Sicherheitsrisiko war zu gross

ARBON. Die Lücke ist augenscheinlich – und der freie Blick durch das Strandbadtor auf den See gewöhnungsbedürftig. Weil eine mächtige Trauerweide faul war, fällten sie die Stadtgärtner. 16 weitere Parkbäume folgen. Für Ersatz wird aber gesorgt.

Max Eichenberger
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Stadtgärtner Hans Zellweger zeigt auf einen Hohlraum und das verfaulte Innenleben der Trauerweide, die mittlerweile gerodet worden ist. Aus dem Baum wird nun Schnitzelholz gemacht, das verfeuert wird. (Bilder: Max Eichenberger)

Stadtgärtner Hans Zellweger zeigt auf einen Hohlraum und das verfaulte Innenleben der Trauerweide, die mittlerweile gerodet worden ist. Aus dem Baum wird nun Schnitzelholz gemacht, das verfeuert wird. (Bilder: Max Eichenberger)

«Ich bin mit der Trauerweide gross geworden», offenbart einie 72jährige Passantin der Stadtgärtner-Crew ihre Wehmut. Diese hat den markanten Baum auf der Strandbadwiese am Dienstag gerodet. Die Frau ist fast so alt wie die Weide, die beim Bau der Strandbadanlage 1933 gesetzt worden war. Damit verbindet die Passantin Erinnerungen an ihre Kindheit.

Fäulnis hat sich durchgefressen

Jetzt ist der mächtige Schattenspender um, zu Stückholz zersägt. «Wir werden aber im Frühling einen Ersatzbaum setzen», versichert Stadtgärtner Hans Zellweger. «Jetzt mussten wir handeln, weil der Baum innen durch einen Pilzbefall ganz faul war und damit instabil geworden ist.» Die Fäulnis habe sich inzwischen bis tief zum Stamm hinunter durchgefressen.

Das Sicherheitsrisiko für die Badegäste ist zu gross geworden, rechtfertigt Zellweger die Rodung. In einer öffentlichen Zone, wo sich Leute aufhalten, stünden kränkliche Bäume unter besonderer Kontrolle. «Das ist kein Wald, wo andere gesetzliche Grundlagen gelten, und schon gar keine Altholzinsel, wo man abgehende Bäume sich selber überlässt.»

Dokumentation über jeden Baum

Über sämtliche Bäume in den öffentlichen Anlagen der Stadt wird eine Dokumentation geführt und bei den jährlichen Begehungen der Zustand nachgeführt. Jeweils im Herbst wird entschieden, welche Bäume zu roden sind. Das geschieht nicht willkürlich, sondern nach klaren Kriterien.

Die Anträge, zusammengefasst in der sogenannten Fäll-Liste, gehen über den Tisch des Stadtrates. Er hat sich 1996 verpflichtet, die Rodungen anzukündigen. Dies, nachdem es deswegen Stunk gegeben hatte.

Schnell ist etwas passiert

Morsche Äste hatte man 2008 mit Seilen zusammengebunden. Doch darauf drückte zuletzt ihre ganze Last. «Es wäre unverantwortlich gewesen, sie stehen- zulassen», sagt Hans Zellweger. In die Knochen gefahren war ihm, als ein Romanshorner WerkhofKollege von einem umstürzenden Baum im Seepark erschlagen worden war. Vor drei Jahren war – im Strandbad – ein Trockenast auf der oberen Liegewiese abgebrochen. «Ein weiblicher Badegast, der im Schatten lag, wurde dabei glücklicherweise nicht getroffen.»

Im Erklärungsnotstand

Leute reagierten teils mit Unverständnis auf Rodungen. Auch am Dienstag muss Hans Zellweger einem Zaungast erklären, warum die Weide gefällt werden muss. Und zeigt auf einen grossen Hohlraum; die Wandung ist nur noch von minimaler Stärke. Auch Bäume hätten halt ihren Lebenszyklus, sagt Zellweger. 16 weitere in Parks und öffentlichen Anlagen stehende Bäume müssen in diesem Winter noch gefällt werden, darunter die grosse Trauerweide bei der Friedhofskapelle. Parallel dazu durchforsten die Stadtgärtner verschiedene Bachläufe.

Bild: Picasa

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