Sechs Jungpolitiker für Bern

«Jung! Engagiert! Bereit für Bern!» Unter diesem Titel haben am Donnerstagabend junge Kandidierende für den Nationalrat über Migrationspolitik, Mobilität und Verkehr sowie die Bildungslandschaft Schweiz diskutiert.

Margrith Widmer
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Schlepper bekämpfen, vor Ort helfen, flüchtenden Menschen eine Chance und Schutz geben: So weit waren sich am Donnerstagabend im Festsaal St. Katharinen die bei den Nationalratswahlen am 18. Oktober antretenden Jungpolitiker Sarah Bösch (die heute parteilose Ex-SVPlerin tritt für die Nationalratswahlen mit einer eigenen Liste an), Dominik Dietrich (SP), Basil Oberholzer (Junge Grüne), Andreas Burkhard (Jung-CVP), Thomas Blank (Jung-FDP) und Mike Egger (Jung-SVP) einig. Ab diesem Punkt war dann aber Schluss mit der «Kuscheldiskussion».

Flüchtlingen vor Ort helfen

Basil Oberholzer kritisierte die Abschaffung der Möglichkeit, auf einer Schweizer Botschaft im Ausland Asyl zu beantragen. Davon hätten nur Privilegierte profitiert, konterte Mike Egger. Es müssten andere Lösungen gefunden werden: Man müsse vermehrt vor Ort helfen.

Andreas Burkhard wies auf die chaotischen Zustände in Flüchtlingslagern hin. Und darauf, dass Warlords angeblich rund 50 Prozent der Spendengelder des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) kassieren.

Dominik Dietrich gab zu bedenken, wer die Krisen mitverursacht habe, die zu Fluchtbewegungen führten: Die EU sei da nicht unschuldig. Er wehrte sich gegen ein Aufnahmesystem für Flüchtlinge mit Quoten. Thomas Blank bestand auf einem Verteilschlüssel.

Zu lange Verfahren

Die Flüchtenden seien «geistiges Eigentum» der Herkunftsländer, stellte Sarah Bösch fest. Sie seien schliesslich dort ausgebildet worden. Hilfsgelder verschwänden in «mafiösen Strukturen». Entwicklungshilfe nützt laut Mike Egger nichts: «Man muss umdenken.» Der Jung-SVPler kritisierte die Dauer der Asylverfahren in der Schweiz: «Zwei Jahre sind einfach zu lang.» «Man kann es niemandem recht machen. Entweder nehmen die Asylbewerber den Schweizern den Job weg oder sie lungern herum», kritisierte Oberholzer rechtsbürgerliche Parolen zur Asylpolitik. Diese Menschen hätten Albträume – und tagein, tagaus nichts zu tun: «Das zerstört sie. Nach fünf Jahren sind sie Langzeitarbeitslose; es ist ein Gebot der Humanität, ihnen Arbeit zu geben.»

Mehr Strassen, mehr Verkehr

Für eine «möglichst schnelle Durchfahrt mit weniger Abgasen» machte sich Mike Egger in der Verkehrspolitik stark: «Beide Gotthardröhren öffnen», verlangte er kategorisch. Basil Oberholzer gab zu bedenken: «Mehr Strassen bringen mehr Verkehr.» In den 1970er-Jahren seien noch wesentlich mehr Güter auf Schienen befördert worden als heute. Eine nachhaltige Verkehrspolitik werde durch den ständigen Strassenausbau unterlaufen. Flaschenhälse seien nun einmal nötig. 50 Prozent unseres Verkehrsaufkommen seien sowieso Freizeitverkehr. Andreas Burkhard störte sich an den hohen Preisen für den öffentlichen Verkehr. Zweistöckige Verkehrsführungen an neuralgischen Punkten könnten ein Verkehrschaos verhindern.

«Führungspersonen»

Sarah Bösch sprach sich dezidiert gegen den viel diskutierten Lehrplan 21 aus: Kinder bräuchten «Führungspersonen». Assistenten brächten nur «Unruhe» in die Klassen. Der Staat mische sich immer mehr ein und verordne den Kindern allerlei Therapien. Es werde immer «von oben befohlen». Lehrer seien keine Akademiker. Und: Bösch lehnt die Bologna-Reform für die Universitäten ab.

Wissen durch Kompetenz zu ersetzen, sei eine Mode-Erscheinung, sagte Basil Oberholzer. Ob es besser sei, ein Kind finde statt durch Unterricht mit irgendeiner App heraus, dass Vaduz näher bei Bern liege als Petersburg, sei fraglich: «Ich fände es besser, es wüsste das.»

Wer mit wem?

Zum Schluss wollte Moderator Luca Ghiselli wissen, wer am liebsten mit wem nach Bern wolle. Die Wunschpaarungen: Der Grüne Basil Oberholzer möchte am liebsten mit Gewerkschafter Dominik Dietrich und umgekehrt. Jung-SVPler Egger war begehrt: Jung-CVPler Burkhard, Jung-FDPler Blank wie die Parteilose Bösch möchten mit ihm nach Bern. Mike Eggers Sympathien liegen bei Blank.