So nah und doch wieder weit weg

Bäume und Gedenktafeln erinnern noch an Seegfrörni-Freundschaften zwischen Orten. Doch die Kontakte sind zwischen Rorschacherberg und Kressbronn weitgehend und zwischen Rorschach und Nonnenhorn ganz eingeschlafen.

Fritz Bichsel
Drucken
Teilen
Sie erinnern noch heute an Seegfrörni-Freundschaften: Die von der Gemeinde Kressbronn beim Schulhaus Steig in Rorschacherberg gepflanzte Linde und beim Seerestaurant in Rorschach die von Rorschachern gestiftete Eissegel-Skulptur und der Wegweiser über den See nach Nonnenhorn. (Bilder: Fritz Bichsel)

Sie erinnern noch heute an Seegfrörni-Freundschaften: Die von der Gemeinde Kressbronn beim Schulhaus Steig in Rorschacherberg gepflanzte Linde und beim Seerestaurant in Rorschach die von Rorschachern gestiftete Eissegel-Skulptur und der Wegweiser über den See nach Nonnenhorn. (Bilder: Fritz Bichsel)

SEEREGION. Einzelne Überquerer des grossen Eises nahmen junge Bäume mit und setzten damit auf der anderen Seite des Sees Zeichen der Verbundenheit. Eine Gruppe karrte sogar Mist hinüber für ihren Baum. Die Brüder Schildknecht aus Mörschwil zogen auf ihrem Schlitten einen Nussbaum nach Nonnenhorn, welcher dort heute noch gedeiht.

Mit dieser Serie erinnerte das Tagblatt daran, wie vor 50 Jahren der See zufror, Menschenmassen diese Brücke überquerten und das Eis Anfang März 1963 wieder verschwand. Das soll es nicht einfach gewesen sein, sagten sich damals auch Behördenvertreter.

Kressbronner Linde

Der Gemeinderat und Einwohner von Kressbronn kamen im Gfrörni-Jahr um den See und brachten ebenfalls einen jungen Baum mit. In Rorschacherberg, von wo die ganze Schule nach Kressbronn gewandert war, pflanzten sie diesen beim Schulhaus Steig. Die Linde steht dort bis heute. Die zuerst regen Kontakte reduzierten sich hingegen auf ein Treffen von Behördenvertretern alle fünf Jahre und wurden noch seltener. Jetzt, zum 50-Jahr-Jubiläum, war wieder eine Rorschacherberger Delegation mit Schulsekretär Felix Rothenberger in Kressbronn. Sie traf auch mit heutigen Schülern zusammen, womit diese Verbindung wieder einmal ein Thema für Zeitungen war.

Noch erhalten ist der Film – heute als DVD –, den Vater Leonhard Rothenberger als Lehrer gedreht hat vom grossen Schulausflug über den gefrorenen See.

Gedenkstein in Nonnenhorn

Ebenfalls noch 1963 hielt die Gemeinde Nonnenhorn die während der Seegfrörni entstandenen Bande mit Rorschach auf einem Gedenkstein fest. Das erlebte eine grosse Delegation aus Rorschach mit. Hier dauerte es hingegen fünf Jahre, bis auf Initiative von Leuten aus dem Gewerbe mit der Eissegel-Skulptur beim Seerestaurant ein Gfrörni-Denkmal entstand. Zu dessen Enthüllung kamen 250 Nonnenhorner nach Rorschach. Zum 20-Jahr-Jubiläum besuchte eine Delegation der Stadt Rorschach 1983 Nonnenhorn und pflanzte ebenfalls einen Baum. Danach schlief der Kontakt ein.

Länger hielt die Partnerschaft von Arbon mit Langenargen, aber sie wurde ebenfalls loser. Jetzt gab es einen neuen Anlauf mit einer gemeinsam gestalteten Ausstellung in beiden Gemeinden zum 50-Jahr-Jubiläum der Gfrörni.

Heute fremd wie vor der Gfrörni

Nonnenhorn und Kressbronn sind Rorschach so nah wie das Zentrum von St. Gallen. Aber statt Minuten dauert eine Fahrt im Zug zwei Stunden und mit dem Kursschiff sogar zwei bis drei – fast so lange wie zu Fuss übers Eis. Diese Reise machen wenige. Die nahen Nachbarn am anderen Ufer sind uns wieder so fremd wie vor der Seegfrörni. Wie schon vor dieser halten wieder fast nur noch Segler und Fasnächtler Kontakt.

Bild: FRITZ BICHSEL

Bild: FRITZ BICHSEL

Aktuelle Nachrichten