Sinnsuche am Bärenplatz

Das Jugendtheater U21 führt sein neustes Theaterstück «One Way 15» mitten in der Altstadt auf. Passanten können dabei zu Protagonisten werden. Die Premiere ist morgen abend.

Kathrin Reimann
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Darran Murray alias Nigel, Simon Schmalz alias Moritz und Regisseur Adrian Strazza (von links) bei der Probe. (Bild: Benjamin Manser)

Darran Murray alias Nigel, Simon Schmalz alias Moritz und Regisseur Adrian Strazza (von links) bei der Probe. (Bild: Benjamin Manser)

Moritz ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Mitten in der Stadt, am Bärenplatz, lässt er sich deshalb inspirieren. Dort trifft er auf Nigel, einen Altersgenossen, der auch nicht so recht weiss, wohin er mit seinem Leben soll. Um sich zu beschäftigen und weil sein Vater gesagt hat, er solle endlich etwas tun, zählt der Arbeitslose die Passanten. Die beiden unterschiedlichen Jugendlichen freunden sich allmählich an, beobachten das Geschehen, die Passanten und richten ihre Fragen an sie und sich selber.

Neuartiges Theaterstück

Das Stück «One Way 15» des Theaterpädagogen und Jugendtheater-Mitbegründers Adrian Strazza hat dieser gemeinsam mit den beiden Darstellern erarbeitet. Es ist in verschiedener Hinsicht neuartig: Zum ersten Mal bespielt das Theater einen öffentlichen Raum, und zum ersten Mal wagt es sich an ein Stück mit nur zwei Darstellern. Simon Schmalz als Moritz und Darran Murray als Nigel bespielen ab morgen gemeinsam den Bärenplatz. Insgesamt acht Vorstellungen geben sie, diese finden bei jeder Witterung statt.

Polizei geholt und ausgerufen

Für den 18jährigen Simon Schmalz aus Rebstein ist es das erste Mal, dass er ausserhalb der Schule in einem Theater mitwirkt, nervös ist er deswegen nicht. «Der erste Durchlauf am Bärenplatz lief ziemlich gut; es ist spannend, wie die Passanten auf uns reagieren», sagt er. Während der Szene, in der sie mit Kreidespraydosen Graffitis malen, habe ein Mann einen Video gedreht, ausgerufen und die Polizei geholt. «Andere mischen sich ein, erschrecken sich, schauen, lachen, imitieren uns oder machen sogar mit», sagt Schmalz, der die Passanten meist gar nicht wahrnimmt, wenn er spielt. «Ausser wenn wir sie bewusst einbinden.»

Ob es aber im städtischen Getümmel überhaupt auffalle, dass am Bärenplatz Theater gespielt wird, da ist sich der Jugendliche nicht sicher. Denn die Darsteller sind mit Funkmikrophonen ausgestattet, und die Zuschauer erhalten spezielle Kopfhörer, um ihre Dialoge überhaupt mitverfolgen zu können. Sitzplätze gibt es nicht, man plaziert sich für die rund 60minütige Vorstellung irgendwo am Bärenplatz, und auch sonst ist das Theater nicht als solches erkennbar. «Das hat etwas Voyeuristisches, der Zuschauer sieht das Theater und gleichzeitig, wie die Fussgänger darauf reagieren. Er ist der Allwissende», sagt Adrian Strazza.

Glücklich und einfach nur frei

Durch die äusseren Umstände wie das Wetter oder die Reaktionen der Vorübergehenden sei das Stück von Mal zu Mal anders. Nur der Text bleibe immer derselbe. Dieser dreht sich um Freundschaft, Zeit und darum, den eigenen Weg zu finden. «Es geht eigentlich um das, was mich im Leben momentan selbst beschäftigt», sagt Schmalz. Der Kantischüler hat durch sein Engagement im Jugendtheater enorm profitiert: «Anfangs war ich sehr schüchtern, jetzt komme ich mehr aus mir heraus.» Und nach jeder Theaterprobe fühle er sich glücklich und einfach nur frei.