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Sie zählen und sind ahnungslos

Gestern waren im Rathaus der Stadt rund hundert Leute damit beschäftigt, die Wahl- und Abstimmungsergebnisse zu ermitteln. Ihre Motivation ist mannigfaltig, aber bestimmt nicht die, dass sie vor dem Stimmvolk Bescheid wissen möchten.
Fredi Kurth
Freiwillige sortieren am Sonntag auf der Etage des Einwohneramtes die Eingänge an der Urne und die letzten brieflichen Abgaben. (Bilder: Benjamin Manser)

Freiwillige sortieren am Sonntag auf der Etage des Einwohneramtes die Eingänge an der Urne und die letzten brieflichen Abgaben. (Bilder: Benjamin Manser)

Das Aufgebot ist diesmal so gross wie selten. Schon am Samstag sind 60 Personen im Rathaus erschienen, um die brieflichen Voten zu sortieren, nach Regierungsrats- und Kantonsratswahlen sowie fünf eidgenössischen Abstimmungen. Reto Venanzoni, der Abstimmungsleiter, und sein Sekretär Stephan Wenger wussten am Samstag als einzige sogar, wie die Regierungsratswahl auf Stadtboden ausfallen wird.

Ein wenig Spannung soll sein

Nie würden die beiden ihren Wissensvorsprung jemandem anvertrauen. «Das gäbe nur Unruhe», sagt Wenger. Ein wenig Ungewissheit darf noch sein. Keine Ahnung haben somit die Frauen und Männer, die am Sonntag die Flut von Abstimmungsmaterial verarbeiten. Sie haben keinen Zugriff auf irgendwelche Zwischenergebnisse des Verwaltungsrechenzentrums. Umso mehr freut sich die Leitung, wenn im Zusammenspiel schliesslich ein gemeinsames Ergebnis zustande kommt.

Gestern morgen erscheint das das Gros der Freiwilligen um acht Uhr. Die heikelste Aufgabe besteht darin, die veränderten Listen der Kantonsratswahlen von Hand in den Computer einzugeben. Rund die Hälfte der Stimmenden verzichtet darauf, eine fixe Liste abzugeben. In einem kleinen Büro wie andern Plätzen im Rathaus liest eine Frau Nummern herunter, die ihre Kollegin sogleich eintippt. Es sind die Nummern der Kandidaten. Hektik herrscht keine, aber grosse Konzentration auf den Etagen des Einwohner- und Steueramts.

Potenzial für Manipulation

Sechs Prozent der von Hand eingegebenen Ergebnisse werden nochmals ausgedruckt und als Stichprobe mit der Originalschrift verglichen. «Es kann mal eine Nummer falsch eingetippt oder vom Wähler auf dem Zettel selber eine falsche Nummer angegeben worden sein», sagt Iris Schneider von der Abteilung Kontrolle. Gleichzeitig könnte systematischer Missbrauch aufgedeckt werden, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter beim Eintippen einen Kandidaten bewusst bevorzugen möchte. Das sei aber noch nie geschehen, sagt Wenger.

Die grösste Manipulationsgefahr besteht beim Einscannen der Zettel für die Regierungsratswahl oder die Abstimmungen. Dort könnte ein Mitarbeiter nach seinem Gutdünken zusätzliche Kreuze eingeben oder die elektronische Datei verändern. Somit müssen während des gesamten Scanning-Prozesses immer zwei Personen zugegen sein.

Unten beim Empfang ist die einzige Urne aufgestellt. Von zehn bis zwölf kommen jene drei Prozent Abstimmende vorbei, welche nicht brieflich votieren. Nicht dass sich dort die Leute drängen, aber laufend tröpfelt jemand herein.

Komplizierte Kantonsratswahl?

Um 14 Uhr sind Venanzoni und Wenger nicht mehr Geheimnisträger. Die Stadt hat die Zettel für die Regierungsratswahlen ausgezählt, eine Stunde später auch jene für die Kantonsratswahlen. «Von Kleinigkeiten abgesehen, ist alles rund gelaufen», sagt Stephan Wenger.

Erstaunlich stark unterscheidet sich die Stimmbeteiligung: 48,8 Prozent bei der Wahl des Regierungsrates, bloss 37,6 Prozent zur Bestimmung der Kantonsratsmitglieder aus der Stadt. Vielleicht, vermutet Wenger, sei diese Wahl für manche etwas komplizierter und aufwendiger. Wie für das Abstimmungsbüro.

Ein Helfer entnimmt der Urne die Abstimmungscouverts. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Helfer entnimmt der Urne die Abstimmungscouverts. (Bild: Benjamin Manser)

Abteilung Kontrolle prüft die von Hand eingegebenen Wahlzettel. (Bild: Benjamin Manser)

Abteilung Kontrolle prüft die von Hand eingegebenen Wahlzettel. (Bild: Benjamin Manser)

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