Selber nach Leckereien suchen

Die neue Aussenanlage für die Schimpansen im Walter-Zoo ist fertig. Sie bietet den Tieren viele neue Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Sei es am Termitenhügel oder am Wasserfall.

Johannes Wey
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Im neuen Aussengehege können die Schimpansen jetzt aus einem künstlichen Termitenhügel (zwischen den Klettergerüsten) Futter pulen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im neuen Aussengehege können die Schimpansen jetzt aus einem künstlichen Termitenhügel (zwischen den Klettergerüsten) Futter pulen. (Bild: Hanspeter Schiess)

REGION/GOSSAU. Digit ist neugierig. Das Alphatier der 17köpfigen Schimpansengruppe im Walter-Zoo späht in die Löcher des künstlichen Termitenhügels, der Teil der neuen Schimpansenanlage ist (siehe Ostschweiz am Sonntag vom 26. Juli). In freier Wildbahn würde er nun mit einem Ästchen nach Insekten grübeln, um sie zu fressen. Im Walter-Zoo sollen die Menschenaffen auf diesem Weg an Leckereien wie Honig oder Joghurt kommen. Doch Digit muss unverrichteter Dinge wieder abziehen, der Hügel ist noch nicht fertig ausgehöhlt. Zu neu ist die neue Aussenanlage, am vergangenen Freitag konnten die Tiere sie erstmals in ihrer Gesamtheit benutzen. Noch fehlen einige Details, etwa die Bepflanzung mit Beerensträuchern.

Wasserfall nicht zum Baden

Das neue Gehege soll den Zoobesuchern eine attraktivere Kulisse bieten, wenn sie die Schimpansen beobachten. «Uns war aber wichtig, dass die neue Anlage auch den Schimpansen mehr bietet», sagt Zootierärztin und Geschäftsleitungsmitglied Karin Federer. Besonders auf vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten wurde ein Augenmerk gelegt: Die Kletteranlage ist weitläufiger, es gibt «Beschäftigungskästen» und Trommelfelsen. Diese sind mit einem Blech versehen, damit die Männchen richtig lautstark auf sich aufmerksam machen können. Vor dem neuen Wasserfall hätten sich die Affen zu Beginn gefürchtet, nun fänden vor allem die jüngeren Mitglieder der Gruppe Gefallen daran. «Sie finden es spannend, oben Dinge hineinzuwerfen und unten wieder herauszufischen.» Eine Abkühlung suchen sie im Wasser hingegen nicht, wenngleich die Hitze der vergangenen Wochen auch ihnen zu schaffen gemacht hat. «Schimpansen werden nicht gerne nass», sagt Karin Federer. Plötzlich stimmen die Schimpansen ein Gebrüll an. Sie haben die beiden Pfleger erspäht, die Gelten mit Obst und Gemüse herbeitragen. Dann herrscht einen Moment lang andächtige Ruhe, während die Affen auf dem Klettergerüst oder auf der Steinmauer hocken und Zitronen, Karotten und mehr fressen.

Neuer Elektrozaun

Aufregung kommt wieder auf, als ein junger Schimpanse durch die Glasscheibe den Familienhund von Zoobesuchern erspäht. Laut kreischend rennt er auf die Scheibe los und hämmert dagegen, der Hund bellt zurück. Neuerdings krönen elektrische Zäune die Wände der Anlage. «Im Gegensatz zu den alten Betonwänden haben die neuen Mauern mehr Struktur. Die Affen könnten daran hochklettern», sagt Karin Federer. Das will man mit allen Mitteln verhindern, denn die Schimpansen sind die gefährlichsten Tiere überhaupt im Walter-Zoo: Sie sind intelligent und dem Menschen kräftemässig überlegen. Und etwa im Gegensatz zu Tigern sind sie sich dieser Überlegenheit bewusst.