Segen für Feld und Garten

WALDKIRCH. Flursegnungen haben in Waldkirch eine langjährige Tradition. Im Beisein von zwei Dutzend Gläubigen erbat Diakon Henryk Kadlubowski am Freitagabend im Weiler Leh Gottes Schutz und Segen für die Natur.

Gisela Tobler
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Diakon Henryk Kadlubowski segnet im Waldkircher Leh zum Schutz vor Unheil aller Art. (Bild: Urs Bucher)

Diakon Henryk Kadlubowski segnet im Waldkircher Leh zum Schutz vor Unheil aller Art. (Bild: Urs Bucher)

«Gottes Gnade ist über Leh», freut sich Diakon Henryk Kadlubowski und blinzelt in die strahlende Abendsonne, nachdem sich die Regenwolken am Freitagabend rechtzeitig verzogen haben. Über zwanzig Gläubige sind zur Flursegnung im Weiler Leh gekommen, lauter fröhliche und gut gelaunte Menschen, meist aus der Nachbarschaft. Auch neue Gesichter werden in ihrer Mitte herzlich willkommen geheissen. Mesmerin Rita Föhn hat für die Zeremonie das reich verzierte und mit Reliquien bestückte Wettersegenskreuz sowie Salz und Wasser mitgebracht.

«Flursegnungen machen uns die Natur als Gottes Schöpfung bewusst und anerkennen ihn als Herrn der Welt», erklärt der Diakon in seinen einführenden Worten, «wir erbitten den Segen für Felder, Gärten, Tiere und Menschen zum Schutz vor Unheil aller Art». Zugleich bedanke man sich für die Früchte der Erde und erneuere Gottes Besitzanspruch auf alles, was wir haben. Nach einem gemeinsamen Lied werden Salz und Wasser gesegnet und letzteres mit dem Wedel in alle Himmelsrichtungen verteilt. Alsdann folgt das Ritual mit dem Wettersegenskreuz, das jeweils von Ostern bis zum Erntedankfest auch im Sonntagsgottesdienst verwendet wird.

Gemütliches Beisammensein

Nach dem Vaterunser, einem weiteren Gebet und dem Schlusslied ist die Andacht nach rund zwanzig Minuten zu Ende. Die Tradition will es, dass man sich aber noch nicht auf den Heimweg macht, sondern den Abend bei gemütlichem Beisammensein ausklingen lässt. Im Leh haben Jacqueline und Kurt Schnider einen kleinen Imbiss unter ihrem Scheunendach vorbereitet, wo man an diesem lauen Frühlingsabend gerne verweilt.

Alte Bürgerpflicht

Die Flursegnung entstand in jener Zeit, als es noch zur Bürgerpflicht gehörte, regelmässig zu kontrollieren, ob sich die Grenzsteine auch alle noch am richtigen Ort befanden und nicht etwa von Nachbarn mutwillig verschoben worden waren. Gleichzeitig führte der Dorfpfarrer eine Flursegnung durch. Mit der Einführung der modernen Vermessung verlor der Brauch an Bedeutung oder ging vielerorts ganz verloren.

Gut besuchte Tradition

In Waldkirch wurde die Tradition vor gut zwanzig Jahren von Pfarrer Paul Brunschwiler wiederbelebt und von Henryk Kadlubowski weitergeführt. Seither finden jeweils zwischen Anfang Mai und Anfang Juni sieben bis acht Flursegnungen statt, die stets gut besucht werden. Tatkräftige Unterstützung leisten dabei die Mitglieder des christlichen Bauernbundes, die auf Waldkircher Gemeindegebiet die insgesamt 25 Bildstöcke und Wegkreuze unterhalten. Alljährlich wird eines renoviert und jeweils am Pfingstsonntag eingeweiht.

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