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SOMMERGESPRÄCH: «Die Absage hat mich enttäuscht»

Hans Pfäffli arbeitet sein halbes Leben auf Rheinecks Verwaltung. Dabei bringt ihn nichts so schnell aus der Fassung. Im Interview spricht er über verpasste Chancen, Verdichtung und das absehbare Ende.
Jolanda Riedener
Hans Pfäffli inmitten des «Kronen»-Areals, Musterbeispiel der baulichen Verdichtung. (Bild: Jolanda Riedener)

Hans Pfäffli inmitten des «Kronen»-Areals, Musterbeispiel der baulichen Verdichtung. (Bild: Jolanda Riedener)

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Nach 20 Jahren im Vollamt ist Rheinecks Gemeindepräsident Hans Pfäffli bereits mit vielen Wassern gewaschen. Das Städtli hat sich in dieser Zeit stark verändert. Im März liess der Rat die Steuern von 134 auf 129 Prozent senken und ist damit im kanto­nalen Durchschnitt. Insbesondere die innere Verdichtung der historischen Altstadt sowie Ausländer bewegen die Grenzgemeinde nach wie vor.

Herr Pfäffli, ist es Ihnen nach 20 Jahren im Amt noch nicht langweilig als Stadtpräsident?

Hans Pfäffli: Nein, überhaupt nicht. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Das ist es, was meinen Job interessant macht. Aber wo Sonne ist, ist halt auch Schatten. Im Rat gab es glücklicherweise immer ein gutes und konstruktives Klima. Auch wenn man nicht derselben Meinung ist, ist die Arbeit immer lösungsorientiert.

Welche Höhen und Tiefen haben Sie in dieser Zeit erlebt?

Wenn man 20 Jahre so eine Aufgabe erfüllt, erlebt man schon viel. Positiv in Erinnerung bleibt die bauliche Neugestaltung der Altstadt. Das wird auch optisch gut wahrgenommen. Die Entwicklung des «Kronen»-Areals mit einem markanten Neubau war dabei einer der grössten Schritte. Davor standen dort über 20 Jahre lang Abbruchbuden. Nicht historisch wertvolle Gebäude wurden abgebaut, ein Neubau wurde erstellt. Jedoch gingen auch bei diesem Projekt die Meinungen der Bevölkerung auseinander.

Wie waren denn die Reaktionen?

Es gibt Bewahrer, die am liebsten nichts verändern und alles beibehalten möchten. Doch auch Konserviertes kann schlecht werden – man denke an eine Konfitüre. Auch der Kanton war erst skeptisch. Heute gilt das Kronenareal als Musterbeispiel für innere Verdichtung.

Was lief in den 20 Jahren weniger gut?

Über Einbürgerungen wurde nach altem Recht an der Bürgerversammlung entschieden. Die Mehrheit wollte Einwohner aus dem ehemaligen Jugoslawien konsequent nicht einbürgern. Diese Menschen seien zu wenig integriert, war die Begründung. Deswegen gab es heftige Diskussionen und Auseinandersetzungen. Das hat die Bevölkerung gespalten und war deshalb eine schwierige Phase. Auch die Medien thematisierten das.

Wie hatte sich der Konflikt schliesslich gelegt?

Zum Glück wurde damals die Gesetzgebung auf Bundesebene geändert. Das Einbürgerungsverfahren ist dadurch von Emotionen befreit worden.

Haben Sie sich in diesen umstrittenen Geschäften als Vermittler gesehen?

Ja, schon. Aber ich musste auch realistisch sein: Ich konnte da nichts ausrichten.

Zurück zum heutigen Rhein­eck. Welche Projekte stehen derzeit an?

Ein neues Feuerwehrdepot entsteht, der erste Stock ist bereits fertig. Das Alters- und Pflegeheim Kruft wird zusammen mit Thal saniert, die Vorbereitungen dazu sind nach der Abstimmung im Frühling im Gang. Es werden neue Unterflurcontainer für Kehrichtsäcke gebaut. Damit soll das Ortsbild verbessert und vor allem der Gestank im Sommer unterbunden werden.

Wie lange wollen Sie noch im Amt bleiben?

Das wird mit Sicherheit meine letzte Amtsdauer sein, in spätestens vier Jahren ist Schluss. Ein vorzeitiges Ende ist noch offen. Ich werde dieses Jahr 61 und denke deshalb an den Ruhestand.

Welches Projekt möchten Sie vor Ihrer Pension noch über die Bühne bringen?

Nach der Absage der Bevölkerung zur Arealentwicklung Grüen­au war ich schon enttäuscht. Auch, dass es zu emo­tionalen Falschaussagen einiger Kreise gekommen ist, die sich gegen die Arealentwicklung ausgesprochen haben. Das Areal ist in die Jahre gekommen und ihm würde eine Erneuerung gut tun. Hier könnte man eine tolle Entwicklung auf die Beine stellen. Es geht dabei nicht in erster Linie ums Geld, sondern um eine positive, ganzheitliche Entwicklung. Das Projekt ist deshalb für mich noch nicht gestorben: Ich glaube, dass es sich lohnt, das Projekt nochmals anzugehen. Jetzt geht es darum, Betroffene miteinzubeziehen und Mehrheiten zu gewinnen.

Wer könnte dort einmal wohnen?

Es könnten mehr neue, auch junge Leute zuziehen. Die brauchen wir, um Ämter zu besetzen, für die finanzielle Lage oder um das Gewerbe zu beleben. Wir haben mit 3400 Einwohnern bereits etwas Zuwachs gehabt.

Wie wichtig ist verdichtetes Bauen für Rheineck?

Sehr wichtig. Wir sind nach aussen begrenzt und müssen im Innern wachsen. Das neue Raumplanungsgesetzt kommt uns hier zugute. Aber wir wollen ein massvolles Wachstum. Und dabei wollen wir das Alte nicht vernachlässigen. Unsere attraktive Altstadt soll erhalten bleiben.

Rheinecks Poststelle ist bis 2020 gesichert. Lässt Sie das aufatmen?

Ja, das ist auch sinnvoll. Rheineck erfüllt eine länderübergreifende Knotenfunktion. Als wir von der Überprüfung unseres Standorts erfahren haben, sind wir beim Volkswirtschaftsdepartement vorstellig geworden. Danach müssen wir wieder weiter sehen.

Schäden durch das Unwetter und Hochwasser von vor zwei Wochen sind immer noch präsent. War auch Ihr Städtli betroffen?

Es mussten einige Keller ausgepumpt werden. Meistens haben wir Glück, 2003 hat es uns stark getroffen. Der Grundwasserspiegel hier ist hoch. Es stehen Sanierungen der Bäche an. Jedoch sind hier auch nicht alle einverstanden, die Kosten zu tragen, die nicht gefährdet sind.

Derzeit wird die Autobahn A1 von Rheineck nach St. Margrethen saniert. Erliegt Rhein­eck zu Stosszeiten deshalb dem Verkehr?

Nein, so schlimm ist es nicht. Die Autofahrer gewöhnen sich daran und weichen nicht mehr so oft auf die Nebenstrassen aus wie am Anfang der Bauzeit. Für uns ist wichtig, dass die Lärmschutzwände auf der Autobahn montiert werden.

Warten Sie schon lange darauf?

Bei einigen Gebäuden im Dorf ist der Lärmpegel von der Autobahn überschritten. Wir haben uns vor 15 Jahren schon mehrmals an den damaligen Bundesrat Moriz Leuenberger gewendet.

Mit Rheineck 2.0 haben der Onlineauftritt sowie das Informationsorgan ein neues Kleid bekommen. Was hat das gebracht?

Das ist eine deutliche Verbesserung zum vorherigen Kommunikationskonzept. Jetzt kommen wir frischer, zeitgerechter daher. Und es ist Teil der Standortförderung. Die Voraussetzungen für die Standortförderung sind aber an erster Stelle bauliche Entwicklungen. Damit sind nicht nur Neubauten gemeint.

Vergangenes Jahr wurden Flüchtlinge in der Militäranlage untergebracht. Wie hat das geklappt?

Die Unterbringung war von Anfang an auf ein halbes Jahr befristet. Es wohnten dort mehrheitlich weniger als 60 Personen, anfangs war von 100 Flüchtlingen die Rede. Das hat aber gut geklappt. Derzeit halten sich vor allem unbegleitete, minderjährige Asylsuchende (UMA) aus der nahe gelegenen Marienburg in Thal hier auf. Das sorgt im Dorf für Gesprächsstoff.

Ist das ein Problem?

Nein, Problem nicht. Es wäre schöner anders. Das Verhalten einzelner UMAs fällt halt auf. Sie sind logischerweise etwas anders als wir. Sie haben einen anderen Hintergrund.

Ist man sich in der Grenzgemeinde nicht an andere Nationalitäten gewohnt?

Das ist so. Wir haben auch einen höheren Ausländeranteil. Aber wenn sich die Kulturen unterscheiden, führt das zu Gesprächen.

Bis jetzt erschienen

Michel Götte, Tübach, Ausgabe vom 10. August; Thomas Fehr, Horn, Ausgabe vom 23. August; Dominik Gemperli, Goldach, Ausgabe vom 26. August; Roland Brändli, Steinach, Ausgabe vom 9. September.

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