SERVICE PUBLIC: «Radikaler Abbau in den Randregionen»

Die Post verhandelt derzeit mit den Kantonen über ihr Netz. Im St.Galler Kantonsrat stellen SP und SVP kritische Fragen dazu. Die Regierung beschwichtigt, zeigt sich aber teilweise selber skeptisch.

Adrian Vögele
Drucken
Teilen
Derzeit führt die Post mit den Kantonen Gespräche darüber, welche Schalterfilialen bis 2020 sicher erhalten bleiben sollen. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Derzeit führt die Post mit den Kantonen Gespräche darüber, welche Schalterfilialen bis 2020 sicher erhalten bleiben sollen. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Bis zu 600 traditionelle Poststellen weniger: So lautete die Ansage der Schweizerischen Post im vergangenen Herbst. Derzeit führt sie mit den Kantonen Gespräche darüber, welche Schalterfilialen bis 2020 sicher erhalten bleiben sollen. Sie will dabei auch regionale Kriterien berücksichtigen. Was das bedeutet, ist bislang noch unklar. Laut Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller soll die Karte des künftigen Postnetzes im Juni präsentiert werden (Ausgabe vom 10. März).

Der Umbau des Postnetzes hat auch St.Galler Kantonsparlamentarier auf den Plan gerufen. Peter Hartmann (SP) forderte die Regierung in einer Interpellation dazu auf, Stellung zu den aktuellen Gesprächen mit der Post zu nehmen. Er äusserte den Verdacht, die Post wolle die Debatten um den Bestand der Poststellen auslagern, indem sie die kantonalen Stellen einbeziehe. Zu befürchten ist laut Hartmann «ein Feilschen zwischen dem Kanton und den Gemeinden» – die Post könne sich dann auf das Ergebnis berufen. Der Präsident der SP-Grünen-Fraktion wollte unter anderem von der Regierung wissen, ob Poststellen im Kanton von der Schliessung bedroht sind – und wenn ja, welche.

Gespräche zu 13 Poststellen
Eine weitere Interpellation hat Mirco Gehrig (SVP) eingereicht. Er befürchtet einen «radikalen Abbau» der Post-Leistungen in den Randregionen. «Leidtragende werden die Landbevölkerung, die ältere Generation und wenig mobile Menschen sein.» Die Lebensqualität und Attraktivität der Dörfer sinke mit dem Verschwinden jeder Postfiliale weiter – damit öffne sich ein immer grösserer Graben zwischen den gut versorgten urbanen Regionen und den Randgebieten. Gehrig fragt die Regierung, wie sie auf die beabsichtigte Massenschliessung zu reagieren gedenke.

Den SP-Vorstoss hat die Regierung inzwischen beantwortet. Zur Debatte stehe derzeit die Zukunft von 13 Poststellen im Kanton – acht im Rheintal, drei im Grossraum St.Gallen sowie je eine im Raum Wil und im Linthgebiet. «Die Gespräche sind unterschiedlich weit fortgeschritten», so die Regierung. Zur Entwicklung des Postnetzes bis 2020 hat die Post im Dezember Kontakt mit den kantonalen Stellen aufgenommen. Welche Poststellen in den kommenden Jahren definitiv nicht geschlossen oder umgewandelt würden, sei noch nicht klar. Darum sei es für eine abschliessende Beurteilung noch zu früh. «Klar ersichtlich ist, dass es der Post nicht darum geht, Leistungen abzubauen, sondern diese im Gegenteil bedarfsgerecht auszubauen.» Letztlich sei relevant, dass die Grundversorgung mit Poststellen, Agenturen und anderen Modellen flächendeckend erhalten bleibe.

Einheitliche Kriterien noch nicht garantiert
Zentral ist aus Sicht der Regierung, dass die Post objektive Kriterien anwendet – und zwar über die ganze Schweiz hinweg. Ob dies tatsächlich gelingt, ist aber noch offen. Die Regierung merkt an, es bestehe die Gefahr, dass mit dem Einbezug von Bevölkerung und Kantonen in die Verhandlungen objektive Massstäbe «zu Gunsten von individuellen Aspekten und Befindlichkeiten in den Hintergrund treten». Dies könne zu ungleichen Ergebnissen von Kanton zu Kanton führen.

Das aktuelle Postnetz im Kanton St.Gallen bezeichnet die Regierung als «gut». In den letzten fünf Jahren seien verschiedene Poststellen zu Agenturen umgewandelt worden, was jeweils «mit Vor- und Nachteilen» verbunden sei. Die Regierung will eine Verschlechterung der Dienstleistungen, gerade in den Randregionen, nicht hinnehmen. Gleichzeitig hält sie es für berechtigt, dass die Post ihr Netz überprüft und falls nötig anpasst. Zum Vorstoss von Mirco Gehrig hat sich die Regierung noch nicht geäussert.