SILVESTER IN DER STADT: Ausarten untersagt

Immer mehr Menschen stossen auf dem Klosterplatz zum neuen Jahr an. Das Abfeuern von Raketen ist dort verboten. Die Feuerwerke versinken in diesem Jahr vielleicht sowieso im Nebelmeer.

Christoph Renn
Drucken
Teilen
Entzünden von Feuerwerk auf dem Klosterplatz ist auch dieses Jahr verboten. Ein Verstoss gegen das Verbot wird mit einer Busse geahndet. (Bild: Urs Bucher)

Entzünden von Feuerwerk auf dem Klosterplatz ist auch dieses Jahr verboten. Ein Verstoss gegen das Verbot wird mit einer Busse geahndet. (Bild: Urs Bucher)

Christoph Renn

christoph.renn@tagblatt.ch

Der Klosterplatz hat sich zum beliebtesten Treffpunkt in der Silvesternacht auf Stadtboden entwickelt. So erwartet die Staatskanzlei, dass sich auch in diesem Jahr wieder über 6000 Leute auf der Wiese einfinden, um gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern. Doch verweist sie darauf, dass der Klosterplatz ein sehr sensibler Ort ist, um Feuerwerk oder Knallkörper anzuzünden, und verbietet es deshalb. «Feuerwerk und Knallkörper sind für die kostbaren Bauten des Unesco-Weltkulturerbes eine grosse Gefahr», sagt Erwin Schweizer von den Zentralen Diensten der Staatskanzlei. Hinzu komme, dass in grossen, dichten Menschenmengen leicht Unfälle passierten.

Bussen wegen Abfeuern von Raketen

Die Angst ist nicht unbegründet, was ein Blick in die Geschichte der Silvesternacht auf dem Klosterplatz zeigt. Diese beginnt in der Millenniumsnacht – vorher haben sich nur wenige hundert Menschen zum Fest vor dem Dom getroffen. «Es ist in den vergangenen Jahren leider immer wieder zu Zwischenfällen gekommen», sagt Erwin Schweizer. Den Tiefpunkt markierte das Jahr 2009. Damals artete das Fest aus, wie der damalige Sprecher der Stadt, Urs Weishaupt, die Szenen auf dem Klosterplatz im Tagblatt beschrieb – obwohl das Abfeuern von Feuerwerk schon damals verboten war. Im Anschluss wurde gar darüber diskutiert, den Klosterplatz an Silvester zu sperren. Die Stadt wolle zwar nicht drohen, hiess es. Sollte aber eine Silvesterfeier auf dem Klosterplatz nochmals ausarten, so sei nicht auszuschliessen, dass der Platz künftig während der Silvesternacht gesperrt werden müsse. Doch was ist geschehen? «Raketen schossen knapp über den Köpfen der Leute, schräg in alle Himmelsrichtungen – manche zielten sogar direkt auf den Dom. Und es wurde inmitten der Menschenmenge Pyro gezündet.» So hat damals Feuerwehrkommandant Christian Isler die Szenen beschrieben. Eine abgefeuerte Rakete traf sogar einen Turm der Kathedrale. Ein Feuerwehrmann, der im Turm Wache hielt, konnte das Feuer jedoch rasch löschen.

Glücklicherweise haben sich die Szenen aus dem Jahr 2009 nicht mehr wiederholt, und der Klosterplatz ist auch 2016 in der Silvesternacht für alle geöffnet. Auch ist das Thema, den ganzen Platz zu schliessen, längst vom Tisch. «Wir wollen ja nicht alles verbieten», sagt Erwin Schweizer. Doch müssten alle möglichen Vorkehrungen getroffen werden, damit die Besucher sicher feiern können und das Unesco-Weltkulturerbe nicht zu Schaden komme. So werde die Feuerwehr anwesend sein und Personal einer Sicherheitsfirma. «Beim Abfeuern von Feuerwerk können auch Bussen ausgesprochen werden.»

Sowieso mahnt die Staatskanzlei in einer Mitteilung in diesem Jahr zur Vorsicht beim Umgang mit Feuerwerkskörpern. Die Waldbrandgefahr ist erheblich und kann lokal an besonnten Stellen und unter Windeinfluss sogar gross bis sehr gross sein, heisst es. Trotz des niederschlagsarmen und sonnigen Wetters wird aber kein kantonales Feuer- oder Feuerwerksverbot erlassen.

Hundert Meter Abstand zum Wald

Viele Menschen treffen sich an Silvester auch auf dem Höhenweg, der Falkenburg oder auf der Kreuzbleiche. Dort ist es nicht allgemein verboten, Feuerwerk oder Knallkörper anzuzünden. Doch auch dort gilt: Nebst den üblichen Vorschriften und Vorsichtsmassnahmen soll zusätzlich ein Sicherheitsabstand zum Wald von mindestens hundert Metern eingehalten werden, wie die Staatskanzlei schreibt. Doch vielleicht macht jemand ganz anderes den Feuerwerken einen Strich durch die Rechnung: «Es könnte sein, dass St. Gallen an Silvester im Nebel versinkt», sagt Felix Blumer, Meteorologe bei SRF Meteo. Nebel sei jedoch schwierig vorauszusagen. Doch könnten auch die eigenen Nachbarn zu Spielverderbern werden: «Wer früh sein Feuerwerk abfeuert, ist in diesem Jahr im Vorteil», sagt Blumer. «Denn durch Feinstaubartikel der gezündeten Feuerwerke kann sich Feuchtigkeit in der Luft bilden und so, aufgrund der Wetterlage, in der Stadt Nebel entstehen.»