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SICHERHEIT: Nach Kletterunfall in St.Gallen: "Es bleibt immer ein Restrisiko"

Ab kommendem Jahr will die Kletterhalle in St.Gallen nur noch fehlertolerantere Sicherungsgeräte zulassen. Mit dieser Massnahme reagieren die Betreiber auf den Unfall von vorletzter Woche.
Nina Rudnicki
Nicht ungefährlich: Nur wer einen Kurs macht, darf die Wand hinauf. (Bild: Benjamin Manser)

Nicht ungefährlich: Nur wer einen Kurs macht, darf die Wand hinauf. (Bild: Benjamin Manser)

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Indoor-Klettern sei eine sehr sichere Sportart, allerdings bleibe immer ein Restrisiko, schreibt Diego Lampugnani, Geschäftsleiter Kletterzentrum St.Gallen, auf der Website. In dem Text bezieht er sich auf den Unfall von vorletzter Woche, als ein 33-Jähriger aus zehn Metern Höhe auf den Hallenboden stürzte. Während die Befragungen zum Unfallhergang noch laufen, konnte der Mann, der starke Prellungen und eine Platzwunde am Hinterkopf hatte, das Spital am nächsten Tag wieder verlassen. Mit ihm hat Diego Lampugnani bereits ein Gespräch geführt. Auch mit der Person, die für das Sichern seines Kletterpartners verantwortlich war, hat ein Treffen stattgefunden. "Es ging dabei nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, einfach noch einmal über das Geschehene zu sprechen", sagt er.

Vom Boden aus gesichert

In der Kletterhalle in St.Gallen kann nur selbstständig geklettert werden, wenn die erforderlichen Sicherungstechniken vorhanden sind. "Anfänger klettern in Begleitung einer Fachperson oder bei Kursen mit Anleitung eines Instruktors", sagt Lampugnani. "Selbstständige Kletterer steigen in der Regel als Zweierseilschaft abwechslungsweise die Wand hoch und sichern sie sich dabei gegenseitig." Hierfür verwendet der Seilpartner am Boden ein Sicherungsseil, das am Klettergurt des Kletterers befestigt ist. Der Kletterer hakt das Seil nach jedem Meter in den nächsten Sicherungspunkt an der Wand ein. Das Seilende, das zum Sicherungspartner am Boden geht, läuft durch ein Sicherungsgerät mit Bremswirkung, das am Klettergurt des Sicherers befestigt ist. Stürzt der Kletterer ab, muss der Sicherer das Bremsseil festhalten und verhindern, dass es durch das Sicherungsgerät rauscht. Mit dem Bremsseil lässt er dann den Kletterer wieder auf den Boden.

Hat man gerade einmal keinen Kletterpartner zur Hand, so kann auch an Selbstsicherungsgeräten geklettert werden. Ein für Trainingszwecke geeigneter Wandbereich mit vier solcher Sicherungsmaschinen steht in der Kletterhalle St.Gallen zur Verfügung. An ihnen ist man wie in einem Hochseilgarten befestigt und kann nicht abstürzten. "Die Maschine wird vor allem für Trainingszwecke genutzt oder wenn man einmal ohne Partner klettern muss", sagt Lampugnani.

Jeder Kletterer, der erstmals in die Kletterhalle St.Gallen kommt, wird überprüft und registriert. Er füllt ein Formular aus, in dem er Fragen zu seinen Sicherungskenntnissen beantwortet und mit Unterschrift bestätigt. "Anschliessend überprüfen wir die Angaben in einem kurzen Interview. Danach darf er selbstständig in eigener Verantwortung in der Halle klettern", sagt Lampugnani. Anfänger müssen in der Kletterhalle einen Grundkurs von mindestens sieben bis acht Lektionen absolvieren, um am Seil zu klettern.

Die Kletterhalle verzeichnet laut Lampugnani im Schnitt 150 Besucher pro Tag. In den vergangenen Jahren habe das Interesse stetig zugenommen. Von einem Boom im Klettersport sprechen, möchte er nicht. "Die meisten, die anfangen zu klettern, bleiben dem Sport aber lange treu", sagt er. Immer beliebter sei in jüngster Zeit das Bouldern. Es handelt sich dabei um Klettern in Absprunghöhe über dicken Matten. Die Boulderwände sind nur drei bis vier Meter hoch. "Diese Variante hat mehrere Vorteile. Man braucht keine Sicherungskenntnisse und man verlässt seine Komfortzone nicht."

Schwere Unfälle passieren selten

Unfälle mit schweren Verletzungen passieren laut Lampugnani sehr selten. In den allermeisten Fällen seien sie zudem auf menschliches Versagen und auf einen Fehler des Sicherungspartners zurückzuführen. Die Kletterer bringen ihr eigenes Material mit. "In der Schweiz gibt es keine Vorschriften dazu, welche Sicherungsgeräte erlaubt sind und welche nicht", sagt er. Viele Kletterer würden noch mit Sicherungsgeräten, die wenig Sicherheits- reserve bieten, klettern. Da das Sicherungsmaterial in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und verbessert wurde, möchte die Kletterhalle veraltete Ausrüstungen in Zukunft nicht mehr zulassen. "Ab 2019 wollen wir als erste Kletterhalle in der Schweiz nur noch fehlertolerantere Sicherungsgeräte erlauben", sagt Lampugnani. "Diese blockieren das Sicherungsseil oder unterstützen die Bremswirkung im Falle eines Sturzes, auch wenn die Sicherungsperson das Bremshandprinzip verletzt."

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