Sein Glück liegt im Ostblock

Peter Kobel ist ein «zäher» Einzelkämpfer – oft gescheitert und wieder aufgestanden. Ehemals parteilos, hat der 56-Jährige in der SVP eine politische Heimat gefunden. Sein Herz aber ist in der postsozialistischen Ukraine zu Hause.

Sarah Schmalz
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Peter Kobel sitzt seit Beginn der neuen Legislaturperiode für die SVP im St. Galler Stadtparlament. (Bild: Jonny Schai)

Peter Kobel sitzt seit Beginn der neuen Legislaturperiode für die SVP im St. Galler Stadtparlament. (Bild: Jonny Schai)

Peter Kobel hat seine Olga mitgebracht. Der Ukrainerin ist das etwas peinlich; das zumindest sagen ihre entschuldigenden Blicke und das beidhändige Umklammern der Kaffeetasse. Kobel hingegen ist im Café Mühlegg sichtlich stolz – auf seine hübsche Frau wie auf sich selbst. Denn Olgas Anwesenheit hält er für einen cleveren Schachzug gegen die Vorurteile der «linken Journalisten».

Ennet dem Gartenhag

Ausgerechnet einer wie er. Einer, der – Kobel sagt es flüsternd – «von euch doch als ultrarechts bezeichnet würde», ausgerechnet er habe eine Ausländerin geheiratet. Das müsse man doch auch einmal betonen, dass das bei der SVP überhaupt kein Problem sei. Er sei ja längst nicht der einzige mit einer ausländischen Frau. «An unseren Versammlungen sind sie immer herzlich willkommen. Und wir haben es lustig.»

Ennet dem SVP-Gartenhag, dort, wo die «Nutzniesser» wohnen, hört für Kobel der Spass mit den Einwanderern aber auf. Er habe einmal in einem «von Ausländern durchsetzten» Quartier gewohnt. Die hätten die Abfallsäcke jeweils fünf Tage lang vor der Haustür stehen lassen.

Dann will Kobel nicht mehr über Ausländer reden, sondern über das, was ihn in der Politik antreibt: «Der Kampf gegen immer mehr Regeln und Beschränkungen.» Die Heimat seiner Frau ist für den Politiker das beste Beispiel dafür, was solche bewirken: «Die Ukraine krankt noch immer am Sozialismus. Die Leute haben null Eigeninitiative und sind absolut unmotiviert.»

Höhen und Tiefen

Sich selbst schreibt er gegenteilige Attribute zu. Auf einem lustig mit Word-Bildchen illustrierten Kurzlebenslauf ist es rosa auf weiss zu lesen: Sportlich, beweglich und zäh. Belastbar, zielorientiert und willensstark. Stressresistent und emotional robust.

Kobel ist vor allem auf eines stolz: «Dass ich, wenn mir etwas nicht gepasst hat, immer wieder neue Wege eingeschlagen habe.» Vor zehn Jahren hat der 56-Jährige aufgegeben. Nach 20 Jahren Plackerei in der eigenen Schreinerei hatte er «kein Feuer mehr». Die neue Stelle als Filialleiter bei Jumbo gab er wegen des «absolut unfähigen Chefs» wieder auf. Nach dem erfolglosen Versuch, eine Agentur für Zahnbehandlungs-Reisen in die Ukraine zu etablieren, ist er heute als Freelancer für die Baufirma Kaufmann Oberholzer tätig.

Auch Koblers politische Karriere hatte Höhen und Tiefen. Während 12 Jahren sass er als Parteiloser im Gemeinderat des thurgauischen Andwil. Seine Kandidatur für das Amt des Gemeindepräsidenten sei dann an den politischen Allianzen seiner Gegner gescheitert.

Bei der zweiten Wahl geerbt

Zehn Jahre lang hat sich Kobel aus der Politik verabschiedet, bevor er sich nach seinem Umzug nach St. Gallen der städtischen SVP anschloss. Ihm sei bewusst gewesen, dass er in diesem Umfeld als Parteiloser keine Chance habe. Bei seiner zweiten Kandidatur für das Stadtparlament hat's geklappt: Kobel erbte als erster Ersatzkandidat den Sitz von Karl Eckstein, der wegen seinem Wegzug aufs Amt verzichten musste.

Kobel wendet sich auf Russisch an seine Frau. Klar, habe er die Sprache gelernt, sagt er. Der Ostblock, insbesondere die Ukraine, fasziniere ihn, seit er im Militär das Kriegsdrama «Die unsichtbare Flagge» gelesen habe. Erstmals dorthin aufgebrochen ist Kobel nach der Scheidung von seiner ersten Frau – mit einem schweren Töff. Schon bei dieser ersten Reise habe er einige Frauen angepeilt – «über eine Agentur. Der Markt ist im Ostblock ja gross.»