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SHOPPING: "Manche Geschäfte müssen die Kunden bei Ladenschluss fast vertreiben": St.Galler Gewerbler wollen länger offen haben

Die städtischen Detailhändler wollen die Ladenöffnungszeiten verlängern. Sowohl unter der Woche als auch am Samstag. Dafür soll der Abendverkauf in Zukunft kürzer dauern.
Roger Berhalter
«Final Sale» bis 20 Uhr: Ein liberaleres Gesetz zu den Ladenöffnungszeiten soll den Geschäften in der Innenstadt mehr Kundinnen und Kunden und mehr Umsatz bringen. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Final Sale» bis 20 Uhr: Ein liberaleres Gesetz zu den Ladenöffnungszeiten soll den Geschäften in der Innenstadt mehr Kundinnen und Kunden und mehr Umsatz bringen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die heutigen Ladenöffnungszeiten passen nicht mehr in die heutige Zeit. Dieser Ansicht ist Ralph Bleuer, Geschäftsführer der Papeterie Markwalder am Hauptbahnhof. Und dieser Ansicht sind auch die meisten Mitglieder von Pro City, jener Vereinigung der innerstädtischen Detailhändler, die Bleuer präsidiert. Das Gesetz, das im Kanton St.Gallen die Ladenöffnungszeiten regelt, stammt aus dem Jahr 2003. «Seither hat sich das Konsumverhalten stark verändert», sagt Bleuer. Online sind die Läden rund um die Uhr geöffnet, und das traditionelle Geschäftsmodell der Innenstadt-Geschäfte gerät immer stärker unter Druck. Deshalb gehe es nun darum, das Gesetz den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Die Detailhändler haben klare Vorstellungen, wie das geschehen soll:

  • Montag bis Freitag sollen die Geschäfte von 6 bis 20 Uhröffnen dürfen (und nicht wie heute nur bis 19 Uhr).
  • Am Samstag soll jedes Geschäft von 6 bis 18 Uhr geöffnet sein dürfen (und nicht nur bis 17 Uhr).
  • Der Abendverkauf unter der Woche soll nur noch bis 20 Uhr dauern (und nicht mehr bis 21 Uhr).
  • Die zwei Sonntagsverkäufe im Advent sollen von 11 bis 17 Uhr dauern (und nicht wie heute von 12 bis 17 Uhr). Es soll aber weiterhin vier Sonntagsverkäufe pro Geschäft und pro Jahr geben, davon zwei im Advent.
  • Jedes Geschäft soll pro Jahr an vier speziellen Verkaufsanlässen unter der Woche bis 22 Uhr geöffnet sein dürfen (und nicht nur zweimal).

Am Samstag ab 17 Uhr würden die Kunden kaufen

Zwei Entwicklungen stehen dabei im Zentrum. Erstens: Die letzte Stunde des Abendverkaufs am Donnerstag bringt den Geschäften kaum noch Umsatz. «Ab 20 Uhr läuft nichts mehr», bringt es Ralph Bleuer auf den Punkt. Zweite Entwicklung: Am Samstag gehen die Leute zum Einkaufen immer später in die Stadt. «Manche Geschäfte müssen die Kunden bei Ladenschluss fast vertreiben.» Genau dann, ab 17 Uhr, könnte man mehr Umsatz generieren, da gebe es noch viel Potenzial.

Diese zwei Entwicklungen führen zu zwei Anpassungen, die sich laut Bleuer eine Mehrheit der städtischen Detailhändler wünscht: Den Abendverkauf um eine Stunde zu verkürzen, dafür die Öffnungszeiten am Samstag um eine Stunde bis 18 Uhr zu verlängern. In zweiter Priorität wäre es laut Bleuer wünschenswert, dass alle Geschäfte unter der Woche täglich bis 20 Uhr öffnen können.

Am vergangenen Forum «Zukunft St.Galler Innenstadt» im April stellte Bleuer sein Anliegen erstmals öffentlich vor. Die Erweiterung der Ladenöffnungszeiten ist eines von mehreren sogenannten Massnahmenfeldern der «Zukunft St.Galler Innenstadt», einer Initiative der Standortförderung und der St.Galler Wirtschaftsverbände. Das übergeordnete Ziel: Die Innenstadt soll wieder belebter werden, die Geschäfte, Cafés und Restaurants sollen wieder mehr Umsatz machen.

Mehr Night-Shopping, längerer Sonntagsverkauf

Ein verlängerter Sonntagsverkauf vor Weihnachten soll ebenfalls dazu beitragen. Heute dauern die zwei erlaubten Sonntagsverkäufe im Advent von 12 bis 17 Uhr, künftig sollen sie eine Stunde früher beginnen. Dies in der Hoffnung, dass die Leute dann früher in die Stadt gehen und dort nicht nur shoppen, sondern auch Zmittag essen. «Dies könnte einige Gastronomen motivieren, ihr Restaurant oder Café an jenen Sonntagen zu öffnen», sagt Ralph Bleuer.

Die Detailhändler wollen auch flexibler werden, was Night-Shopping, Kundenapéros oder andere sogenannte spezielle Verkaufsanlässe betrifft. Heute sind pro Geschäft und Jahr nur zwei solche Anlässe erlaubt, künftig sollen es vier sein. «Übers ganze Jahr betrachtet sind zwei Abende so gut wie nichts», gibt Bleuer zu bedenken.

Ladenöffnungszeiten sind ein heisses Eisen. Schon viele haben sich daran die Finger verbrannt, und in den letzten Jahren sind mehrere kantonale Volksabstimmungen zum Thema gescheitert. Zuletzt wollte der Bundesrat die Ladenöffnungszeiten schweizweit harmonisieren und liess eine Gesetzesvorlage erarbeiten, die im Wesentlichen den aktuellen Vorschlägen der St.Galler Detailhändler entsprach: Montag bis Freitag von 6 bis 20 Uhr sowie am Samstag von 6 bis 18 Uhr. Der Ständerat versenkte die Vorlage im Juni 2016.

Die städtischen Detailhändler wissen, dass sie neuen Ladenöffnungszeiten nicht im Alleingang einführen können, sondern dass dafür zuerst ein kantonales Gesetz ändern muss. Die Arbeitgeber wissen auch, dass die Gewerkschaften kritisch reagieren, wenn es um längere Öffnungszeiten geht. Entsprechend vorsichtig geben sich die Beteiligten. Ralph Bleuer betont, bei den gewünschten neuen Öffnungszeiten handle sich nur um Vorschläge. Er spricht von «moderaten Anpassungen», nicht von Verlängerung oder Liberalisierung. Auch die städtische Standortförderung schreibt in einer Mitteilung, man strebe «keine Erweiterung der gesetzlich erlaubten Öffnungszeiten an, sondern vielmehr die Möglichkeit, diese flexibler zu gestalten».

Im Thurgau ist’s auch nicht besser

Diesem Anliegen steht Stefan Brülisauer von der Gewerkschaft Unia kritisch gegenüber. «Eine Ausdehnung der Öffnungszeiten führt nicht zu mehr Umsatz», sagt der Kommunikationsverantwortliche der Unia-Region Ostschweiz-Graubünden. Dies zeige der Vergleich mit dem Kanton Thurgau, wo die Geschäfte deutlich länger geöffnet sein dürfen. «Die Detailhändler dort kämpfen mit den gleichen Problemen.» Längere Öffnungszeiten würden nur den Konkurrenzkampf zwischen den grossen und kleinen Geschäften verschärfen, weil es sich die grossen eher leisten könnten, die erlaubten Öffnungszeiten auszuschöpfen. «Das heutige Gesetz ist mehr als ausreichend», sagt Brülisauer. Das Stimmvolk habe sich mehrfach gegen längere Öffnungszeiten ausgesprochen, sie entsprächen keinem Bedürfnis und würden höchstens die Situation der Arbeitnehmer verschlechtern.

Laut Ralph Bleuer wären die neuen Ladenöffnungszeiten sozialverträglich. «Es geht nicht darum, die Mitarbeiter im Detailhandel zu plagen.» Längere Öffnungszeiten bedeuteten nicht zwangsläufig längere Arbeitszeiten. «Das ist eine Frage der Personalplanung», sagt Bleuer, der in seiner Papeterie 38 Mitarbeiter beschäftigt. Und Sonntagsarbeit sei nicht per se negativ: «Viele sind froh um diese Arbeit und auf die zusätzliche Einnahmequelle angewiesen.»

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