«Sehr erfreut über diesen Entscheid»

Nationalrätin und Geologin Kathy Riklin (CVP/ZH) äussert sich über den Beschluss des St. Galler Stadtrates und die Bedeutung der Geothermie in der neuen Energiestrategie des Bundes.

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Kathy Riklin Präsidentin Schweizerische Vereinigung für Geothermie (Bild: Quelle)

Kathy Riklin Präsidentin Schweizerische Vereinigung für Geothermie (Bild: Quelle)

Frau Riklin, der St. Galler Stadtrat hat sich entschieden, das Geothermieprojekt fortzusetzen. Ihr Kommentar?

Kathy Riklin: Ich bin sehr erfreut über diesen Entscheid. Er war sicher nicht einfach zu fällen. Man hatte ja einen Rückschlag, aber deshalb darf man auch meiner Meinung nach das Projekt nun nicht einfach abbrechen. Das sieht offensichtlich auch der St. Galler Stadtrat so. Es wäre jammerschade um das investierte Geld und um die erzielten Erkenntnisse. Es besteht ja in St. Gallen die reelle Chance, dass man das erhoffte heisse Wasser findet und das Geothermiekraftwerk wie geplant betreiben kann.

Und was sagen Sie jenen Leuten, die sich Sorgen machen wegen neuer Erdstösse?

Riklin: Diese Sorgen muss man ernst nehmen. Ein solches Projekt kann kleinere Erdstösse auslösen. Aber wenn die Bohrung einmal abgeschlossen ist und das Kraftwerk normal arbeitet, sind eigentlich keine Erdstösse mehr zu erwarten. Das zeigt sich bei anderen Projekten, wo bereits Energie gewonnen wird.

Es gibt Kritiker, die sagen, Geothermie sei ja schon gut, aber eben dezentral – mit einer Erdsonde pro Haus. Grossprojekten mit Tiefbohrungen erteilen sie eine Absage. Was entgegnen Sie?

Riklin: Diese dezentralen Projekte zur Wärmegewinnung sind sehr sinnvoll und auch bereits sehr erfolgreich. Das ist ein Geschäftsmodell, das bereits etabliert ist. Im Bereich der Tiefengeothermie stehen wir erst am Anfang, wir brauchen Pilotprojekte. Die Geothermie ist ein wichtiger Baustein für die Stromproduktion in der neuen Energiestrategie des Bundes. Es ist deshalb gut, dass wir das Projekt St. Gallen weiterführen.

Weshalb sollen wir auf Geothermie setzen?

Riklin: Die Geothermie liefert einheimische Energie; sie verursacht praktisch kein CO2, sie steht 24 Stunden pro Tag an 365 Tagen pro Jahr zur Verfügung. Sie ist die ideale Energie für Bandenergie, die wir dringend brauchen. Weiter sind für die Nutzung der Geothermie sehr wenige Anlagen an der Oberfläche nötig.

Mit Geothermie hat man wenig Erfahrung. Wäre es nicht sinnvoller, erst einmal abseits von Städten Erfahrungen zu sammeln?

Riklin: St. Gallen hat ein Projekt begonnen, und es soll nun auch fortgesetzt werden. Aber um weitere Erfahrungen zu sammeln, wäre es sicher sinnvoll, auch ausserhalb der dichtbesiedelten Gebiete solche Bohrungen zu machen. Das ist so.

Die Geothermie ist auch im eidgenössischen Parlament ein Thema. Wird der St. Galler Entscheid dieses beeinflussen, wenn es darum geht, nationale Leitplanken für die Geothermie zu schaffen?

Riklin: Man wird das St. Galler Projekt sicher ganz genau anschauen. Wenn es nun abgebrochen worden wäre, hätte dies sicher die Aufgleisung weiterer Projekte erschwert. Nun stehen sowohl St. Gallen und auch der Bund zu dieser Energiegewinnung. Das Parlament wird diese Zeichen sicher positiv aufnehmen. Interview: Richard Clavadetscher