Sensationsfund bei Bauarbeiten

In der Baugrube fürs Naturmuseum sind die Arbeiter auf Teile des Skeletts eines urzeitlichen Wollhaarnashorns gestossen. Der Fund gilt als Sensation: Bisher konnten solche Tiere in Zentraleuropa nämlich nicht nachgewiesen werden.

Elisabeth Reisp
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Der St. Galler Urzeitforscher Urs Oberli hat die Skelettreste des eiszeitlichen Wollhaarnashorns fachgerecht aus der Baugrube geborgen. (Bild: Naturmuseum St. Gallen)

Der St. Galler Urzeitforscher Urs Oberli hat die Skelettreste des eiszeitlichen Wollhaarnashorns fachgerecht aus der Baugrube geborgen. (Bild: Naturmuseum St. Gallen)

Einen Schädel, ein Stück der Wirbelsäule mit langen Rippen daran sowie zwei Hinterläufe haben Bauarbeiter am vergangenen Freitag auf der Baustelle für das neue Naturmuseum gefunden. Nach den eilig durchgeführten Erst-Abklärungen ist es amtlich: Es ist ein Wollhaarnashorn, etwa 18 000 Jahre alt.

Für Bevölkerung zugänglich

Der Fund wird heute Dienstag, 12 bis 13 Uhr, auf der Baustelle des neuen Naturmuseums kurz der Bevölkerung gezeigt. Danach verschwindet er für die wissenschaftliche Auswertung ein bis zwei Jahre hinter die Kulissen. «Die Präsentationsdauer ist sehr kurz, da ab 1. April das Fundament für unseren Neubau gegossen werden muss», sagt Museumsdirektor Toni Bürgin. Dies dauere ein paar Tage und könne nur bei schöner Witterung passieren. Da das Wetter ab Freitag umzuschlagen drohe, sei die Zeit dafür knapp. «In spätestens zwei Jahren wird das Skelett allerdings im neuen Museum ausgestellt», verspricht Bürgin, der sein Glück über den Fund kaum fassen kann: «Das ist ein absoluter Glücksfall.» Lediglich ein Bruchteil aller im Boden verborgenen Schätze werde überhaupt gefunden. Vieles werde unbemerkt von den starken Baumaschinen zerstört.

Funde in Sibirien und Ukraine

Aufgrund der hervorragenden Qualität der Knochen dürfte das Wollnashorn im oder am damaligen St. Fiden-See verendet und im tiefen Schlamm konserviert worden sein. «Der Fund ist eine wissenschaftliche Sensation», sagt der stolze Museumsdirektor. Sensationell deshalb, weil bis jetzt noch nie Reste eines Wollhaarnashorns in Zentraleuropa gefunden wurden. Lediglich in Sibirien und in der Ukraine konnten diese Tiere bisher nachgewiesen werden. Dies, obschon Wollhaarnashörnern derselbe Lebensraum zugeordnet wird wie Mammuts. Und Überreste von Mammuts werden immer wieder gefunden. Eine Häufung von Funden, so Bürgin, gab es etwa im Zürcher Weinland.

Keine Grabung geplant

In der Region um St. Gallen sind schon einige urzeitliche Tiere gefunden worden (siehe Kasten). Dies, weil der hier schlammige Boden ein idealer Konservator war. Im Schlamm gibt es keinen Sauerstoff. So wird das Vorkommen von Bakterien gehemmt, die Kadaver zersetzen.

Auf eine Grabung auf der Naturmuseum-Baustelle wird jetzt verzichtet. Einerseits soll aus Kostengründen ein Baustop vermieden werden. Anderseits sei eine Grabung nicht nötig, da die Aushubarbeiten bereits abgeschlossen seien. Als Wissenschafter bedauert Bürgin diesen Entscheid zwar. Aber: «Da wir jetzt nicht mehr weitergraben, zerstören die Bagger nichts. Alles, was im Boden sein könnte, bleibt der Nachwelt erhalten.»

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