SICHERHEIT: Schwierige Kunden gibt es überall

Die Motorsägen-Attacke in der CSS-Filiale in Schaffhausen hat grosse Wellen geworfen. Versicherungen und Behörden überdenken ihre Sicherheitsmassnahmen.

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Die Erleichterung bei der CSS-Versicherung sei gross gewesen, als man erfahren habe, dass der Täter gefasst sei, sagt die Mediensprecherin Christina Wettstein. Man habe umgehend darauf reagiert. «Ab morgen Freitag sind fünf der sechs vorübergehend geschlossenen Filialen wieder geöffnet.» Lediglich die Filiale in Schaffhausen bleibe bis auf weiteres geschlossen. Die erhöhten Sicherheitsmassnahmen wurden per sofort aufgehoben. Das betrifft die Standorte St. Gallen, Winterthur und Frauenfeld.

Strafanzeige bei schweren Drohungen

Auch andere Versicherungen in der Stadt haben auf den Vorfall reagiert, so zum Beispiel die Swica. Mediensprecherin Silvia Schnidrig sagt, man habe die Checkliste bei Bedrohungsfällen noch einmal an alle Standorte gesendet. Zudem würden regelmässig die Sicherheitsmassnahmen überprüft. Ein Fall wie in Schaffhausen habe es bis jetzt noch nie gegeben. Allerdings gebe es Drohungen. Solche, die gegen Leib und Leben gerichtet sind, kämen maximal fünfmal pro Jahr vor. Darauf reagiere man jeweils mit einer Strafanzeige bei der Polizei, sagt Schnidrig. «Die Mitarbeiter nehmen regelmässig an Schulungen teil, um das Verhalten mit schwierigen Kunden zu erlernen.» Die Vorgehensweise und Abläufe seien klar kommuniziert. Schnidrig betont aber auch, dass die Situation eine komplett andere sei, sobald tatsächlich jemand mit einer Waffe im Büro stehe. «Da hilft es nur begrenzt, wenn man in der Gesprächsführung geschult ist.» Obwohl ein Risiko immer bestehe, lege Swica nach wie vor Wert auf offene Empfangsräume.

Abgeschlossene Türen schützen Mitarbeiter

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region St. Gallen sei bewegt vom tragischen Ereignis, sagt die Präsidentin Brigitte Brun. Trotzdem sehe man keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. «Wir sind schon lange sensibilisiert.» Die allgemeinen Massnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden seien umfassend. Sie seien in Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei entstanden und würden stets angepasst. Während der Bürozeiten ist immer ein privater Sicherheitsdienst anwesend. Zudem sind Sicherheitsschranken am Eingang angebracht, welche von Drittpersonen durchlaufen werden müssen. Auch sind die Büros immer abgeschlossen, und Gespräche werden grundsätzlich zu dritt geführt. Gebe es Anzeichen von Gewalt, könne die Polizei aufgeboten werden, sagt Brun. Das sei aber selten.

Elina Grünert

stadtredaktion@tagblatt.ch