Silberkugeln und weisse Watte

Rot, goldig, silbrig. Kugeln, Cupcakes oder gar eine Gurke? Wer den Christbaum schmücken will, hat die Qual der Wahl. So gross die Auswahl ist, so vielfältig sind die Vorlieben. Aktuelle Trendfarben sind nicht an jedem Baum zu finden.

Ralf Rüthemann
Merken
Drucken
Teilen
Liebevoll geschmückt ist dieses Jahr auch wieder der Christbaum im Innenhof des Hotels Mozart. (Bild: Dominik Bärlocher)

Liebevoll geschmückt ist dieses Jahr auch wieder der Christbaum im Innenhof des Hotels Mozart. (Bild: Dominik Bärlocher)

REGION. Die Kiste mit dem Christbaumschmuck ist die Treppe hinuntergefallen. Alle silbernen, hellgrünen und türkisfarbenen Kugeln im Stile der 60er-Jahre – vergangenes Jahr wieder voll im Trend – sind in tausend Stücke zerbrochen. Jetzt muss neuer Christbaumschmuck her. Aber welcher?

Antworten kann Johann Wanner. Sein Weihnachtshaus in Basel ist für traditionellen sowie ausgefallenen Baumschmuck wohl die erste Adresse in der Schweiz. «Goldig, silbrig und lila sind die aktuellen Trendfarben», sagt Wanner, den eine französische Zeitschrift auch schon als «Chanel des boules» betitelt hat. Lila am Baum? Eher nicht. Und der Weihnachtsschmuck darf nächstes Jahr aber auch nicht schon wieder out sein. Die Farben für 2012 kann Johann Wanner leider erst im Januar verraten. Sein Tip: «Silbern ist eine Farbe, die nie an Popularität verliert.» Denn die Farbe passe zum Tischgedeck. Nebst Kugeln seien dieses Jahr vor allem gläserne Eier bedeutend gefragter. Übrigens: Wer nicht bis Basel reisen möchte, um Johann Wanners exzentrischen Dekorationsstil kennenzulernen, der sollte das Napoleonmuseum im Schloss und Park Arenenberg in Salenstein besuchen.

Glühbirnen statt Kerzenschein

Goldig, silbrig und lila ist dieses Jahr in, sagt der Experte. Noch bin ich nicht überzeugt, möchte andere Meinungen hören. Weihnachten ist das beliebteste kirchliche Familienfest. Wie also schmücken Kirchenratspräsidenten in der Region ihren Baum zu Hause? Mark Muzek, Kirchenverwaltungsratspräsident der Katholischen Kirche Tübach, verrät, wie seine Nordmanntanne am Samstag aussehen wird. «Meine Frau und ich werden sie am Abend des 23.Dezember gemeinsam schmücken.» Sie dekorieren den Christbaum vorwiegend mit blauen und weissen Kugeln. Als Vorsichtsmassnahme wegen der Kinder brennen keine echten Kerzen. Stattdessen sorgen elektrische Lämpchen für ein gemütliches Ambiente. Kugeln und Lämpchen genügen für den Baum der Muzeks aber längst nicht. «Holzfiguren, Schneemännchen, Nussknacker und Glöckchen vervollständigen den Christbaumschmuck», sagt Mark Muzek.

Jedes Jahr bunte Wachskerzen

Die Hauskatze könnte beim Anblick brennender Kerzen auf gefährliche Ideen kommen. Deshalb nehme ich mir die Vorsichtsmassnahme der Familie Muzek zu Herzen und installiere elektrische Lämpchen auf der Tanne. Bei den Kugeln und dem anderen Christbaumschmuck bin ich immer noch unentschlossen.

Auch Roland Grossenbacher, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Thal-Lutzenberg, muss noch einen Entscheid fällen – Nordmann- oder Rottanne? Eines steht für ihn aber fest: «Ich werde den Baum ins Wohnzimmer tragen und ihn so hinstellen, dass er sicher nicht umfällt.» Darauf legt er grossen Wert. «Meine Frau und eventuell meine Kinder werden ihn am Nachmittag vor Heiligabend dekorieren.» Die Grossenbachers mögen es bunt. Jedes Jahr wählen sie Kugeln und Wachskerzen in allen möglichen Farben. Aber auch Schöggeli dürfen am Tannenbaum nicht fehlen.

Klassisch und schlicht

Nach all diesen unterschiedlichen Beispielen muss ein Entscheid her. Unverzichtbar ist Schokolade. Liebend gerne würde ich die Kugeln vergessen und Dutzende Schöggeli an den Baum hängen. Doch ein wenig Tradition muss sein. Klassisch und zeitlos. Silberkugeln kommen definitiv an den Baum, da der Esstisch mit dem Silberbesteck direkt daneben steht. Mehr soll es dieses Jahr gar nicht sein. Schliesslich soll der Baum nicht überladen werden. Vor allem sollen die Betrachter die grünen Tannenzweige sehen können. So wird der Baum lediglich mit etwas weisser Watte geschmückt.