Seniorenzentrum mit Mängeln

Wie viele Pflegeplätze für alte Menschen braucht die Gemeinde Eggersriet? Sind weitere Angebote wünschenswert? Und gibt es Synergien in der Altersbetreuung? Mit einer Strategieabklärung wird derzeit nach Antworten gesucht.

Claudia Schmid
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Das Senioren- und Spitex-Zentrum in Eggersriet ist seit zwei Jahren zu 100 Prozent ausgelastet. Für Notfälle bleibt keine Flexibilität. (Bild: Urs Jaudas)

Das Senioren- und Spitex-Zentrum in Eggersriet ist seit zwei Jahren zu 100 Prozent ausgelastet. Für Notfälle bleibt keine Flexibilität. (Bild: Urs Jaudas)

EGGERSRIET. Der Stiftungsrat des Senioren- und Spitexzentrums hat eine Standortbestimmung und Strategie für das Wohnen, die Pflege und die Betreuung im Alter lanciert. Die ersten Erkenntnisse liegen seit einiger Zeit vor. «Das Angebot an Pflege- und Betreuungsplätzen für die Gemeinde Eggersriet-Grub ist zurzeit gerade noch genügend», heisst es darin. In den nächsten Jahren werde jedoch ein erhöhter Bedarf an Pflege- und Betreuungsplätzen erwartet.

Ein Bettenlift fehlt

Gründe für die Bedarfsabklärung gibt es mehrere. Einer ist im baulichen Zustand des Senioren- und Spitexzentrums zu finden. «Das Gebäude wurde vor etwas mehr als zehn Jahren als Altersheim geplant und realisiert. Trotz des Beizugs von vorausschauenden Experten hat man die Entwicklung der vergangenen Jahre – weg vom klassischen Altersheim, hin zum Pflegeheim – nicht gesehen», erklärt dazu Gemeinderat und Stiftungsratspräsident Max Rindlisbacher. Aus baulicher Sicht sei damals wohl das politisch Mögliche realisiert worden, wenn auch mit groben Mängeln.

«Es fehlt ein Bettenlift. Die Wege für das Pflegepersonal sind lang, der interne Transport der Bewohner mit einem kleinen Lift ist zeitaufwendig.» Die Zimmertüren seien nicht breit genug, um ein Pflegebett durchzuschieben. Dies erschwere den Arbeitsalltag zusätzlich. Zudem sei die Infrastruktur der Nebenräume viel zu knapp bemessen und der Arztpraxis mangle es ebenfalls an Platz. Das Dach des Seniorenzentrums sei über 40 Jahre alt und müsse innerhalb der nächsten vier Jahre saniert werden.

Seit zwei Jahren ausgelastet

Eine weitere Tatsache ist, dass das Senioren- und Spitexzentrum seit 2011 zu 100 Prozent ausgelastet ist. Laut dem Strategiepapier wäre eine Auslastung von 96 bis 97 Prozent optimal, um auch für dringende Eintritte oder Feriengäste flexibel zu sein. Von den zurzeit 29 Bewohnerinnen und Bewohnern haben 18 Personen schon vor dem Eintritt ins Seniorenzentrum in Eggersriet gewohnt. Sechs der von auswärts kommenden Bewohner haben Angehörige in Eggersriet oder Grub. Auf der Warteliste sind zurzeit 27 Personen.

«Eine Optimierung der räumlichen Verhältnisse im Seniorenzentrum wie auch in der Arztpraxis drängt sich auf», fasst Max Rindlisbacher zusammen. Deshalb habe man vier Architekturbüros mit einem Studienauftrag für die Sanierung und eventuell Erweiterung des Senioren- und Spitexzentrums beauftragt.

Synergien nutzen

Doch nicht nur die baulichen Herausforderungen beschäftigt die Verantwortlichen. «Es steht auch die Frage im Raum, ob die Wohnbaugenossenschaft der Alterssiedlung Steinbüchel und die Stiftung Senioren- und Spitexzentrum zusammengeführt werden sollen», betont Max Rindlisbacher. «Wir haben festgestellt, dass das Seniorenzentrum mehr und mehr vom Alters- zum Pflegeheim wird. Das Angebot des betreuten Wohnens kann kaum mehr abgedeckt werden.»

Mittelfristig sei es aus Sicht des Stiftungsrates denkbar, dass in den kleinen Wohnungen im Steinbüchel Betreutes Wohnen angeboten werde und dabei die Zimmer im Seniorenzentrum ausschliesslich als Pflegeplätze genutzt würden. Die Verwaltung der Liegenschaft Steinbüchel und die Hauswartung könnten ohne grossen Mehraufwand in die Verwaltung des Senioren- und Spitexzentrums integriert werden. Und schliesslich müsse auch die Organisationsstruktur geprüft werden. Denkbar sei, dass die Führung entweder in der Verantwortung der Gemeinde, weiterhin bei der Stiftung des Senioren- und Spitexzentrums oder aber in den Händen einer Non-Profit-Organisation von aussen liege, sagt Max Rindlisbacher.

Die Öffentlichkeit einbinden

Sobald die weiteren Abklärungen fortgeschritten sind und die Studienaufträge der Architekturbüros vorliegen, will der Gemeinderat die Öffentlichkeit detailliert über den Stand der Strategiepläne informieren. Max Rindlisbacher rechnet damit, dass dies anfangs des nächsten Jahres sein wird. «Die Bevölkerung von Eggersriet und Grub ist dann herzlich eingeladen, sich an der Diskussion über die Zukunft für das Wohnen, die Pflege und die Betreuung im Alter zu beteiligen.»

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