Sicherheitstrakt oder goldener Käfig?

Am Oberen Graben liegt am Samstag der Duft von Bratwürsten in der Luft. Wer seiner Nase folgt, gelangt in einen Innenhof. Dort steht eine Handvoll Menschen mit Bechern, Bürli und Wurst in der Hand.

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Das Treppenhaus als goldener Käfig. (Bild: Corinne Riedener)

Das Treppenhaus als goldener Käfig. (Bild: Corinne Riedener)

Am Oberen Graben liegt am Samstag der Duft von Bratwürsten in der Luft. Wer seiner Nase folgt, gelangt in einen Innenhof. Dort steht eine Handvoll Menschen mit Bechern, Bürli und Wurst in der Hand. Einige Neuankömmlinge schielen zum Grill, doch ein Sicherheitsmann in Uniform steht zwischen ihnen und den Gratis-Würsten. Ob er zum Schutz des «weissen Goldes» hier abgestellt wurde? Wohl eher nicht. Er begrüsst die Neugierigen und weist ihnen den Weg zum Eingang des Gebäudes. «Beim Atrium finden Sie alle weiteren Informationen und den Essensbon», sagt er. Die Wurst muss also noch warten.

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Innen angekommen, warten weitere Sicherheitsleute. In der Mitte der Halle stehen vier schwarze Lederwürfel auf dunklem Boden. Darüber hängt eine Art «Käfig» aus goldgelben, verdrehten Gitterstäben. Er reicht bis zur Decke, wo das Oberlicht ein kleines Tor zum Himmel öffnet. Vogelähnliche Chromgebilde hängen von der Decke. Im Inneren des Käfigs verläuft eine Treppe über sechs Stockwerke. Auch der Liftschacht nebenan ist von Gitterstäben umschlossen. Ja, der Raum würde den Charme eines Hochsicherheitstraktes versprühen – wären da nicht die freundlichen Kantonsangestellten, welche die Gäste zum Tag der offenen Tür im neuen Verwaltungszentrum am Oberen Graben begrüssen.

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Zuerst geht es auf den Rundgang durch die neue Heimat der kantonalen Departemente für Gesundheit sowie Justiz und Sicherheit. Als die Sonne zwischen den Wolken aufblitzt, offenbart sich der Zauber des vermeintlichen Sicherheitstraktes: Dank Spiegel auf dem Dach funkeln die Chromvögel in der Mitte plötzlich auf. Sie reflektieren die Sonnenstrahlen, erfüllen den Raum mit tanzenden Lichtern, lassen die Gitter golden schimmern. «Mega schön!», ruft ein kleines Mädchen. Am anschliessenden Vortrag geht der Basler Architekt Ingemar Vollenweider auf ebendiesen Effekt ein und erläutert weitere Besonderheiten des Neubaus.

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«Man könnte sich hier fast verirren», meint eine Frau, als sie am Ende des Rundgangs die Dachterrasse betritt. «Am besten gefallen mir die Aussicht hier oben, das Lichtspiel auf der Treppe und die Ornamente an den Fenstern.» So oder ähnlich tönt es bei vielen – offenbar gefällt das Gebäude. Auch dem etwas fülligen Herrn, der lieber mit dem Lift in die Cafeteria im sechsten Stock gefahren wäre. «Schön hier. Die Gratis-Wurst habe ich mir aber verdient. Schliesslich bin ich wegen der Vögel sechs Stockwerke hochgekraxelt.» Aber Treppensteigen ist ja gesund. Das Verwaltungsgebäude mit integriertem Vogelkäfig dürfte gut zum Gesundheitsdepartement und (sicher an Regentagen) bestens zum Justiz- und Sicherheitsdepartement passen. (co)

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