SOLIDARISCH: Dank Freiwilligen weniger fremd

Während einige Schweizerinnen und Schweizer steigende Asylzahlen kaum ertragen können, gibt es in der Region viele Leute, die den Asylsuchenden mit Freude helfen. Helfen heisse aber auch helfen lassen.

Sebastian Schneider
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Asylsuchende, die noch nicht offiziell aufgenommen sind, lernen in Mörschwil bei Freiwilligen Deutsch. (Bild: Urs Bucher (7. Juli 2016))

Asylsuchende, die noch nicht offiziell aufgenommen sind, lernen in Mörschwil bei Freiwilligen Deutsch. (Bild: Urs Bucher (7. Juli 2016))

Sebastian Schneider

sebastian.schneider

@tagblatt.ch

«Sie lungern herum oder steigen einfach so in den Bus.» «Womöglich stehlen sie und sind sonst kriminell.» Flüchtlinge und Asylsuchende sind aus Sicht mancher Bewohner in der Region ein Stör- und Angstfaktor. Und da diese Einheimischen die Fremden nicht kennen, malen sie sich selber im Kopf aus, wozu Asylsuchende fähig sein mögen. Das Resultat schlägt sich nicht selten am Stammtisch oder in Internet-Kommentaren nieder. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die auf die Flüchtlinge zugehen, die ihnen helfen und sie kennen lernen wollen. Die Gemeindeverwaltungen in der Region können jedenfalls auf zahlreiche Engagierte setzen, wie eine Umfrage zeigt. Besonders viele Freiwillige gibt es in Mörschwil.

Schwimmen und Sprache beibringen

«Es hat sich einiges getan in den vergangenen Monaten», sagt Jürgen Spickers. Im Frühling hat sich eine ökumenische Gruppe gebildet, die sich zum Ziel setzte, den rund 30 Flüchtlingen in Mörschwil zu helfen. «Unterdessen sind wir 40 Freiwillige», sagt Spickers, der für die Koordination zuständig ist. Die Asylsuchenden konnten vom Engagement vielseitig profitieren: Unter anderem gab es laut Spickers Spielabende und Schwimmkurse im Blumenwies. Flüchtlinge seien auch in Vereinen willkommen, einige nähmen am «Winterfit» teil. Bei einer Zahnärztin hätten die Flüchtlinge eine Gratisuntersuchung erhalten. Einige wurden sogar in die Wohnhäuser eingeladen, um dort zu lernen oder um zusammen zu kochen.

Wichtig, und das habe zu Beginn eine Umfrage gezeigt, sei den Asylsuchenden Deutsch zu lernen und eine Beschäftigung zu haben. Die Gruppe bietet darum einen wöchentlichen Sprachkurs an. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr liessen sich laut Spickers Helfer finden, die unterrichten wollen. Christliche Flüchtlinge hätten mit Mitgliedern der Gruppe zusammen Weihnachten gefeiert. «Es läuft super», sagt Spickers zufrieden. Und die Gruppe setzt ihre Arbeit 2017 fort: Am 11. Februar etwa gibt es ein gemeinsames Essen, bei dem die Flüchtlinge für die Bewohner kochen werden.

Gegenseitige Hilfe in Wittenbach

Freiwillige, die Flüchtlingen helfen, gibt es auch in Wittenbach. Begegnungen zwischen Bewohnern und Asylsuchenden finden vor allem beim K-Treff statt, wo Armutsbetroffene Lebensmittel kaufen oder donnerstags am Mittagstisch günstig essen können. «Es kommen auch Flüchtlinge aus der Region, aus Häggenschwil zum Beispiel», sagt Ueli Bächtold, Leiter des K-Treffs. Wichtiger für ihn sei aber die umgekehrte Form: Arme oder Flüchtlinge helfen den Bewohnern. «Es gibt nichts Wichtigeres, als dass man sich gebraucht fühlt», sagt Bächtold. Der K-Treff biete darum nicht nur Hilfe, sondern auch Arbeit an. «Etwa am Mittagstisch. Oder wenn die Mesmerin Hilfe braucht.»

Aufrufe mit regem Rücklauf

In Gaiserwald werden die meisten Familien oder Einzelpersonen von Ehrenamtlichen betreut. «Zudem unterstützt eine Person, die entschädigt wird, das Sozialamt», ergänzt Barbara Giger, Leiterin des Sozialamts. Nachdem viele neue Asylsuchende nach Gaiserwald zugeteilt worden waren, habe man einen Aufruf im Mitteilungsblatt gestartet. «Es haben sich sehr viele gemeldet», sagt Giger, die wie ihre Kollegen auf der Verwaltung überrascht war von diesem regen Rücklauf.

Solidarität zeigen auch Bewohner kleinerer Dörfer, wie etwa Häggenschwil. Im Oktober musste die Gemeinde die Wohnung einer syrischen Flüchtlingsfamilie ausstatten. Der Aufruf, der auch im Tagblatt aufgenommen wurde, löste einen Ansturm auf die Gemeindeverwaltung aus. «Leider mussten wir viele Angebote ablehnen», sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring. Die gesuchten Gegenstände seien so natürlich rasch beisammen gewesen. Auch in Häggenschwil betreuen Freiwillige Flüchtlinge; die Helfer bekommen ebenfalls ein Sackgeld für diese Arbeit.