Schweizermacher auf Tour

Wie wird man Schweizer? Was verlangt das neue Bürgerrechtsgesetz? – Ein St. Galler Informationsabend klärt auf. Er soll auch an weiteren Orten stattfinden.

Julia Nehmiz
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ST. GALLEN. Fast zwei Stunden erläuterten Fachkräfte am Montagabend detailliert die Grundsätze und Neuerungen des St. Galler Einbürgerungsgesetzes, welches nach jahrelangem Ringen von Kantonsrat und Regierung zum 1. Januar 2011 in Kraft trat.

Zum Schluss ging das Mikrophon ans internationale Publikum im übervollen Katharinensaal. Vieles war trotz ausführlicher PowerPoint-Präsentation offen geblieben. «Kann man das Verfahren beschleunigen?» – «Was ist, wenn sich die Eltern einbürgern lassen wollen, der 15jährige Sohn aber nicht?» – «Kann mir das Bürgerrecht wieder entzogen werden?» – Das Publikum bestand überwiegend aus «Betroffenen».

Unklarheiten und Verwirrung

Mitorganisator Antonio Donno, Präsident des Dachverbandes St. Galler Migrantenorganisationen, ist glücklich: «Es ist schön, dass aufgrund des Informationsbedürfnisses der Migrantinnen und Migranten dieser wichtige Anlass durchgeführt wird.» Seit Einführung des neuen Bürgerrechtsgesetzes hätten Unklarheiten zur neuen Handhabe des Kantons für Verwirrung gesorgt.

Silvia Maag von der regionalen Fachstelle Arge Integration Ostschweiz hatte das geballte St. Galler Einbürgerungsfachwissen auf dem Podium versammelt: Neben dem Leiter des Amts für Bürgerrecht und Zivilstand, Heinz Walser, erklärten fünf Integrations- und Einbürgerungsexperten, wie man im Kanton und explizit in den drei Stadtsanktgaller Ortsbürgergemeinden Schweizer werden kann.

Wohnsitzfristen

Grundvoraussetzungen sind die Aufenthaltsbewilligung C und der Wohnsitz: zwölf Jahre in der Schweiz, davon acht Jahre im Kanton, die letzten vier Jahre ununterbrochen in derselben Gemeinde.

Laut Heinz Walser eine der längsten Wohnsitzfristen der Schweiz. Der Nachbarkanton Thurgau verlangt nur sechs Jahre Wohnsitz im Kanton und drei Jahre in der Gemeinde, Appenzell Innerrhoden fünf Jahre im Kanton und zwei Jahre in der Gemeinde. Neu wird im Kanton St. Gallen die Eignung überprüft: Ist der Antragsteller integriert? Mit den schweizerischen Sitten und Gebräuchen vertraut? Kennt sich die Antragstellerin mit den örtlichen Gegebenheiten aus? Kann sie politische Persönlichkeiten benennen?

Die Experten erklärten, wann und wie Antragstellende sich um die zahlreichen Formulare und Bescheinigungen kümmern müssen. Das komplette Einbürgerungsverfahren dauere eineinhalb bis zwei Jahre.

Mangelhafte Statistiken

Die Auswirkungen des neuen Gesetzes seien noch nicht sichtbar, diese könne man erst nach zwei Jahren Anwendung abschätzen. Zudem fehlten konkrete Zahlen, über die Anzahl abgelehnter Gesuche werden keine Statistiken geführt.

Die Veranstaltung war ein Erfolg, wie die abschliessende Fragerunde zeigte. Sie soll deshalb im ganzen Kanton durchgeführt werden. Stationen sind Wil, Altstätten, Buchs und Uznach.

www.integration.sg.ch

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