Schweizer Demokraten machen Pause

Die Schweizer Demokraten (SD) des Wahlkreises St. Gallen beteiligen sich zum ersten Mal seit gut zwei Jahrzehnten nicht an den kantonalen Wahlen, die am 28. Februar stattfinden. SD-Präsident Roland Uhler sagt, was die Gründe sind für den einmaligen Verzicht.

Daniel Wirth
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Roland Uhler Präsident der SD von Stadt und Kanton St. Gallen (Bild: pd)

Roland Uhler Präsident der SD von Stadt und Kanton St. Gallen (Bild: pd)

Herr Uhler, die Schweizer Demokraten glänzen im Wahlkreis St. Gallen bei den Kantonsratswahlen am 28. Februar durch Abwesenheit. Das überrascht etwas. Fehlt es der SD an politischem Personal?

Roland Uhler: Nein. Wir sind bei den Nationalratswahlen im Oktober vergangenen Jahres ja noch mit einer Viererliste angetreten. Meine Parteifreunde und ich waren eigentlich wieder bereit und motiviert, dennoch entschieden wir uns, zu verzichten.

Warum dieser Verzicht?

Uhler: Wir wollen einfach niemanden verheizen. Sehen Sie: Ein erfolgreicher Wahlkampf kostet verhältnismässig viel Geld. Unsere Wahlkampfkasse ist nicht so gut geäufnet wie diejenigen der grossen Parteien. Aus diesem Grund legen wir Schweizer Demokraten eine Pause ein.

Weshalb fehlt der SD das Geld?

Uhler: Wir sind eine Partei der Büezer: Im Herbst bei den eidgenössischen Wahlen standen auf der SD-Liste die Namen eines Bäckers, eines Käsers, eines Kochs und eines Maschinenoperateurs. Wir würden gerne mehr Geld einsetzen im Wahlkampf; aber es fehlt uns schlicht.

Wie lange dauert die Pause Ihrer Partei, bis zum Herbst dieses Jahres?

Uhler: Genau so planen wir das. Bei den Gesamterneuerungswahlen ins St. Galler Stadtparlament am 25. September dieses Jahres greift die SD wieder an mit dem klaren Ziel, wieder einen Sitz im Stadtparlament zu holen.

Treten die Schweizer Demokraten im September dieses Jahres mit der gleichen Mannschaft an wie bei den eidgenössischen Wahlen 2015?

Uhler: Das kann ich heute noch nicht sagen. Es wird aber wohl noch der eine oder andere Kandidat oder die eine oder andere Kandidatin hinzukommen.

Die Schweizer Demokraten waren mit Ihrer Person von 1992 bis 2000 im Stadtparlament vertreten, seither nicht mehr. Das Ziel eines Sitzgewinnes ist ein sehr hohes.

Uhler: Aber keines, das unerreichbar ist. Ich hoffe, dass wir dann auch mit etwas Geld in der Wahlkampfkasse auf uns aufmerksam machen und Wählerinnen und Wähler für unsere Anliegen gewinnen können.

«Schweizer Demokraten – für Volk und Heimat, Schwiizer zerscht»: so lautete die Listenbezeichnung bei den Nationalratswahlen. Wird die Liste der SD bei den Stadtparlamentswahlen exakt gleich betitelt?

Uhler: Obschon ich Präsident der Stadt- und der Kantonalpartei der Schweizer Demokraten bin, entscheide ich das nicht alleine. Wir werden uns darüber Gedanken machen müssen.

Woran liegt es, dass die SD seit 16 Jahren nicht mehr im Stadtparlament vertreten ist? Kennen Sie die Gründe, warum Ihre Partei bei den kommunalen Wahlen 2012, 2008, 2004 und 2000 nicht reüssiert hat?

Uhler: Als ich vor 30 Jahren meine politische Laufbahn begann, hatte die SVP etwa den gleichen Wähleranteil wie die Schweizer Demokraten heute. Der Aufschwung der SVP hat uns viele Wählerinnen und Wähler gekostet. Wir müssen vermitteln, dass wir die Partei des kleinen Mannes sind und auch sozial denken.

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