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SILVESTERTRADITION: Für die Raunächte gewappnet

Auch in diesem Jahr tanzen die Römpler vor dem Schulhaus Bruggen um ein Feuer. Mit dem Brauch vertreiben sie böse Geister. Das könnte jetzt dank neuer Masken noch besser als bisher gelingen.
Nina Rudnicki
Andy Storchenegger (hinten) hilft Stephan Solenthaler, dem Präsidenten des Straubenzeller Römpelvereins, in seine neue Maske. (Bild: Benjamin Manser)

Andy Storchenegger (hinten) hilft Stephan Solenthaler, dem Präsidenten des Straubenzeller Römpelvereins, in seine neue Maske. (Bild: Benjamin Manser)

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Mit rotem Gesicht, schwarzen Augenringen, Hörnern und strubb­ligem Schaffell als Haare liegt eine Maske auf dem Tisch im Atelier von Andy Storchenegger. Rund eine Woche hat er an ihr geklebt, gefeilt und gemalt. Die übrigen Masken muss er bis Ende Woche noch fertig machen. Dann tanzen die Römpler aus Straubenzell wie in jedem Jahr am Silvestervorabend um das Feuer vor dem Schulhaus Bruggen. Mit den Masken, ihren Römpelliedern und dem Römpel, einer riesigen Figur, verscheuchen sie so Böses und halten Unheil fern.

«Die Römpler sind einer der wenigen städtischen Bräuche mit Masken. Solche sind sonst eher in den Dörfern üblich. Darum hat die Gruppe mein Interesse geweckt», sagt Storchenegger. Als Künstler beschäftigt er sich bereits seit mehreren Jahren mit Masken. In seinem Atelier hängt etwa auch eine 3D-Collage aus Masken verschiedener Kulturen. «Auslöser für meine Auseinandersetzung mit dem Thema war die Frage, wo das Wilde in der Gesellschaft heute noch gelebt wird.» Bei seinen Recherchen stiess Storchenegger im Internet auf die Römpler, war sofort vom Brauch begeistert und bot dem Römpelverein an, neue Masken zu fertigen. «Was mich interessiert ist nicht die Fasnacht, sondern das sind die Raunächte.»

In den Raunächten reitet der Schwarze Rappensteiner

Bei den Raunächten handelt es sich um die Nächte rund um den Jahreswechsel. Es ist traditionellerweise die Zeit der Geisteraustreibung und dazu sind über die Jahrhunderte zahlreiche Bräuche entstanden. Die Römpelsage beispielsweise handelt von der Burg Rappenstein an der Goldach zwischen Rorschach und St. Gallen. In der Nacht vor Silvester soll einst ein Pilger im Schneetreiben vor der Burg gestanden und um Einlass gebeten haben. Der Ritter wies ihn ab. Nach weiteren grausamen Taten – der Ritter hetzte unter anderem in einer Silvesternacht Bluthunde auf seine Gäste – zuckte ein Blitz vom Himmel und schloss den Ritter als schwarzes Gespenst auf einem feurigen Pferd in die Felswand der Goldach-Schlucht ein. Einmal im Jahr, in der Vorsilvesternacht, wird er von seinem Bann gelöst und jagt auf seinem Pferd durch die Gegend.

Die Römpler stellen sich nun jedes Jahr mit ihren Masken und Liedern dem Schwarzen Rappensteiner entgegen. Wann der Brauch entstanden ist, ist heute für jene, die ihn ausüben, nicht mehr nachvollziehbar. Dies, weil ein Brand in den 1980er-Jahren die Unterlagen und die alten Kostüme zerstörte. «Es könnte also sein, dass der Brauch seit dem Mittelalter existiert. Aber das wissen wir eben nicht», sagt Ve­reinspräsident Stephan Solenthaler. Er selber ist seit 32 Jahren dabei. Zu den Römplern kam er über seinen Bruder, der wiederum über die Pfadi von der Gruppe erfuhr. Die Solenthalers machen heute den Grossteil der 16 Vereinsmitglieder aus. Neben Stephan Solenthaler sind unter anderem dessen zwei Brüder, sein Sohn und zeitweise auch seine Frau mit dabei. Zudem liest Solenthaler seit 30 Jahren jeweils nach dem Römpler-Tanz ums Feuer die Sage vor. «Wenn unsere Familie einmal verhindert wäre, ist es fraglich, ob der Brauch überhaupt stattfinden könnte», sagt Stephan Solenthaler im Gespräch.

Der Römpelverein hat Nachwuchssorgen

Der fehlende Nachwuchs bereitet Solenthaler Sorgen. «Es gibt Personen, die leben seit Jahrzehnten in Bruggen, haben aber noch nie von den Römplern gehört.» Schuld daran sei auch die neue Bauweise: Früher zogen die Römpler noch tagsüber durch Straubenzell und sangen an verschiedenen Orten, worauf sich jeweils die Fenster öffneten. «Heute sind die so schalldicht, da schaut niemand mehr nach draussen», klagt Stephan Solenthaler. Vor einigen Jahren haben die Römpler daher ihren Umzug aufgegeben und organisieren seither nur noch den Feuertanz. Diesen dafür mit einer kleinen Festwirtschaft.

Bei den Römplern mitmachen oder auch nur beim wilden Tanz zuschauen, kann jeder, der sich dafür interessiert. Bei den Römplern machen auch seit jeher Frauen mit, was für Masken-Brauchtumsgruppen eher ungewöhnlich ist. «Vielleicht liegt das daran, dass die Masken vor allem früher so schwer waren, dass sie sich kaum tragen liessen. Oder vielleicht wurde es wegen der dafür nötigen Courage einst einfach als Männeraufgabe angesehen», wagt Andy Storchenegger einen Erklärungsversuch. Seine Masken hingegen sind leicht und können mit einer Hand gehalten werden. Alles an seinen Masken stammt aus der Region. «Das ist das Wichtigste», sagt er. «Eine Maske muss immer aus dem gemacht sein, was es in der Gegend gibt. Das gehört zum Brauchtum.»

Römpelfeuer

mit Tanz, Liedern und der Sa­ge vom Schwarzen Rappenstei­ner: Sa, 19.15, Schulhaus Bruggen.

www.römpel.ch

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