Skepsis gegenüber dem Hochhaus

Eher zurückhaltend und teils gar ablehnend haben die Steinacher an einer Informationsversammlung im Gemeindesaal auf die Hochhaus-Pläne von HRS an der Gemeindegrenze zu Arbon reagiert.

Fritz Heinze
Drucken
Teilen
Die Steinacher Bevölkerung interessiert sich für das Modell der geplanten Überbauung des Areals Saurer WerkZwei. (Bild: Fritz Heinze)

Die Steinacher Bevölkerung interessiert sich für das Modell der geplanten Überbauung des Areals Saurer WerkZwei. (Bild: Fritz Heinze)

STEINACH. Bereits eine Viertelstunde vor Versammlungsbeginn drängten sich die Besucherinnen und Besucher im Steinacher Gemeindesaal um ein Modell der Überbauung, die auf dem Areal Saurer WerkZwei geplant ist. Zu dieser gehört auch das Hochhaus, das dereinst auf Gemeindeboden stehen soll (Tagblatt von gestern).

Mit Superlativen operiert

Während der Präsentation war viel Interessantes über das Projekt WerkZwei zu erfahren. Insbesondere über das Hochhaus, welches zwischen Bahn, neuer Kantonsstrasse und Aach hochgezogen werden soll. Die Nachbargebäude überragend, präsentiert sich der Bau mit 60 Metern Höhe. Offensichtlich legt die Firma HRS Real Estate AG mit CEO Martin Kull viel Wert auf ein verkaufsförderndes Vorgehen. So wurde hinreichend mit Superlativen operiert. Viel Geld wurde bereits investiert. Ein Teil der Bevölkerung geht jedoch auf Distanz zum Projekt.

Den gesetzlichen Weg gehen

Otto Hädinger, Präsident der Steinacher Ortsbürger, schlug Gemeindepräsident Roland Brändli vor, im Rahmen einer Konsultativabstimmung an einer Bürgerversammlung den Steinachern den Puls zu fühlen. Brändli wies darauf hin, dass das fakultative Referendum bei einer Umzonung das einzige Instrument sei, um das Projekt vor das Volk zu bringen. Für ein Referendumsbegehren sind 200 gültige Unterschriften nötig.

Weitere Fragen der anwesenden Bevölkerung betrafen das Parkplatzangebot und die Realisierung der Grünfläche, die das Hochhaus laut Plan umgeben soll. Vermisst bei der Projektvorstellung wurden Bilder mit Sicht auf die Skyline vom See aus, um etwa das Grössenverhältnis zur Grubenmannkirche erkennen zu können.

Misstrauen und Bedenken

Der Informationsabend machte klar: Misstrauen gegenüber dem Projekt ist spürbar, vor allem bei einem grossen Teil der älteren Bevölkerung. Bedenken sind vorhanden, dass mit dem Bau des Hochhauses nicht nur einige Steuerzahler ins Dorf ziehen werden, sondern auch Kosten in die Höhe schnellen. Zum Beispiel für die Pflege der Grünanlage im Steinacher Bereich zwischen dem Hochhaus und der Hauptstrasse. Eine Grünanlage würde die Gemeinde, die über ausreichend Seeanstoss verfügt, nicht zwingend benötigen. Für zahlreiche Besucher stand denn die Frage im Raum: Warum braucht das ehemalige Fischerdorf überhaupt ein Hochhaus?

Ein Dorfplatz wird gesucht

Nebst dem umstrittenen Projekt zeigte der Gemeindepräsident weitere Entwicklungsschwerpunkte auf: Weidenhof West: Begegnung schaffen; Weidenhof Ost: Reserven erhalten; Kirchplatz/Zentrum Nord: Ordnung schaffen sowie Schönau und Hochhaus: das Saurer-Areal entwickeln.

Beim Thema Dorfplatz erinnerte Brändli an die «unhaltbare Situation» an der Otmarstrasse und hinter dem Restaurant Sonne. Hier brauche es eine Entwicklung, hier sei Ordnung schaffen von grösster Wichtigkeit. Der Gemeindepräsident versprach, bis zur Gemeindeversammlung am 21. Januar 2014 einen mehrheitsfähigen Vorschlag auf den Tisch zu legen. Was Weidenhof Ost anbelangt, steht die Gemeindeleitung weiterhin hinter dem damaligen Entscheid, die Liegenschaft zu kaufen. «Die Liegenschaft wollen wir für die kommende Generation erhalten», sagte Brändli.