Sehr, sehr mutige Polizisten

«YB-Fans zertrümmern WC», 6.5.2013, und «FCSG-Fans randalierten in Luzern», 10.5.2013 Zwei Jugendliche, eine Schülerin und eine Lehrtochter, sind von der Stadtpolizei St. Gallen vor dem Match St. Gallen gegen YB vor der AFG Arena mit je 20 Franken gebüsst worden.

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«YB-Fans zertrümmern WC», 6.5.2013, und «FCSG-Fans randalierten in Luzern», 10.5.2013

Zwei Jugendliche, eine Schülerin und eine Lehrtochter, sind von der Stadtpolizei St. Gallen vor dem Match St. Gallen gegen YB vor der AFG Arena mit je 20 Franken gebüsst worden. Ihr Vergehen: Überqueren der Strasse bei Rotlicht. Die beiden Jugendlichen waren allerdings in einem ganzen Pulk von Matchbesuchern unterwegs, die alle so schnell wie möglich das Stadion erreichen wollten. Sie wurden dann von einer ganz mutigen Polizistin aus der Menge herausgezupft und gebüsst. Während sie die Bussenzettel ausfüllte, überquerten Dutzende anderer Matchbesucher unbehelligt die Strasse – obwohl das Lichtsignal auch auf Rot stand.

Wo bleibt da die Verhältnismässigkeit? Und das Fingerspitzengefühl? Damit wir uns richtig verstehen: Selbstverständlich sollen Kinder und Jugendliche dazu angehalten werden, die Verkehrssignale zu beachten und sich an Regeln zu halten, sonst haben sie eben die Konsequenzen zu tragen. Aber hier wäre es wohl sinnvoller gewesen, die Polizistin hätte während der kritischen Zeit, in der viele Matchbesucher über die Strasse drängten, die Aufgabe der Verkehrsregelung von der Ampel übernommen, statt selektiv Bussen zu verteilen.

Aber zurück zur Verhältnismässigkeit: Am Montag nach dem YB-Spiel lasen wir in Schweizer Zeitungen von randalierenden und die WC-Anlagen zertrümmernden YB-Fans, von Pyros in beiden «Fan»-Sektoren. Und jede Woche müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass «Fans» SBB-Waggons zertrümmern und bei FCSG-Heimspielen in Winkelns Vorgärten urinieren. Nach dem Spiel gegen Luzern musste die dortige Polizei wieder gegen gewalttätige St. Galler «Fans» einschreiten, die mutwillig Busse beschädigten und sich mit der Polizei auf tätliche Auseinandersetzungen einliessen.

Und angesichts all dieser Probleme hat unsere Stadtpolizei vor einem Fussballmatch wirklich nichts anderes zu tun, als harmlose junge Frauen aus einer Menge herauszupicken und wegen eines Vergehens an einem Rotlicht zu büssen. Da wünsche ich mir ganz definitiv mehr Verhältnismässigkeit und vor allem konsequentes Handeln gegenüber gewalttätigen Matchbesuchern. Die Polizei soll sich bitte auch dort so heldenhaft konsequent einsetzen, wo die friedlichen Matchbesucher wirklich in Gefahr sind. Der sich alles in allem korrekt verhaltende Bürger wird gnadenlos und unerbittlich für jedes harmlose Vergehen zur Kasse gebeten. Dies, obwohl er anderseits auch noch mit seinen Steuergeldern für das wiederkehrende zerstörerische Verhalten von verantwortungslosen Chaoten zahlen darf.

Henri Koller

Auwiesenstrasse 58a, 9030 Abtwil