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«Sie wollen illegal feiern»

ST.GALLEN. Nach der illegalen Party am Samstag am Marktplatz ist die Idee von Jugendbewilligungen aufgekommen. Zürich hat mit diesen in den letzten Monaten gute Erfahrungen gemacht. Für die St. Galler Stadtpolizei sind sie jedoch unnötig.
Tobias Hänni
Jugendbewilligungen statt Wasserwerfer: Nach Krawallen im Herbst führte Zürich spezielle Bewilligungen für Freiluftparties ein. (Bild: ky/Walter Bieri)

Jugendbewilligungen statt Wasserwerfer: Nach Krawallen im Herbst führte Zürich spezielle Bewilligungen für Freiluftparties ein. (Bild: ky/Walter Bieri)

Die nächste Party ist schon angesagt: Gemäss einem anonymen SMS-Aufruf soll am 31. Juli auf den Drei Weieren illegal gefeiert werden. Dies, nachdem am Samstag eine Party auf dem Marktplatz in eine Strassenschlacht ausgeartet ist. Polizeikommandant Pius Valier sprach danach davon, «nächstes Mal von Anfang an mehr Einsatzkräfte aufzubieten». Gleichzeitig denkt der ferienabwesende Stadtrat Nino Cozzio in einer Medienmitteilung über die Einführung von Jugendbewilligungen nach, wie sie derzeit in Zürich getestet werden.

«Sauberer als vor der Party»

Die Zürcher Stadtregierung führte die Bewilligungen im April ein, nachdem es im letzten Herbst an illegalen Parties zu Konflikten und Ausschreitungen gekommen war. Zuständig für die Bewilligungen ist eine dreiköpfige Arbeitsgruppe mit Vertretern des Polizei-, des Sozial- sowie des Schul- und Sportdepartements. Nach drei Monaten zieht Patrick Pons, Vertreter des Schul- und Sportdepartements, eine positive Bilanz: «Wir haben 20 Gesuche erhalten, 16 davon haben wir bewilligt. Die bislang durchgeführten Anlässe sind problemlos abgelaufen.» Den Jugendlichen gehe es nicht um Krawalle, sondern um Freiräume, ums Tanzen und gemeinsame Feiern. Die Veranstalter im Alter zwischen 18 und 25 Jahren steckten viel Herzblut in die Anlässe. Und: «Die Plätze sind nach den Parties teils sauberer als zuvor.»

Bislang hat die Arbeitsgruppe drei Veranstaltungen nicht bewilligt, weil sie den Auflagen der Stadt nicht entsprochen haben. So darf auf Social-Media-Plattformen nicht in öffentlichen Gruppen für die Party geworben werden. Ausserdem dürfen nicht mehr als 400 Leute daran teilnehmen, mindestens eine Person muss die Verantwortung tragen und Anwohner und Verkehr dürfen so weit wie möglich nicht gestört werden.

Die Parties werden laut Pons deshalb in der Regel «an nicht zentralen Orten» durchgeführt. «Für eine Feier auf dem zentralen Kornhausplatz hat die Juso keine Bewilligung erhalten.» Trotzdem: Die neue Regelung scheint für beide Seiten aufzugehen. «Die Veranstalter erhalten unkompliziert eine Bewilligung. Ein oder zwei Telefonate reichen dafür. Und sie haben die Gewähr, dass sie feiern dürfen.» Die Verantwortlichen der Stadt wiederum hätten eine Ansprechperson und damit vor und nach der Party die Möglichkeit, direkt mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten.

Heutige Praxis reicht aus

Trotz den positiven Erfahrungen in Zürich sieht die St. Galler Stadtpolizei die Jugendbewilligungen als unnötig an. «Wir bieten bereits Hand für Parties auf öffentlichem Boden», sagt Mediensprecher Benjamin Lütolf. Eine Jugendbewilligung würde an der bisherigen polizeilichen Praxis nichts ändern. «Es müssten nach wie vor gewisse Voraussetzungen erfüllt sein», sagt Lütolf. Etwa ein Gastwirtschaftspatent für den Verkauf von Getränken, sanitäre Anlagen oder gewisse Sicherheitsvorkehrungen. «Wenn diese Auflagen erfüllt sind, dann steht einer Bewilligung bereits auch heute nichts im Wege.» Und wie in Zürich mit der Jugendbewilligung, sei die Stadtpolizei dabei äusserst flexibel. So seien in der Vergangenheit Parties oder Demonstrationen bewilligt worden, die bereits im vollen Gange gewesen seien. «Dafür müssen uns die Organisatoren aber bekannt sein.» Und hier sieht Lütolf das Problem: «Die jungen Veranstalter wollen gar keine Bewilligung. Sie wollen anonym bleiben und eine illegale Party veranstalten.» Dies, so vermutet Lütolf, sei wohl das «Geile» an solchen Feiern. ostschweiz 23

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