Sie ist international vorne dabei

Dank einer neuen Trainingsmethode ist die Steinacherin Sandrine Benz Triathlon-Europameisterin bei den lizenzierten Amateuren. Nun träumt die 30jährige Sportlehrerin von einem Leben als Profi. Sie plant den Übertritt 2016 – wenn es ihr weiterhin gut läuft.

Raya Badraun
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Sandrine Benz Sportlehrerin (Bild: pd)

Sandrine Benz Sportlehrerin (Bild: pd)

STEINACH. Im Herbst 2012 wollte Sandrine Benz aufhören. Damals nahm sie an der Ironman-70.3-WM in Las Vegas teil. Es war das grosse Ziel der heute 30jährigen Steinacherin. Doch das zeitintensive Training im Vorfeld der internationalen Titelkämpfe nahm ihr damals den Spass am Triathlon. Kollegen rieten ihr daraufhin, auf die olympische Distanz zu wechseln. Bei der kürzeren Strecke liegt der Fokus auf den Stärken von Benz: dem Schwimmen und Laufen. Das Radfahren verliert hingegen an Bedeutung. «Die olympische Distanz ist viel mehr meins», sagt Benz. So stellten sich rasch die ersten Erfolge ein.

Zwischen Amateur und Profi

Der bisherige Höhepunkt bildete im Juni der Age-Group-Europameister-Titel und die Bronzemedaille bei den lizenzierten Amateuren im EM-Rennen über die olympische Distanz. «Das habe ich überhaupt nicht erwartet», sagt Benz und strahlt. «Es zeigt mir, dass ich bei den Amateuren nun auch international vorne dabei bin.» Der Grund für die Erfolge ist jedoch nicht nur die Umstellung auf die kürzere Distanz. Vor allem ihr neuer Trainer Robbie Haywood brachte Benz sportlich weiter.

Training nach Tagesform

Der Australier Haywood ist der Assistent von Brett Sutton, dem Coach der Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig. Beide verbindet die gleiche Trainings-Philosophie. Dabei folgen die Einheiten keinem klassischen Rhythmus, sondern werden der jeweiligen Form angepasst. Via Mail teilt ihm Benz jeden Tag mit, wie sie sich fühlt, wie das Training war und ob sie gut geschlafen hat. Mit diesen Informationen stellt Haywood das Training zusammen. So macht sie etwa an Tagen, an denen sie sich schlecht fühlt, nur lockere Velotouren. «Ich fahre dann so langsam, als wäre ich auf dem Weg zum Einkaufen», sagt Benz. An anderen Tagen ist das Training dafür umso härter.

12 Minuten auf Spirig verloren

«Nicola Spirig macht die gleiche Übung», sagt ihr Haywood manchmal, wenn die Einheit besonders anstrengend ist. Das motiviert die Sportlehrerin, die von einer Karriere als Profi träumt. «Am liebsten würde ich einen 1:1-Vergleich machen, um zu sehen, wo ich stehe», sagt Benz. Dafür müsste die Triathletin jedoch bei den Profis starten. Denn meist sind die Strecken der Amateure an den Wettkämpfen anders gelegt. Eine Ausnahme bildete das diesjährige Rennen in London der World-Triathlon-Serie. Die Strecke war die gleiche wie 2012 an den Olympischen Spielen. In 2:11:43 Stunden wurde Benz Zweite. Spirig gewann vor zwei Jahren in 1:59:48 Olympiagold. «Wenn sich meine Zeiten denen der Profis weiter nähern, will ich den Schritt wagen», sagt Benz. Dieses und das nächste Jahr will sie nutzen, um ihre Form für den Wechsel aufzubauen.

Übertritt 2016 geplant

So reduziert sie ihr Pensum an der Oberstufe in Gossau ab diesem Sommer auf 70 Prozent und will ab dann 20 bis 25 Stunden pro Woche trainieren. Ursprünglich war der Wechsel zu den Profis nicht erst 2016, sondern bereits 2015 geplant. Doch im kommenden Jahr findet die WM in Chicago statt. «Im ersten Jahr als Profi könnte ich dort wahrscheinlich nicht antreten», sagt Benz. Doch in Chicago will sie nicht fehlen. Denn dort begann vor 13 Jahren während eines Sprachaufenthaltes ihre sportliche Laufbahn. Aus den USA wollte die damals 17-Jährige trotz dem fettigen Essen mit ihren normalen Körperproportionen zurückkehren. So suchte sie an ihrer High School nach einem Sportclub. «Viele Teams nahmen mich aber nicht, da ich zu schlecht war», erinnert sich Benz, die gerne Volleyball gespielt hätte. In der Crosslauf-Gruppe, die kaum Mitglieder hatte, wurde sie schliesslich aufgenommen.

Nach dem Jahr in Chicago reiste sie «durchtrainiert» zurück in die Schweiz und entschied sich für ein Sportstudium. 2007 absolvierte sie im Rahmen des Studiums ihren ersten Triathlon in Frauenfeld. «Damals machte ich alles falsch, was ich falsch machen konnte», sagt Benz und lacht. Dennoch erreichte sie das Ziel – und wurde ehrgeizig.

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