Schweigen weckt Misstrauen

Wirklich überraschend ist die Tatsache nicht, dass bei der Sanierung des Spisermarkts Asbest zum Vorschein gekommen ist.

David Gadze
Drucken
Teilen

Wirklich überraschend ist die Tatsache nicht, dass bei der Sanierung des Spisermarkts Asbest zum Vorschein gekommen ist. Es wäre eher ungewöhnlich gewesen, wäre man nicht auf das einstige «Wundermittel» gestossen, das in vielen Gebäuden von den 1960er-Jahren bis in die späten 1980er-Jahre für Isolationen und Dichtungen verwendet wurde, ehe die gesundheitlichen Folgen ans Tageslicht kamen. Ironisch daran ist, dass der Spisermarkt ausgerechnet der Schweizerischen Unfallversicherung Suva gehört, die sich unter anderem die Asbest-Prävention auf die Fahne geschrieben hat.

Man kann darüber diskutieren, ob die Suva die Bevölkerung über die Asbestsanierung hätte informieren sollen oder nicht. Eine Pflicht dafür gibt es nicht. Die Verantwortlichen der Suva müssten jedoch wissen, dass die Öffentlichkeit auf das Thema Asbest sensibilisiert ist – ganz unabhängig davon, wie gefährlich der Fund im konkreten Fall ist. Eine frühzeitige Information hilft, Ängste abzubauen. Vor allem aber schafft sie Vertrauen. Das zeigte sich beispielsweise bei der Sanierung des Neumarkts vor wenigen Jahren. Auch dort war Asbest zum Vorschein gekommen – und sofort wurde die Bevölkerung informiert.

Umgekehrt erweckt Nicht-Information den Verdacht, man wolle etwas verheimlichen. Gerade die Suva kann es sich aber nicht leisten, hier zu pfuschen. Der Glaubwürdigkeitsverlust, der ihr in einem solchen Fall droht, ist massiv. Die Suva mag bei der Sanierung des Spisermarkts rein juristisch alles richtig gemacht haben. Der Respekt gegenüber den eigenen Mietern hätte es erfordert, diesen reinen Wein einzuschenken. Unmissverständlich und ohne Schreiben, die nur der versteht, der sie verfasst hat.

david.gadze@tagblatt.ch