So viel bezahlen, wie man mag

RORSCHACH. Im «Da Ricky» in Rorschach bestimmt zukünftig der Kunde den Preis seines Menus selbst. Wenn die Restaurant-Crew morgen Samstag mit dem neuen Geschäftsmodell startet, betritt sie damit Neuland in der Schweiz – und geht ein Risiko ein.

Fabian Fischer
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Überzeugt vom neuen Geschäftsmodell: Ricky D'Agnano und Andreas Kuppinger (rechts) sowie Joy und Dennis D'Agnano. (Bild: Fabian Fischer)

Überzeugt vom neuen Geschäftsmodell: Ricky D'Agnano und Andreas Kuppinger (rechts) sowie Joy und Dennis D'Agnano. (Bild: Fabian Fischer)

Es scheint nur logisch: Im Restaurant wird bezahlt, was man gegessen hat – zu dem Preis, der auf der Karte steht. Im «Da Ricky» in Rorschach werden aber ab morgen Samstag keine Preisangaben mehr in der Karte zu finden sein. Inhaber Ricky D'Agnano und Küchenchef Andreas Kuppinger wagen ein spezielles Experiment.

Wie viel es einem wert ist

Pay-What-You-Want (PWYW) heisst das Konzept, das im vergangenen Jahrzehnt in den USA entstanden ist. Das Prinzip ist denkbar einfach: Der Kunde konsumiert erst und entscheidet danach, wie viel ihm die erbrachte Leistung wert ist. Verpflichtungen gibt es keine – wer besonders dreist ist, kann auch gar nichts bezahlen. Nicht die feine Art, aber durchaus legal. «Natürlich gehen wir damit ein Risiko ein», sagt Ricky D'Agnano. Und Andreas Kuppinger ergänzt: «Wir haben gar keine andere Wahl, als gute Qualität abzuliefern. Sonst ist man mit diesem Geschäftsmodell verloren.»

Dass PWYW durchaus funktionieren kann, zeigt die Erfahrung. «In Frankfurt beispielsweise gibt es ein Lokal mit einem ähnlichen Preismodell. Das läuft wie verrückt, konnte gar expandieren», sagt Kuppinger. In der Schweiz sei das «Da Ricky», nach allem, was er herausfinden konnte, das erste Restaurant mit diesem Konzept. Auch deshalb habe man an drei Wochenenden im Dezember erst einmal getestet, wie die Kunden darauf reagierten. «Die Erfahrungen waren super», sagt Kuppinger, «auch wenn die Leute sich natürlich zuerst daran gewöhnen müssen, die Preise selbst einzuschätzen.» Er zweifelt jedoch nicht daran, dass die Kunden das können: «Die Leute gehen ja auch einkaufen oder kennen die Preise von anderen Restaurants. Und wenn sich jemand wirklich nicht zurechtfindet, geben wir gerne mit einem Richtpreis Hilfestellung.»

Durch Qualität überzeugen

Das sei dann allerdings nicht wirklich der Sinn von PWYW. «Die selbstgewählte Bezahlung ist auch eine Art Benotung für uns», sagt Küchenchef Kuppinger. «Wir müssen den Kunden einfach durch gehobene Qualität und guten Service überzeugen, uns angemessen zu entlöhnen.»

So sieht das auch Ricky D'Agnano: «Wir wollen lieber eine etwas kleinere Auswahl anbieten, dafür aber alles fein und frisch zubereiten.» Trotzdem könne es natürlich passieren, dass jemand versuche, sich um die Bezahlung zu drücken. «Wenn jemand das Konzept wiederholt ausnutzt, werden wir ihn natürlich darauf hinweisen, dass das bei uns nicht erwünscht ist.» Verhindern könne man es aber nicht. Wohl deshalb gelten für die Getränke auch fixe Preise. So habe man «zumindest einen gewissen Grundstock», sagt D'Agnano. Man müsse jetzt eben einfach Schritt für Schritt schauen, wie das System funktioniere und ob vielleicht noch Anpassungen nötig seien.

Direkter Kontakt ist nötig

Die Erfahrungen aus den Testwochenenden im Dezember stimmen die beiden aber zuversichtlich. «Sobald der direkte Kontakt mit den Kunden da ist, ist man auch fair zueinander», sagt Kuppinger. Und im kleinen Restaurant an der Löwenstrasse mit schätzungsweise vierzig Sitzplätzen sei auch die Intimität und Überschaubarkeit gegeben, die für ein PWYW-Lokal vonnöten sei.

Von der Konkurrenz abheben will man sich zudem mit weiteren Leistungen: Im Frühling will man am Sonntagmorgen jeweils einen Brunch anbieten – natürlich ebenfalls ohne fixe Preise. Vor dem Restaurant soll eine Sommerterrasse entstehen, und in der schmucken Cigar-Lounge darf auch weiterhin geraucht werden.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.30–14 Uhr und 17.30–22 Uhr. Samstag 17.30–23 Uhr, Sonntag 11.30–14 Uhr. Montag Ruhetag.