Sombor-Hilfe ist bald Geschichte

20 Jahre lang hat sich der Rorschacher Arne Engeli im Regionalkomitee der Organisation Gemeinden Gemeinsam für Hilfsbedürftige in Serbien starkgemacht.

Markus Schoch
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Arne Engeli (Bild: pd)

Arne Engeli (Bild: pd)

RORSCHACH. Arne Engeli fällt der Gedanke an die heutige Mitgliederversammlung schwer. Doch er sei gleichzeitig stolz und empfinde Freude, wenn er sich die letzten 20 Jahre in Erinnerung rufe. Jahr für Jahr rollten Lastwagen nach Sombor, bis heute insgesamt 60 mit 1200 Tonnen Hilfsgütern auf der Ladebrücke im Wert von rund 9 Millionen Franken.

Der in Rorschach wohnende Engeli war 1992 als damaliger Präsident des Schweizerischen Friedensrates einer der Initianten von «Gemeinden Gemeinsam» und blieb bis zuletzt eine der treibenden Kräfte im Regionalkomitee Bodensee/Rhein-Sombor, zuerst als Projektkoordinator, ab 2006 zusätzlich als Präsident. Heute gibt Engeli (77) seinen Rücktritt auf Ende Jahr bekannt. Und weil sich kein Nachfolger für den Politologen fand, wird dann vermutlich auch das von ihm geleitete Regionalkomitee aufgelöst.

Riesige Solidarität

Die Solidarität der Bevölkerung in der Region Bodensee-Rhein mit den Menschen im zerfallenden Jugoslawien war vor allem in der Anfangszeit von «Gemeinden Gemeinsam» riesig, als es um Soforthilfe ging. Bei der Weihnachtsaktion der damaligen «Schweizerischen Bodensee-Zeitung» im Jahr 1995 kamen fast 50 000 Franken zusammen. Insgesamt sammelten Engeli und seine Helfer seit 1993 fast 2 Millionen Franken für Projekte in Sombor. Alle hatten zum Ziel, die Zivilgesellschaft zu stärken und den brüchigen Frieden zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu wahren.

Stadt Sombor in der Pflicht

Die Menschen in der Vojvodina könnten die Hilfe aus der Schweiz weiter gut gebrauchen. «Die wirtschaftliche und politische Situation in Serbien ist katastrophal», sagt Engeli. Das Klientelsystem verhindere jede Entwicklung. «Etwas vom Schmerzhaftesten für uns war, als der Stadtpräsident von Sombor 2008 gehen musste, weil er der dominierenden Demokratischen Partei nicht mehr genehm war», sagt Engeli. «Er hätte Sombor vorwärtsbringen können.» Es sei jetzt aber trotz ungewisser Perspektiven an der Zeit, dass die Stadt mehr Verantwortung übernehme. «Eine Suppenküche für die notleidenden Einwohner zu betreiben, ist oberste Pflicht einer Stadt», meint Engeli. Und einen kulturellen Leuchtturm wie den Chor Iuventus Cantat zu unterstützen, müsste seiner Meinung nach eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Für andere Projekte seien Lösungen gefunden worden, damit es weitergehe. Vorerst gesichert ist unter anderem die Zukunft des Roma-Kindergartens und des internationalen Jugendcamps. «Wir sind darüber sehr erleichtert», sagt Engeli. Beide Projekte lagen dem Regionalkomitee sehr am Herzen. Engeli ist sich aber bewusst: «Ein Teil unserer Partner wird uns schmerzlich vermissen.»

Die Welt nicht verändert

Sie hätten die Welt mit ihrer Arbeit nicht verändert, sagt Arne Engeli. Die Mühen seien aber trotzdem nicht vergeblich gewesen. Sie hätten zumindest zu einem besseren Verständnis des Balkans in der Bodensee-Region beigetragen, den Menschen in der grössten Not geholfen und sie darin nicht allein gelassen.

Engeli hätte allerdings erwartet, dass alles viel schneller geht. Das sei eine der wichtigsten Erkenntnisse, die er in den letzten 20 Jahren gewonnen habe: «Ein Krieg zerstört in wenigen Tagen viel, der Aufbau dauert aber zwei bis drei Generationen.»

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