SELBSTBEDIENUNG: Geschäft mit dem Vertrauen

Hofläden sind praktisch und beliebt. Vielerorts kann in Selbstbedienung eingekauft werden. Meistens seien die Kunden ehrlich, sagen Landwirte aus der Region. Manchmal fehlt aber auch Geld in der Kasse.

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Nicht immer stimmt die Hofladenkasse. (Bild: Nana do Carmo)

Nicht immer stimmt die Hofladenkasse. (Bild: Nana do Carmo)

Ein herrlicher Duft empfängt einem, betritt man das kleine Verkaufshäuschen der Familie Lehmann in Bernhardzell. Auf Tischen sind die Kistchen mit Erdbeeren und Himbeeren aufgereiht, gleich daneben findet sich die Kasse. Von montags bis sonntags können die Kunden hier, unweit des Bauernhofs, frisches Obst kaufen – in Selbstbedienung. Ein Zettel weist darauf hin, die mitgenommene Ware auch zu bezahlen. Nicht immer sei das nämlich der Fall, wie es heisst. «Der Geldbetrag ist nicht immer so hoch, wie er eigentlich sein müsste», sagt Claudia Lehmann. «Im Grossen und Ganzen hält es sich jedoch im Rahmen, so dass wir das Kässelisystem beibehalten.» Sie verstehe jedoch solche Betriebe, die damit aufhören, weil es missbraucht werde. Dies sei schade, weil es schliesslich eine Dienstleistung für den Kunden sei. Bei den Konsumenten komme die Selbstbedienung nämlich gut an. «Vor allem die Frische der Früchte wird sehr geschätzt», sagt Claudia Lehmann weiter.

Dieb ertappt, der alle Kassen plünderte

Ähnlich tönt es bei Ludwig Egger aus Häggenschwil. Ein wenig abseits der vielbefahrenen Hauptstrasse können die Kunden, ebenfalls in Selbstbedienung, saisonales Obst und anderes im kleinen Hofladen kaufen. Seit vielen Jahren betreibt er ihn. «Und ich habe Glück, eigentlich immer ehrliche Leute anzutreffen», lobt Egger. Es habe aber auch andere Zeiten gegeben. Vor vielen Jahren habe ein Dieb alle Kassen der umliegenden Hofläden geplündert. «Der Bursche wurde jedoch erwischt», erinnert sich Egger. Manche hätten früher auch die Körbchen umgefüllt, um für gleiche Beträge mehr Obst zu erhalten. Aber auch solche Leute wurden dingfest gemacht, und es folgten Entschuldigungen. Heute habe man aus diesen Erfahrungen gelernt. «Ich achte darauf, dass die Kasse regelmässig geleert wird. Und wir bieten verschiedenes Obst zum Probieren an», sagt Egger. Schliesslich wolle der Kunde im Vorfeld wissen, ob es seinen Geschmack treffe. Auch die Lage seines Hofladens verhelfe zu Ehrlichkeit. Abseits der Strasse wisse man, wer hier einkaufe. «Einige Kunden wollen gar, dass ich beim Bezahlen dabei bin», sagt Egger. Er kenne jedoch auch Betreiber von Hofläden, die die Selbstbedienung aufgegeben haben – weil es immer wieder Missbräuche gegeben hat.

Lausbubenstreich an Pfingsten

Bei der Familie Eberle aus Wittenbach können die Kunden selber Blumen pflücken und sich einen Strauss zusammenstellen. Die Blumen sind mit einem Preisschild versehen, daneben findet sich eine Kasse. Betreiberin Josy Eberle ist mit dem System zufrieden, grundsätzlich mache man damit gute Erfahrungen. «Natürlich gibt es solche, die ohne zu bezahlen die Blumen mitnehmen», sagt sie. Manchmal würden die Leute zu wenig in die Kasse legen, in einigen Fällen wird der Betrag jedoch auch aufgerundet. «Ich denke, hier muss eine Mischrechnung gemacht werden», so Eberle. Seit 1994 verkauft sie in Selbstbedienung, und während all der Jahre wurde die Kasse einmal aufgebrochen. Josy Eberle erinnert sich heute noch gut daran. Vor Pfingsten sei es gewesen, noch seien sehr wenige Blumen zur Auswahl gestanden. Deshalb denkt sie eher an einen Lausbubenstreich. Grundsätzlich werde die Selbstbedienung von den Kunden sehr geschätzt – vor allem abends oder am Wochenende. «Viele Stammkunden finden es schön, die Blumen selber zu schneiden. Wir sind eben darauf angewiesen, mit Vertrauen zu arbeiten.» (mbr)