«Seit je von China geträumt»

ENGELBURG. 50 Jahre Priester, ein Anlass zum Ausruhen? Nicht für Alois Osterwalder, der die aktuelle China-Ausstellung an der Uni Zürich geplant hat. China ist auch Thema am Gottesdienst zum Priesterjubiläum vom nächsten Sonntag in Engelburg.

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Alois Osterwalder, seit 50 Jahren Priester und um den Austausch mit Ostasien bemüht. (Bild: Hanspeter Schiess)

Alois Osterwalder, seit 50 Jahren Priester und um den Austausch mit Ostasien bemüht. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wie kommt ein junger Priester aus Engelburg dazu, im Jahre 1960 mit dem Studium der Sinologie (Chinakunde) zu beginnen? Dies zu einer Zeit, da China stramm kommunistisch und für viele ein rotes Tuch war. Alois Osterwalder hat dafür eine einfache Erklärung: «Ich habe schon als Kind China im Kopf gehabt, habe auch davon geträumt.» Da war bald schon der Entschluss gefasst, Missionar zu werden.

Alois Osterwalder besuchte das Gymnasium der Steyler Missionare in Rheineck und erinnert sich noch heute an den Besuch des chinesischen Kardinals Thomas Tian im Jahr 1949.

Brückenschlag mit Ostasien

Während des Theologiestudiums in St. Gabriel in Mödling bei Wien kamen weitere Begegnungen mit Asien hinzu. So mit einem japanischen Religionssoziologen.

Alois Osterwalder zeigt Bilder von seiner Primiz, vom Tag, an dem er in Engelburg die erste Messe feierte: Auf einem Bild ist sein japanischer Kollege zu sehen, der beim Einzug in die Kirche das Primizkreuz trägt. Noch auffallender dessen kleine Tochter, die, in einen prächtigen Kimono gekleidet, einen kunstvoll arrangierten Strauss in Händen trägt.

Solche Bilder haben Alois Osterwalder sein Leben lang begleitet. Seine ganze Arbeit war dem Brückenschlag mit Ostasien gewidmet, wissenschaftlich, seelsorgerisch, menschlich. Noch während der weiterführenden Studien in München und Bonn wurde er Lehrbeauftragter für chinesische Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Ab 1969 wirkte er als Geschäftsführer des Ostasien-Instituts in Bonn. Eine Aufgabe, die er bis 1998 versah; seit 2004 ist er dessen Präsident.

Ausstellung an der Uni Zürich

Seinen Wohnsitz hat Alois Osterwalder seit 1998 in Goldach. Von dort aus leistet er in verschiedenen Pfarreien aushilfsweise priesterliche Dienste. Doch sein Herzensanliegen ist der Austausch mit China geblieben.

Das schönste Geschenk zu seinem Dienstjubiläum hat er sich wohl selber gemacht. Am 24. Mai wurde im Lichthof der Universität Zürich die von ihm initiierte Ausstellung «Europa trifft China – China trifft Europa» eröffnet.

Sie blendet zurück in die ersten Kontakte mit dem riesigen Reich, wie sie durch die Jesuitenmissionare geknüpft wurden.

Die allerersten Europäer, portugiesische und spanische Händler, waren im 15. und 16. Jahrhundert noch mit tolpatschiger Gewalt aufgetreten, was China veranlasste, sich abzuschotten. Erst dem Jesuiten Matteo Ricci gelang es 1601, das Vertrauen des Kaisers wiederzugewinnen. Gefragt waren Mathematiker, Uhrmacher. Beides konnte der Orden liefern.

Und auch die Glaubenslehren wurden nicht missionarisch propagiert, sondern auf geschickte Weise dem chinesischen Kulturverständnis angepasst.

Die Ausstellung in Zürich nimmt Bezug auf das 400. Todesjahr von Mario Ricci, von dem die chinesischen Geschichtsbücher noch heute berichten, unter dem Namen von Li Madou. Bekannt geblieben ist auch der erste Schweizer China-Missionar, Nikolaus Fiva (1609–1640). Rund dreitausend chinesische Katholiken verehren ihn noch heute als Gründer ihrer Pfarrei.

Alois Osterwalder ist als einfacher Bauernbub in Engelburg aufgewachsen, auf einem kleinen Hof im Weiler Egelsrüti. Doch sein China-Traum hat eine weite Welt geöffnet. Nicht nur ihm. Wenn er nächsten Sonntag um 10.30 Uhr seinen Jubiläumsgottesdienst feiert, wird China ein Thema sein. Statt Geschenke bittet er um eine Gabe für einen chinesischen Priester, dem er das Doktorat in der Schweiz ermöglichen will.

Auf China zugehen

Beziehungen schaffen – dies sieht Alois Osterwalder als den aussichtsreichsten Weg. Man sollte China nicht von aussen als «Weltgewissen» gegenübertreten, sondern die gesellschaftlichen Kräfte im Innern stärken. Zu diesen gehört auch die Kirche. In diesen Dienst stellt er auch seine Jubiläumsfeier. (J. O.)

Sonntag, 27. Juni, 10.30 Uhr, katholische Kirche Engelburg

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