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SELTENER EINBLICK: Premiere im Fernsehen: das Leben der Nonnen von der Notkersegg erstmals in einem Film

Die Kapuzinerinnen des Klosters Notkersegg leben zurückgezogen. Nun gewähren sie einen seltenen Einblick in ihren Alltag. Sie haben erstmals einer Filmemacherin die Tür geöffnet. Der Streifen hatte jetzt Vorpremiere.
Christina Weder
Dokumentarfilm über die Nonnen von der Notkersegg: Vorpremiere am Mittwochabend unter freiem Himmel neben dem Kloster. (Bild: Ralph Ribi)

Dokumentarfilm über die Nonnen von der Notkersegg: Vorpremiere am Mittwochabend unter freiem Himmel neben dem Kloster. (Bild: Ralph Ribi)

Draussen liegen die Temperaturen unter Null. Trotzdem füllt sich der Hof vor dem Kloster Notkersegg am Mittwochabend mit zahlreichen Gästen. Sie kommen ins winterliche Openair-Kino zur Vorpremiere des Reporter-Films «Heimwärts», den das Schweizer Fernsehen am Sonntag ausstrahlt.

Drinnen, in einer Küche des Klosters, kochen Schwester Rita und Schwester Manuela Punsch. Es dauert noch wenige Minuten bis zum Filmstart. Doch von Nervosität ist nichts zu spüren, auch wenn die Klosterfrauen in der Hauptrolle zu sehen sind. «Ich freue mich auf den Film», sagt Schwester Manuela, die 47-jährige Oberin der Gemeinschaft. Sie sieht ihn nicht zum ersten Mal. «Er zeigt uns so, wie wir sind.» Auch die 84-jährige Schwester Rita findet ihn authentisch.

Eine ganz spontane Idee

Bis die Klosterfrauen aber ihre Einwilligung zum Film gaben, dauerte es seine Zeit. Filmemacherin Eveline Falk, die in St.Gallen wohnt, erinnert sich zurück, wie alles begann. Die Idee, einen Film über die Schwestern im Kloster Notkersegg zu drehen, kam ihr spontan. Sie habe weder eine besondere Beziehung zu Klöstern, noch sei sie besonders religiös, sagt sie über sich selbst.

Unzählige Male ist sie am Kloster Notkersegg vorbeispaziert, ohne ihm besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Einmal hat sie einen Faltprospekt mitgenommen. Sie las darauf den Aufruf der Klosterfrauen: «Wir brauchen ihre Unterstützung.» Es ging um eine Pflegewohngruppe, welche die Schwestern einrichten wollten. Eveline Falk rief im Kloster an und fragte, ob sie darüber einen Film drehen dürfe.

Ein Fernsehfilm über das Kloster Notkersegg: Die Nonnen bei einer Mahlzeit. (Bild: SRF)
Ein Blick in die Küche. (Bild: SRF)
Das Kloster Notkersegg. (Bild: Klaus Stadler)
Luftaufnahme der Notkersegg – links im Bild das Kloster, rechts das Ausflugsrestaurant Scheitlinsbüchel. (Bild: Hans Adelmann)
Sechs der derzeit noch sieben Nonnen des Klosters Notkersegg zusammen mit Bischof Markus Büchel. (Bild: Ralph Ribi)
Zwei der Nonnen auf Besuch im Fernsehstudio in Zürich. (Bild: SRF)
Vorpremiere des Fernsehfilms über die Nonnen von der Notkersegg: Schwester Manuela und Filmemacherin Eveline Falk begrüssen. (Bild: Ralph Ribi)
7 Bilder

Die Nonnen von Notkersegg

Ein Leben in der Verborgenheit

Die Kapuzinerinnen, die zu siebt im Kloster leben, sagten nicht sofort zu. Sie führen ein zurückgezogenes Leben – eines «in der Stille, der Verborgenheit und im Gebet». Sie gehen kaum nach draussen, suchen nicht die Öffentlichkeit. Bisher haben sie noch keinem Kamerateam die Tür geöffnet. «Am Anfang war nicht klar, ob wir mitmachen», sagt Schwester Manuela. Filmemacherin Eveline Falk musste den Klosterfrauen zuerst Red und Antwort stehen. Was schliesslich den Ausschlag gab, dass es klappte, weiss sie nicht. «Es hat einfach gepasst», sagt Schwester Manuela dazu.

Eveline Falk verbrachte mit einem Kameramann fünf Drehtage im Kloster. «Ich konnte mich frei bewegen und ohne Einschränkungen filmen», sagt sie. Es war eine unbekannte Welt, die sich ihr auftat. Als sie das Kloster zum ersten Mal besucht habe, sei sie mit offenen Augen und offenem Mund herumgelaufen – so wie die Klosterfrauen später, als sie das Fernsehstudio besuchten.

Besonders beeindruckt war Eveline Falk vom «anderen Zeitgefühl», das im Kloster herrsche. Sie habe viel Ruhe vorgefunden – jenseits von durchgetakteten Tagen und gefüllten Agenden. Fasziniert war sie auch vom tiefen Glauben der Schwestern und ihrer Zuversicht, dass es schon so komme, wie es kommen müsse. Zehn Tage sass sie am Schnittplatz im Fernsehstudio. Und sie ist sich wohl noch selten so gut behütet vorgekommen wie bei diesem Projekt. Denn die Klosterfrauen beteten genauso lange für den Film, dass er gut herauskommen möge.

Beispielhafter Umgang mit älteren Menschen

Der Film lässt hinter die dicken Klostermauern blicken. Er begleitet die Schwestern in ihrem Alltag und befasst sich mit dem Altwerden. Tatsächlich liegt der Altersdurchschnitt im Kloster Notkersegg bei 80plus. Oberin Manuela muss sich mit der Frage befassen, was zu tun ist, wenn die Mitschwestern immer älter und pflegebedürftiger werden und in ein externes Pflegeheim müssen – trotz fehlender finanzieller Mittel. Ihr Ziel ist es, eine eigene Pflegestation einzurichten und die hochbetagten Mitschwestern ins Kloster zurückzuholen – «heimwärts».

Der Film lebt nicht zuletzt von den spontanen Äusserungen der hochbetagten Schwestern und der Herzlichkeit, mit der sie bei ihrer Rückkehr in die Gemeinschaft empfangen werden. «Die Kosterfrauen haben ein Konzept entwickelt, mit älteren Menschen umzugehen», sagt Falk. «Da sind sie uns voraus.»

Im Fernsehen
SRF1, Sonntag, 11.2. - 21.40 Uhr

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