und warte darauf, dass mich jemand anspricht. Wenn unsere Kinder hier die Schule besuchen, werden wir bestimmt noch mehr Kontakte knüpfen in der Gemeinde.

Wird ihr Blog überhaupt gelesen?

Ja, ich bin sehr zufrieden. Aktuell wird er zwischen 400 bis 500 Mal angeklickt pro Monat. Ich möchte mich damit aber nicht in den Vordergrund stellen. Das Schreiben ist einfach ein Hobby von mir.

Worüber werden Sie als Nächstes schreiben?

Vielleicht über die Todesstrafe. Ich habe kürzlich gelesen, dass diese in den Ländern, wo sie noch praktiziert wird, keine abschreckende Wirkung hat auf die Anzahl der Straftaten, die verübt werden. Als Rechtsanwalt interessiert mich diese Gratwanderung zwischen geltendem Recht und dem Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung.

Haben Sie denn neben Ihrer Arbeit noch so viel Zeit, um lange Abhandlungen zu schreiben?

Da muss ich aufpassen. Ich schreibe vor allem ausserhalb der Bürozeiten oder in den Ferien.

Als Kind erhielten Sie einst einen Fussball, der vom damaligen Bundesrat Kurt Furgler signiert wurde. Sind Sie unter den Zuschauern, wenn der FC Rorschach-Goldach seine erste Saison als Fusionsclub bestreitet?

Ich schaue sehr gerne Fussball, besuche auch ab und zu den Kybunpark. Derzeit schaffe ich es aber meist nur vor den Fernseher, um mir Spiele anzuschauen. Dafür besuchte ich vergangenes Wochenende den Beach-Event in Rorschach.

Bis jetzt erschienen

Michael Götte, Gemeindepräsident Tübach, «Tagblatt»-Ausgabe vom 10. August,

Thomas Fehr, Gemeindepräsident Horn, «Tagblatt»-Ausgabe vom 23. August.