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Schwimm-Manko bei Kindern

Sonnentage ziehen Menschen in Massen an das Bodenseeufer, Bademeister haben jetzt wieder alle Hände voll zu tun. Kinder werden in der Schule auf die Gefahren des Wassers vorbereitet – aber nicht genug, bemängeln Bademeister.
Alessia Pagani
Kinder in der Bodenseeregion sollten sich früh an das Wasser gewöhnen. In der Schule erhalten die Primarschüler Schwimmunterricht. (Bild: Rudolf Hirtl)

Kinder in der Bodenseeregion sollten sich früh an das Wasser gewöhnen. In der Schule erhalten die Primarschüler Schwimmunterricht. (Bild: Rudolf Hirtl)

REGION AM SEE. Kinder können heute nicht mehr richtig gut schwimmen. Diesen Satz bekommt man immer wieder zu hören. «Stimmt», sagt Roman Niedermann, Bademeister im Rorschacher Strandbad. Sein Kollege von der Badi Goldach geht noch einen Schritt weiter: «Etwa 90 Prozent der ausländischen Kinder können nicht mehr richtig schwimmen», so Christian Schmuki. Auch zugezogene Kinder seien weniger gute Schwimmer. «Gefährlich wird es vor allem, wenn auswärtige Schulklassen unsere Badi besuchen», sagt Schmuki, der sich in den Wintermonaten um die Sicherheit der Gäste im Säntispark-Bad kümmert. Einen Grund sieht er in der geographischen Lage: «Die Goldacher Jugend schwimmt gut. Sie haben die Möglichkeit zu schwimmen.» Stefan Bolt, Schulsekretär in Rorschach, sagt: «Ich persönlich stelle fest, dass Kinder je länger je weniger einen angemessenen Zugang zum Wasser besitzen, Seestadt hin oder her.»

Kein «Schnellscht Goldacher»

Ein möglicher Grund für die abnehmenden Fähigkeiten sieht Bademeister Schmuki bei den Lehrpersonen. So sei deren Motivation kleiner als noch vor einigen Jahren. Dies zeige schon die Tatsache, dass der beliebte Sportevent «Der schnellste Goldacher» heuer nicht stattfinde. «Das Interesse wäre aber da», sagt Schmuki. Goldachs Schulsekretär Stefan Sieber: «Dass <Der schnellste Goldacher> nicht stattfindet, hat in der Bevölkerung Unverständnis ausgelöst.» Das Ziel sei, die Veranstaltung im kommenden Jahr wieder durchzuführen.

Wie Alexander Kummer vom Amt für Volksschule des Kantons St. Gallen sagt, unterliegt der Sportunterricht an Schulen dem kantonalen Lehrplan. Dieser ist verpflichtend und enthält obligatorisch zu erreichende Ziele zum Bereich Schwimmen. «Grundsätzlich sind drei Lektionen Sport vorgeschrieben. Normalerweise wird dies in zwei Lektionen Turnen und eine Lektion Schwimmen aufgeteilt», sagt Kummer. Die Umsetzung, ob und wann die Lehrer mit ihrer Klasse jedoch ein Schwimmbad besuchen, ist nicht abschliessend geregelt. Die Lehrpersonen müssen lediglich das Erreichen der kantonalen Ziele gewährleisten. Gemäss Sieber gilt als Minimalziel der Wassersicherheitstest (WSC), welcher gemäss kantonaler Richtlinie im Idealfall bis Ende 3. Klasse erreicht werden muss.

Eine Minute über Wasser halten

Konkret wird verlangt, dass die Schüler eine Rolle vorwärts vom Beckenrand machen, sich eine Minute über Wasser halten und ohne Hilfsmittel selbständig 50 Meter schwimmen können. Wer den Test Ende 4. Klasse nicht besteht, muss in Goldach zu einem Nachschwimmen. Dort ist für die 3.- und 4.-Klässler der Schwimmunterricht während eines Quartals im Hallenbad Blumenwies in St. Gallen obligatorisch, für die 5. und 6. Klasse wird er empfohlen. Im Schwimmkonzept der Gemeinde Goldach steht explizit geschrieben, dass es wünschenswert ist, wenn «zusätzlich zu den Hallenbadbesuchen Schwimmunterricht im Freibad betrieben wird, um die Schwimmkenntnisse zu vertiefen. Sieber sieht kein Problem im Bezug auf die Schwimmfähigkeiten der Kinder. Und auch in Rorschach, wo zusätzlich zu den Bemühungen im Unterricht ein einwöchiger Schwimmkurs angeboten wird, will man die Worte «schlechte Schwimmer» nicht in den Mund nehmen, sondern spricht von einem zusätzlichen freiwilligen Angebot, welches auch als Förderangebot für den WSC-Nachtest genutzt wird.

Becken nicht gleich See

In Bezug auf das Schwimmen in der Region ist etwas wesentlich: «See ist nicht gleich Becken», sagt Bademeister Schmuki. Häufig würden im See Distanzen unter- und die eigenen Fähigkeiten überschätzt, zudem seien am Beckenrand immer auch Eltern anwesend, die die Kinder im Auge behalten. «Der See ist für Schwimmer. Sich als Nichtschwimmer auf aufblasbare Schwimmsachen zu verlassen, ist gefährlich», pflichtet Remo Pfändler, Leiter Seerettung Rorschach, bei.

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