Selbst Bauherr erhebt Einsprache

ST.GALLEN. Im Spickel zwischen Geissbergstrasse und Autobahn soll bald Gewerbe einziehen. Gegen das Erschliessungsprojekt Altenwegen Ost in Winkeln sind aber fünf Einsprachen eingegangen. Eine sogar vom Grundeigentümer selbst.

Elisabeth Reisp
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Es ist die grösste zusammenhängende, unüberbaute Landreserve der Stadt. Mit 57 000 Quadratmetern würde sie etwa sechs Fussballfeldern Platz bieten. Das Grundstück liegt östlich der Geissbergstrasse und südlich der Autobahn. Ab nächsten Jahres sollten sich dort ansässige, aber auch zuziehende grössere Unternehmen niederlassen, die ihren Betrieb erweitern möchten oder einen Neubau erstellen wollen. Noch ist das Grundstück aber Wiesland. Und dies dürfte sich nicht so schnell ändern, wie ursprünglich erhofft. Gegen das vom Stadtparlament im letzten Frühling genehmigte Erschliessungsprojekt liegen fünf Einsprachen vor. Kurioserweise hat selbst einer der Grundeigentümer, die Max Pfister AG, Einsprache erhoben.

Einsprache für Rechtssicherheit

Es kommt aber noch skurriler: Denn die Max Pfister AG ist nicht alleiniger Eigentümer der Gewerbefläche. Der andere Miteigentümer ist: die Stadt. So erhebt der eine Bauherr nun nicht nur Einsprache gegen sein eigenes Projekt, sondern zugleich auch gegen seine Partnerin. «Eine unschöne Sache», gesteht Geschäftsführer Andreas Pfister. Die Einsprache sei aber rein technischer Natur und nicht gegen den Inhalt. «Wir haben das Erschliessungsprojekt zusammen mit der Stadt und in bestem Einvernehmen erarbeitet», sagt Pfister. Daran gebe es auch heute nichts zu rütteln.

Allerdings gebe es bei Landabtauschen und Parzellierungen noch Regelungsbedarf, äussert sich Pfister diplomatisch. Hätte er jetzt nicht Einsprache erhoben, wäre unter Umständen eine rechtliche schwierige Situation entstanden. Deshalb müssten diese Landabtausche noch abgeschlossen werden. «Wir wollen Rechtssicherheit», sagt Pfister und bringt es auf den Punkt: «Ein echter Schönheitsfehler.» Denn damit trägt er notgedrungen selbst dazu bei, dass das Projekt verzögert wird. Der ursprüngliche Plan, dass sich die ersten Unternehmen bereits nächstes Jahr in der neuen Gewerbezone niederlassen, sei überholt. «Dies dürfte frühestens 2016 der Fall sein», befürchtet der Bauherr.

Ortsbürger wollen Landersatz

Die fünf Einsprecher haben gemäss Bausekretär Alfred Kömme unterschiedliche Ziele. Nebst den vertraglichen Ungereimtheiten unter den Bauherren gebe es auch Einsprachen gegen die Verlängerung der Piccardstrasse und gegen die Offenlegung des Geissbergbaches. Dieser soll aus Schutzgründen über weite Stellen offengelegt werden. Mitten durch die Landwirtschaftsfläche, die zum Teil der Ortsbürgergemeinde gehört.

Im Richtplan ist diese als Bauerwartungsland für Industrie und Gewerbe vorgesehen. Dass durch diese nun bald ein Bach verlaufen soll, ist für die Ortsbürgergemeinde zwar vertretbar. Aber wenn schon, sollte dies auf eine allfällige Umzonung in eine Gewerbezone abgestimmt werden, findet der Ortsbürgerpräsident Arno Noger. Konkret fordert die Ortsbürgergemeinde deshalb, dass jetzt ein gesamtheitliches Erschliessungskonzept ausgearbeitet wird. Denn: «Wird der Bach offen gelegt und diese Wiese umgezont, muss eine Strasse und eine Brücke gebaut werden.» Auch verlangt die Ortsbürgergemeinde gemäss Noger eine Kompensation der für den Bach beanspruchten Fläche.

Bleibt der Bach, wirds schwierig

Der Stadtrat seinerseits hatte schon vor der Beratung im Parlament mit Einsprachen gerechnet. Er hat deshalb eine Übergangslösung vorbereitet, falls das Gewässerkonzept nicht zeitgleich mit der Überbauung umgesetzt wird. Dieses sieht vor, den Bach in seinem jetzigen Lauf – unter der geplanten Gewerbezone Altenwegen Ost – zu belassen und andere Massnahmen gegen Hochwasser zu ergreifen. Bleibt der Bach aber unter dem Grundstück, dürfte dessen Bebauung kompliziert werden.