Sinnieren über den Lebenssinn

Das Thema der diesjährigen ökumenischen Erwachsenenbildung in Horn befasst sich in drei Vorträgen mit der Sinnfindung des Lebens. Im ersten Vortrag wurde über das Schicksal geredet, der zweite findet heute abend statt.

Fritz Heinze
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Horn. Das Referat von Friedjung Jüttner enthielt nicht Erläuterungen über «trendige Lebensstile» und versuchte auch keine diesbezüglichen Parolen an die Besucherinnen und Besucher zu richten. Zweifellos stellten die fast 50 Zuhörenden andere Erwartungen. «Schicksal oder Wahl» war sein Thema. In drei Schritten erläuterte er den Begriff Schicksal.

Das Werden in Bewegung halten

«Es kann sinnvoll sein, sein Erbe zu leben», sagt Jüttner im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Persönlichkeit bis zu 40 Prozent von den Erbanlagen bestimmt sei. Eine Alternative sieht er darin, das Werden in Bewegung zu halten. «Wer den Sinn des Lebens entdeckt und an dieser Erkenntnis stets arbeitet, begeht keinen Selbstmord», so die Aussage des Psychologen. Wenn er die Frage in den Raum stellt «Schicksal oder Wahl», sieht er es nicht als zwingend an, sich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Wesentlich sei vielmehr eine persönliche Entwicklung.

Sinnvoll in der Gemeinschaft

Doch wie sieht es aus theologischer Sicht aus? Antwort darauf gibt Karin Kaspers-Elekes, Pfarrerin in Horn. Für sie zählt die Wahrnehmung der Verantwortung für sich und die Welt, und als Christin habe ihr Leben einen Sinn, weil sie ein Geschöpf Gottes sei. Allerdings räumt sie ein, dass nicht jeder Mensch dieselben Möglichkeiten habe, den Sinn seines Lebens zu optimieren. Nicht vergessen sein bei der Sinnsuche darf der Aspekt der Achtsamkeit, des Glaubens und des Humors. Letzteres bedeutet Abstandnehmen zu sich selbst, sich selbst nicht zu ernst nehmen. «Meinem Leben gibt Sinn, in Beziehungen zu leben. In Beziehung zu Gott, zu anderen Menschen und mir selbst. Denn sinnvoll leben steht in Verbindung mit der Gemeinschaft», unterstreicht Karin Kaspers-Elekes. Im ersten Vortrag ging es darum, festzustellen, wie eng das Leben mit dem Schicksal verbunden ist oder selbst in die Hand genommen werden kann. Heute abend spricht der Romanshorner Peter Welti, Fachexperte für Prävention und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz sowie Früherkennung und Frühintervention an Schulen der Organisation Perspektive Thurgau.

Der rote Faden durch die Vortragsreihe lässt sich weiterziehen. Allerdings dürfte sich in diesem Vortrag eine gewisse Diskrepanz zwischen den Aussagen von Friedjung Jüttner – «Man kann sein Schicksal selbst in die Hand nehmen» – und dem Mann, der an der Front mit Suchtproblemen beschäftigt ist, feststellen lassen.