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Sie scheren sich nicht um Rechtschreibung

Auf den Namen gefühlt
Noemi Heule
Haarscharf wetzt dieser Coiffeur in Gossau seine Scheren. (Bilder: Noemi Heule)

Haarscharf wetzt dieser Coiffeur in Gossau seine Scheren. (Bilder: Noemi Heule)

Wer heute einen Coiffeurgeschäft eröffnet, braucht nicht nur ein Faible für gerade Schnitte, sondern offenbar auch ein solches für schräge Sprachspiele. Und so wuchern sie an jeder Ecke, witzige und weniger witzige Wortwitze. In Gossau hatten die beiden Salons Haarscharf und Haarmonie fast haargenau dieselbe Idee. Der Coiffeur Hairlich in St. Gallen verspricht hairrvorragende Frisuren; beim Querschnitt hofft der Kunde derweil, dass der Coiffeur auch gerade Schnitte beherrscht. Wahrlich, Wortspiele sind derzeit en vogue (genauso benannte sich denn auch ein Geschäft in St. Gallen).

Arbeiten am Haar- äh Fliessband lassen sich in der Haarschneiderei oder im Haarwerk vermuten. In der HaarBar dagegen gibt’s zum passenden Haarschnitt vielleicht sogar einen Drink dazu? Alkohol, oder zumindest Hopfen und Malz, lassen sich auf den ersten Blick auch hinter dem Namen Klosterbarbier vermuten. Statt einer Bar, die Klosterbier kredenzt oder einem Bier, das in der Klosterbar ausgeschenkt wird, stutzt ein Barbier im St. Galler Klosterviertel widerspenstiges Barthaar.

Während einem einige Pointen sofort wie Schuppen von den Augen fallen, muss man bei anderen erst um die Ecke denken, bevor sich der verschleierte Inhalt zu erkennen gibt. Der Coiffeur um’s Egg etwa scheint auf Wortwitze gänzlich zu verzichten. Doch Halt! Er steht, wie könnte es anders sein, selbstverständlich in Eggersriet. Der Coiffeure Herzig in Wittenbach dagegen schert aus der Masse aus und lässt das Sprachspiel tatsächlich weg, obwohl einem das Hairzig ja geradezu auf der Zunge liegt!

Statt in der Wortwitzkiste wurden einige Salonbetreiber in Märchenbüchern fündig, als sie nach einem Namen für ihr Geschäft suchten. Struwwelpeter verdankt seinen Namen eigentlich dem Umstand, dass er niemanden weder an seine Fingernägel noch an sein Haupthaar liess. «Kämmen liess er nicht sein Haar. Pfui!», heisst es im Kinderbuch aus dem 19. Jahrhundert. Wer diesen Salon betritt, muss im Sinne von Schöpfer Heinrich Hoffmann befürchten, dass nicht nur sein Haar der Schere zum Opfer fällt, sondern, schnipp, schnapp, auch gleich der Daumen ab ist.

Auch das Rotkäppchen lieh seinen Übernamen einem Salon in St. Gallen, obwohl es eher für seine Kopfbedeckung denn für den darunterliegenden Schopf bekannt ist. Was den bösen Wolf bekanntlich nicht daran hinderte, sie mit Haut und Haar zu verschlingen. Nur Rapunzel, der die Brüder Grimm die schönste Haarpracht angedichtet haben, fehlt im Reigen der Märchenfiguren. Kein Wunder, sie ging sowieso nie zum Coiffeur. Schliesslich musste sie ihr langes Haar wahren, damit sich ihr Prinz an den wallenden Wellen hochziehen konnte. Nein, mit Spliss oder brüchigem Haar hatte die blonde Schönheit offenkundig nicht zu kämpfen. Nicht auszudenken, wie die Geschichte sonst ausgegangen wäre.

Glücklich und zufrieden, so sollen auch die Kunden die Salons verlassen, wie den Werbeslogans in den Schaufenstern zu entnehmen ist. Oder zumindest felice e contento. Keine andere Sprache scheint so beliebt in der Branche, wie jene von il Figaro, dem Inbegriff des Friseurs schlechthin. La Perla und Il Mosaico in Mörschwil versprechen beide einen Hauch Italianità genauso wie der Salon Creativo in Gossau. Kreativ, zumindest dem Namen nach, ist auch der Gossauer Coiffure Creativ.

Während sie sich mit Kreativität brüsten, stellt sie der Waldkircher Salon KreHaartiv sogleich unter Beweis. Getreu dem Prinzip nomen est omen. Bei diesem bunten Mix aus Gross- und Kleinbuchstaben dürften Sprachpuristen die Haare zu Berge stehen (womit wir wieder bei Struwwelpeter wären). Nach dem gleichen Muster geht auch die heARCHITEKTin aus St. Gallen vor, die nicht das Haar in ihrem Namen verewigte, sondern vielleicht den Umstand, dass sie gut zuhören kann? Auch der Fris-ör in St. Gallen oder Gwafför in Engelburg scheren sich nicht um Rechtschreiberegeln.

Doch es sollen hier keine Haarspaltereien betrieben, alle Salons über den selben Kamm geschoren oder zielstrebig nach dem vermeintlichen Haar in der Suppe gesucht werden. Wer kann es den findigen Figaros verübeln?

Die langen Hornfäden, die munter aus unserer Kopfhaut spriessen, müssen für viele Redewendungen geradestehen. Denn es ist tatsächlich verLOCKEnd, ­haarige Kreationen zu erschaffen. Solange man es nicht auf die ­Spitze treibt. Irgendwann ist die SchWELLE überschritten und plötzlich ist es nicht mehr gar so GLATT. Dann nämlich, wenn der Wortwitz allzu sehr an den Haaren hairbeigezogen ist.

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

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