SIRENENTEST: Ruhig Blut bei Sirenenalarm

384 Sirenen heulen heute um Punkt 13.30 Uhr im ganzen Kanton auf. Der Mörschwiler Peter Müller vom Amt für Militär und Zivilschutz koordiniert das Alarmsystem. Der Test bringt ihn nicht aus der Ruhe.

Noemi Heule
Drucken
Teilen

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Peter Müller hat seine Skiferien bereits auf letzte Woche vorgezogen. Denn am ersten Mittwoch im Februar ist für ihn jeweils viel los: Lautstark rückt seine Arbeit dann ins öffentliche Bewusstsein, wenn schweizweit die Sirenen aufheulen. Dennoch sagt der kantonale Leiter für Infrastruktur und Zivilschutz: «Ich kann den heutigen Tag ruhig angehen.»

Zwar beginnt um 13.30 Uhr das schrille Finale seiner täglichen Arbeit. Sirenentests finden aber nicht nur einmal jährlich statt; regelmässig werden die Sirenen zusätzlich «stumm» getestet. Der Frequenzbereich dieser Tests ist so hoch, dass ihn das menschliche Ohr nicht wahrnehmen kann. Peter Müller jedoch ist stets informiert, wöchentlich erhält er Bericht über den Zustand ­der Sirenen in seinem Gebiet. «Mit einem guten Gefühl» sieht er denn auch dem Test entgegen.

Die wenigsten Sirenen funktionieren nicht

Trotzdem bleibt der nationale Sirenentest wichtig: «Nur so können wir die gesamte Anlage vollständig überprüfen», sagt Müller. Mit dem Test wird die Belastung des Schweizerischen Alarmsystems (Polyalert) erprobt. Wichtig ist etwa, dass trotz des Alarms das Sicherheitsfunknetz nicht überlastet wird und Polizei, Feuerwehr, Sanität, Armee und Zivilschutz weiterhin über Funk kommunizieren können. Der Alarm ist vom Bund bis ins Detail geregelt: Um 13.30 Uhr werden die 232 stationären Sirenen im Kanton per Funk und 152 mobilen Sirenen von Hand ausgelöst. Um 13.50 Uhr folgt sodann die manuelle Auslösung der stationären Sirenen. Bis zu 250 Leute stehen dafür im Einsatz. Später treffen die Rückmeldungen bei Müller ein: «In der Regel sind ein bis zwei Prozent der Sirenen von Fehlern betroffen.»

Fast ein Vierteljahrhundert ist der Mörschwiler bereits für die Sirenen im Kanton zuständig. In dieser Zeit hat sich vieles verändert: Der Geräuschpegel sei lauter geworden und die Fenster zudem besser isoliert. Damit man den Alarm allerorts hört, musste das Sirenennetz deshalb verdichtet und einzelne Sirenen durch stärkere Modelle ersetzt werden.

Kurzschlüsse lösen Fehlalarm aus

Die grösste Veränderung aber ging von 2010 bis 2015 vonstatten, als die Motorsirenen durch elektronische Varianten ersetzt wurden. Sie seien sensibler als ihre Vorgänger, sagt er. Durch Batterien angetrieben, stehen sie permanent unter Spannung. Kommt Feuchtigkeit hinzu, kann es zum Kurzschluss kommen und ein Fehlalarm geht los – zuletzt passiert vor rund zwei Wochen in Gossau.

«Bei Fehlalarmen sind die Leute irritiert», sagt Peter Müller. Viele wählen den Notruf, statt das Radio einzuschalten. So wird die Kantonale Notrufzentrale mit Anfragen überrannt. Fehlalarme bringen den 62-Jährigen deshalb eher aus der Ruhe als der Sirenentest von heute Nachmittag.