"Sehr tragisch und bedauerlich"

ST.GALLEN. Am Mittwoch hat sich in der Strafanstalt Saxerriet ein Mann erhängt. Joe Keel, Leiter des Amts für Justizvollzug, sagt: "Auch uns gelingt es nicht immer, rechtzeitig in jeden Winkel der menschlichen Seele zu schauen."

Daniel Walt
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Blick auf die Strafanstalt Saxerriet, wo sich der Suizid ereignete. (Bild: Benjamin Manser)

Blick auf die Strafanstalt Saxerriet, wo sich der Suizid ereignete. (Bild: Benjamin Manser)

"Das ist ist sehr tragisch und bedauerlich", sagt Joe Keel, Leiter des Amts für Justizvollzug beim Kanton St.Gallen. Binnen eines Monats haben sich in einem Gefängnis beziehungsweise einer Strafanstalt des Kantons St.Gallen nun zwei Menschen das Leben genommen. Vor rund einem Monat war im Gefängnis St.Gallen ein 19-jähriger freiwillig aus dem Leben geschieden. Nun wurde am Mittwochmittag in der Strafanstalt Saxerriet ein 55-jähriger Schweizer tot in seinem Zimmer aufgefunden. Er hatte seit dem 6. November zahlreiche kürzere Freiheitsstrafen verbüsst, namentlich wegen Vermögensdelikten und Körperverletzung.

Nicht zum Essen erschienen
Wie Joe Keel gegenüber Tagblatt Online sagt, ging der 55-jährige Mann nach der morgendlichen Kontrolle zur Zentrale der Strafanstalt, um dort unter Aufsicht Medikamente einzunehmen. Dann begab er sich zurück aufs Zimmer. Nachdem der Mann dann nicht zum Mittagessen im Speisesaal erschienen war, entdeckten ihn Angestellte erhängt in seinem Zimmer. Trotz sofortiger Reanimation konnte der 55-Jährige nicht mehr gerettet werden.

Hinweise auf eine Dritteinwirkung bestehen laut der St.Galler Kantonspolizei nicht. Ebenso habe es keine Anzeichen gegeben, dass sich der Mann allenfalls das Leben nehmen könnte, sagt Joe Keel. "Ansonsten hätte man einen Arzt beigezogen oder ihn bei einer akuten Gefährdung in die Psychiatrie eingewiesen."

Vorwürfe von Angehörigen
Auch beim Mann, der vor rund einem Monat im Gefängnis St.Gallen Suizid beging, handelte es sich um einen Schweizer. Er erhängte sich laut Polizeiangaben mit seinem Pullover. Der junge Mann hatte eine Strafe von 45 Tagen abzusitzen wegen Vermögensdelikten und nicht bezahlter Bussen. Die Polizei teilte damals mit, es habe keine Hinweis auf eine Suizidgefährdung des Mannes gegeben. Dem widersprachen Angehörige des Verstorbenen: Sie hielten gegenüber "20 Minuten" fest, der Mann sei psychisch instabil gewesen und habe einem Wärter gar gesagt, er werde sich aufhängen. Verwandte und Freunde des Verstorbenen führten in der Folge einen Gedenkmarsch durch. Die Untersuchung in diesem Fall läuft laut Natalie Häusler, Medienbeauftragte der St.Galler Staatsanwaltschaft, noch.

Was sagt Joe Keel dazu, dass sich binnen Monatsfrist nun zwei Menschen in einem Gefängnis beziehungsweise einer Strafanstalt im Kanton St.Gallen das Leben genommen haben? "Wir stellen fest, dass es solche Häufungen geben kann. Sie sind aber oftmals rein zufällig", hält er fest. So datiere der letzte Suizid in der Strafanstalt Saxerriet beispielsweise von Anfang 2011.

"Gelingt uns nicht immer"
Generell lassen sich die beiden Fälle laut Joe Keel nicht vergleichen. Besondere Massnahmen drängen sich aus seiner Sicht nicht auf: "Wir versuchen im Tagesgeschäft immer, möglichst nahe an die Insassen heranzukommen – teils mit Psychiatern und Seelsorgern. So wie allen anderen gelingt es aber auch uns nicht, immer rechtzeitig in jeden Winkel der menschlichen Seele zu schauen", sagt Keel. Auch im jüngsten Suizidfall wurde nun eine Untersuchung eingeleitet. Sollte sie ergeben, dass man Dinge besser machen könne, werde man dies selbstverständlich tun, sagt Keel.