Sömmerliwiese: Argumente für die grüne Freifläche und gegen einen «Super-Hort»

Ja, die Tagesbetreuung von Schulkindern ist nötig. Ja, in diesem Bereich wird von bereits vorhandenen Einrichtungen im Lachen-Quartier wie von denen im Rest der Stadt ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ja, die Tagesbetreuung braucht eine moderne Infrastruktur. Ja, der Ausbau darf etwas kosten.

Susanne Studer
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Am 12. Februar haben wir Gelegenheit, diejenigen bei der Stadt zu stoppen, die verantwortlich sind, dass die Grünsubstanz in St. Gallen stetig weniger wird. Zugegeben, es ist ein bescheidenes Zeichen, das wir mit einem Ja zur Umteilung der ganzen Sömmerliwiese in die Grünzone und einem Nein zum Gegenvorschlag geben können. Dieses Zeichen wird aber mit Sicherheit Signalwirkung für den vorsichtigeren Umgang mit anderen Grünflächen und mit Naturnischen haben. Auch in anderen Quartieren liegen Grünflächen in der Zone für öffentliche Bauten. Das sind für die Stadtverwaltung alles potenzielle Bauflächen. Ein Ja zum vollständigen Erhalt und Schutz der Sömmerliwiese macht deutlich, dass wir Bürgerinnen und Bürger genug davon haben, dass Politik und Verwaltung ständig ökologische Parolen und Slogans über die Nachhaltigkeit skandieren, während sie in Tat und Wahrheit nicht nur auf der Sömmerliwiese Raubbau an der Stadtnatur betreiben. Und damit unsere Lebensqualität beeinträchtigen.

Susanne Studer

Oberhofstettenstr. 75a, 9012 St. Gallen

Grüne Inseln in der Stadt erhalten

Stimmen wir am 12. Februar Ja zur Auszonungs-Initiative! So sichern wir einen Fleck Natur in unserer Stadt für kommende Generationen.

Beatrice Kurz

Goethestrasse 23, 9008 St. Gallen

Tagesbetreuung ja, aber nicht so

Allerdings: Die Idee, die Kinder des Schulhauses Schönenwegen für die Tagesbetreuung täglich auf die Sömmerliwiese und damit über die viel befahrene Zürcher Strasse hin- und herzuschicken, ist absurd. Die Idee, die Schönenwegen-Kinder auf dieser Wiese – ziemlich weit weg von ihrem Schulort – betreuen zu lassen, ist pädagogisch mit vielen Nachteilen verbunden. Dies auch, wenn die so genannten Fachleute der Schulverwaltung unter dem Eindruck der Wünsche ihrer Chefs vor der Abstimmung über die Sömmerliwiese etwas Anderes behaupten werden.

Die Art und Weise, wie es an Bevölkerung und Quartierve­r­ein vorbei aufgegleist wurde, bestärkt nur meine Zweifel am Neubauprojekt auf der grünen Spielwiese. Genauso wie es tief blicken lässt, dass ein vom Parlament verlangter Bericht über den weiteren Ausbau der Tagesbetreuung wenige Wochen vor der Abstimmung über die Sömmerliwiese nicht vorliegt. Haben Stadtrat und Schuldirektion Angst, dass andere Quartiere zu früh mitkriegen, was ihnen in dem Bereich an Fehlplanung blüht?

Ich habe meine Schlüsse aus diesen Vorgängen gezogen. Ich werde am 12. Februar Ja sagen zur Initiative für eine grüne Sömmerliwiese und den Gegenvorschlag ablehnen. Wenn wir einen Teil einer Grünfläche opfern sollen, dann bitte nur, wenn es absolut nötig ist. Und das ist bei der Sömmerliwiese mit Sicherheit nicht der Fall.

Karine Mueller

Isenringweg 12,9000 St. Gallen

Wieso wir unsere Spielwiese so lieben

Viele kennen die Spielwiese im Sömmerli als Spielplatz für Kinder, als Platz zum Abhängen für Jugendliche, für Erwachsene, die sie zum Sünnelen oder zum Spazieren benutzen, oder für Hunde und ihre Halter. Im Winter kann man auf der Sömmerliwiese grosse Schneeballschlachten veranstalten. Manche lernen dort Ski und Snowboard fahren. Für die, die ein­fach kreativ sein wollen, kann man auch nie genug Schanzen und Mauern errichten. Und die Schneemänner, die jeweils auf der Wiese posieren, sind ein wunderbarer Anblick. Es gibt sogar Einzelne, die benutzen die Wiese als Langlaufloipe. Darauf hat man auch schon viele Leute kennen gelernt. Die Spielwiese wird oft als Übungsplatz genutzt. Oder auch für den Sporttag des Schulhauses Feldli. Ebenfalls darauf anzutreffen sind die Jugi und die Fussballmannschaft, genau wie der Kindergarten und die Tagesmütter.

Die Wiese ist nicht überall eben, das macht sie so besonders. Am hügeligen Rand kann man zum Beispiel super Rollenspiele spielen, doch auch zum Fangen, Verstecken oder «Räuber und Bulle»-Spielen ist er ausserordentlich gut geeignet. Wenn jemand sagt, wir treffen uns bei der Spielwiese, dann wissen alle, wo das ist.

Doch wo soll das Ganze Platz haben, wenn ein grosser Teil der Wiese verschwunden ist? So viele Erinnerungen und Sachen würden verloren gehen durch diesen Neubau. Ich hoffe, möglichst viele Leute verstehen, warum uns, einem Geschwisterpaar von 12 und 17 Jahren, so viel an der Spielwiese liegt.

Lia und Jalscha Sturzenegger

Lilienstrasse 19, 9000 St. Gallen

Ja für eine grüne Sömmerliwiese

Die Tagesbetreuung von Schulkindern ist nötig und unumstritten. Die Schule muss heutzutage eine Tagesbetreuung ermöglichen. Viele Mütter und Väter möchten berufstätig sein, bei der Arbeit aber wissen, dass ihre Kinder begleitet und betreut sind. So sind Gesellschaft und Schulamt gefordert, Tagesstrukturen zu erarbeiten und den Raum dafür zu schaffen. Nun steht ein Projekt im Raum, das weder mit dem Quartier noch mit Pädagogen erarbeitet wurde. Es sollen bis 180 Kinder an einem Ort, auf der Sömmerliwiese, betreut werden.

Kinder in der Gruppe sind aber oft nicht einfach gehorsame und liebe Kinder. Stellen wir uns doch die Situation vor: Es ist Schulschluss, und 90 bis 180 Kinder verlassen die Schulhäuser und laufen und springen lärmend ins Freie. Sie haben Hunger und Durst und möchten schnellstmöglich etwas zu essen. Für viele heisst das nun, sie müssen über die Zürcher Strasse und durch das Lachen-Quartier laufen. Ich glaube, sogar Nichtpädagogen sehen es als nicht sinnvoll an, die Schüler zu verpflanzen. Die Tagesstrukturen sollten im nahen Umkreis der jeweiligen Schulhäuser ausgebaut werden. Die Gesellschaft wiederum soll auch in Zukunft das Recht auf Erholungsoasen in den Quartieren haben. Die heutigen Schulkinder werden uns dereinst dankbar sein, wenn sie Wiesen für ihre Kinder vorfinden. Die Sömmerliwiese ist für alle da und sollte als ganze Fläche in der Grünzone zugeteilt werden.

Jeder Mensch braucht grüne Oasen zum Leben. Darum stimmen wir am 12. Februar für die Erhaltung der ganzen Sömmerliwiese und hoffen auf die Unterstützung der Stadtbevölkerung.

Anna Saborowski und Paul Nussbaumer

Schönaustrasse 35, 9000 St. Gallen

Alternativen sind vorhanden

Obwohl in der Anlage des Schulhauses Feldli eine kleine Grünfläche vorhanden ist, werden am Schulsporttag aus Platzgründen viele Disziplinen auf die Sömmerliwiese verlegt: Weitwurf, Dauerlauf, Geschicklichkeitsübungen… Mit der Erstellung eines Gebäudes für die Tagesbetreuung werden diese Aktivitäten nicht mehr im heutigen Umfang möglich sein.

Geplant ist ein «Super-Hort» für bis zu 180 Kinder, obwohl sich die Erkenntnis durchsetzt, dass solch grosse Anlagen mehr Probleme erzeugen als lösen. Wird der Mittagstisch dezentral bei den Schulhäusern durchgeführt, gibt es andere Lösungsmöglichkeiten. Darunter ist fürs Feldli die Erneuerung des bestehenden Hortes am Gerbeweg. Für die Bauzeit könnte ein Provisorium auf die Sömmerliwiese gestellt werden, wie dies vor ein paar Jahren für die Kindergärten gemacht wurde. Auch gibt es direkt neben dem Schulhaus ein ungenutztes, brachliegendes ehemaliges Gärtnereiareal. Und warum wurde die ehemalige Liegenschaft des Mittagstisches oberhalb des Feldli schnell als Realersatz für einen Grundeigentümer im Bahnhof Nord abgetauscht?

Ich bin mir bewusst, dass dezentrale Betreuungslösungen etwas kostspieliger sind, aber ist es uns das für unsere Kinder nicht wert? Oder ist es etwa so, dass die Stadt das Areal des bestehenden Hortes an einen Investor verkaufen will, der dann einen fünfstöckigen «Rendite-Wohnblock» erstellt? Möglichst für Familien mit Kindern, die dann keinen Ort zum Austoben mehr haben? Erhalten wir die Sömmerliwiese als Grünfläche für alle, die etwas Platz zum Verschnaufen brauchen. Ich stimme am 12. Feb­ruar Ja zur Umzonungs-Initiative und Nein zum Gegenvorschlag.

Angela Genziani

Isenringweg 9, 9000 St. Gallen