Schweizer Brot im Gepäck

Die 15jährige Orientierungsläuferin Eliane Deininger startet dieses Wochenende zum zweiten Mal an der Jugend-EM. Um sich in Rumänien zurechtzufinden, hat sich die St. Gallerin in der Vorbereitung nicht nur mit dem Gelände befasst.

Raya Badraun
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Eliane Deininger ist vor dem Grossanlass in Rumänien kaum nervös. Dies ist eine ihrer Stärken. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eliane Deininger ist vor dem Grossanlass in Rumänien kaum nervös. Dies ist eine ihrer Stärken. (Bild: Hanspeter Schiess)

ORIENTIERUNGSLAUF. Eliane Deininger war noch nie in Cluj. Trotzdem kennt sie die zweitgrösste Stadt von Rumänien überraschend gut. Dort findet ab heute die Jugend-EM statt. Um an diesem Anlass triumphieren zu können, reicht es nicht, einfach nur zu trainieren. Es braucht mehr. In einem Vorbereitungswochenende haben die Schweizer Nachwuchsathleten deshalb das fremde Land studiert, vom Essen bis zu den Tieren. «Es ist schön, dass wir dank dem Orientierungslauf an so viele verschiedene Orte reisen können», sagt Deininger. Überall entdeckt die 15jährige St. Gallerin Neues, auch in Cluj. So fand sie Bilder vom Wettkampfgelände, auf denen sich Büffel in einem kleinen See abkühlten. «Vielleicht gibt es auch freilaufende Hunde, wie vor einem Jahr in Mazedonien», sagt Deininger. Angst hat sie vor ihnen nicht. An der vergangenen Jugend-EM lagen diese friedlich im Zielraum und würdigten die Läuferinnen keines Blickes. «Das ist eben die Natur», sagt Deininger. «Es gehört einfach dazu.»

Wichtiger als die schlafenden Hunde ist für die Athleten ohnehin das Essen, das ihnen vor allem auf langen Strecken Kraft geben soll. «Oft gibt es zum Frühstück nur Weissbrot», sagt Deininger. «Das reicht nicht.» Einige Läuferinnen nehmen deshalb ein Müsli nach Rumänien mit, Deininger hingegen hat dunkles Brot in den Koffer gepackt. «Ich bin kein Müsli-Typ», sagt sie und lacht. Daneben studierten die jungen Athleten auch das Gelände, bauten 3D-Reliefs aus Karton und schauten das Gebiet auf Google Street View an.

Am liebsten viele Höhenkurven

Das Gelände, in dem der Wettkampf stattfindet, ist steil. «Das liegt mir», sagt Deininger. Denn dann kommt ihre Stärke, das Kartenlesen, zum Zug. In flachen Gebieten hingegen lassen sich die Orientierungsläufer meist vom Kompass führen, da sie daneben nur wenige Anhaltspunkte haben. «Je mehr Höhenkurven, desto besser», sagt Deininger deshalb. Dass sie in steilen Gebieten stark ist, hat sie im vergangenen Jahr in Mazedonien bewiesen.

Damals reiste Deininger als Jüngste im Schweizer Team an die Jugend-EM und trat gegen bis zu zwei Jahre ältere Athletinnen an. «Ich will an der EM vor allem Erfahrungen sammeln», sagte sie damals kurz vor dem Grossanlass und setzte sich keinen bestimmten Tabellenrang zum Ziel. Beim Sammeln von Erfahrungen blieb es aber nicht. Im Sprint erreichte die junge Läuferin unter 95 Teilnehmerinnen den neunten Rang. Im Langdistanzrennen holte sie mit Platz fünf gar ein Diplom. «Das hat mich sehr überrascht», sagt Deininger. «Denn davor wusste ich überhaupt nicht, wo ich international stehe.» Trotz des Erfolges geht Deininger mit dem gleichen Ziel wie im vergangenen Jahr nach Rumänien: Erfahrungen sammeln. «Ich setze mir nicht gerne Ziele. Ich bin sonst enttäuscht, wenn ich sie nicht erreiche», sagt sie und fügt hinzu: «Es soll vor allem Spass machen.» Diese Lockerheit ist ihre grosse Stärke.

Keine Spur von Nervosität

Deiniger tritt bei Wettkämpfen jeweils mit einer jugendlichen Leichtigkeit an. So war sie im vergangenen Jahr bei ihrem Début auf internationalem Parkett überhaupt nicht aufgeregt. «Es ging für mich schliesslich nicht um den Sieg», sagt Deininger. «Ich wollte einfach Freude haben.» Dadurch machte sie sich keinen Druck und überzeugte am Ende mit starken Leistungen. Seither hat sich kaum etwas verändert. Die Leichtigkeit ist noch immer da, die Nervosität kaum spürbar. Das liegt sicher an ihrem Charakter. Die gute Vorbereitung ist aber wahrscheinlich ebenfalls hilfreich. Was kann schon schiefgehen, wenn man vor dem Wettkampf sein Lieblingsbrot essen kann?

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