Schwebend über die Steinach

Das Herzstück der neuen Gallusgedenkstätte beim Müllertor ist installiert. Seit Ende letzter Woche führt ein acht Meter langer Metallsteg über das Steinachbecken bei der Mühleggbahn-Talstation. Was noch fehlt, sind Infotafeln.

Ralf Streule
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Der Steg übers Steinachbecken wurde am Freitagmorgen montiert. Im Bild fehlen noch die Gitter, auf denen die Besucher stehen werden. (Bild: Benjamin Manser)

Der Steg übers Steinachbecken wurde am Freitagmorgen montiert. Im Bild fehlen noch die Gitter, auf denen die Besucher stehen werden. (Bild: Benjamin Manser)

Architektonisch stimmte wenig zusammen bei der Talstation der Mühleggbahn; dort, wo vor 1400 Jahren der heilige Gallus gestolpert sein und die Stadt begründet haben soll. Der Stadtheilige habe mehr verdient, fanden viele Stadtsanktgaller. Und auch der Stadtrat sprach von einem «verstellten Ort, der wieder klarer abgegrenzt und freigelegt» werden soll. Mit einer Gallusgedenkstätte, samt neuer Pflästerung und Gedenktafeln, sollte der Tristesse ein Ende gesetzt werden.

Blick in die Steinachdole

Nach mehrmonatiger Bauzeit ist das Projekt nun abgeschlossen. Kürzlich wurde mit einem Kranfahrzeug das Herzstück des Platzes eingefahren. Der acht Meter lange Metallsteg führt über das Steinachbecken, näher zum Wasserfall, und soll Städtern und Touristen einen besseren Blick in die Mülenenschlucht bieten. «Der Besucher erhält so auch einen Eindruck, wo die Steinach im St. Galler Untergrund verschwindet», sagt Werner Nef vom Verein «Vision Steinach Gallusstadt» (Kasten). Der Verein setzt sich seit langem dafür ein, dass der Bach in der Stadt sichtbarer wird, und hat den Steg finanziert. Er war zudem bei den Planungen der Gedenkstätte beteiligt.

Gemäss Stadtingenieur Beat Rietmann sind die Arbeiten nun so gut wie abgeschlossen. Offen sei noch, wie die Infotafeln beim Platz im Detail aussehen sollen. Eine Gallusgedenktafel mit einem neu verfassten Text soll im Geländer des Steges integriert werden.

Pflästerung zeichnet Bach nach

Das Gesamtprojekt hat die Stadt 660 000 Franken gekostet. Der Platz vor der Mülenenschlucht wurde mit länglichen Betonelementen gepflästert. Sie sollen die ursprüngliche Fliessrichtung der Steinach nachzeichnen. Gemäss Projektbeschrieb in der Parlamentsvorlage wird «das Begehen dieser Ebene symbolisch zu einem Pfad in die Steinachschlucht». Die rötlich-braune Farbe des Betons wurde bewusst gewählt: Mit dem alten, rostbraunen Stahlgeländer neben dem Restaurant Drahtseilbähnli und dem neuen, ebenfalls rostig gestalteten Geländer zur Mülenenschlucht wird so eine einheitliche Gestaltung angestrebt.

Teurer Hochwasserschutz

Bevor die Gestaltung der Gedenkstätte im September beginnen konnte, wurde für eine knappe Million Franken der Eingang zum Steinachstollen hochwassersicher gemacht. Das Einlaufbauwerk wurde auf 4,5 Meter vergrössert, damit mehr Wasser abfliessen kann. Bei der Planung war man von der Höchstmenge eines 300jährigen Hochwassers ausgegangen.