Schutzinsel für Auszubildende

Das «Varnbüel» wird 25 Jahre alt. Im Wohnheim leben 13 Jugendliche, die mitten in der Berufsausbildung stecken. Sie alle haben soziale oder psychische Schwierigkeiten und werden deshalb auf ihrem Weg begleitet.

Claudia Schmid
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Elsa Pfister, Leiterin des Wohnheims: «Die Jugendlichen müssen lernen, mit dem offenen Rahmen umgehen zu können.» (Bild: Benjamin Manser)

Elsa Pfister, Leiterin des Wohnheims: «Die Jugendlichen müssen lernen, mit dem offenen Rahmen umgehen zu können.» (Bild: Benjamin Manser)

Das Wohnheim Varnbüel ist eine sozialpädagogische Institution, die dieses Jahr ihr 25-Jahr-Jubiläum feiert. Ihre Bewohnerinnen und Bewohner sind normalbegabte Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Sie kommen entweder über die Vormundschaftsbehörde oder die Jugendanwaltschaft in die betreute Wohngemeinschaft. Ein wichtiges Ziel des Aufenthaltes ist es, einen Schul- und Lehrabschluss zu erreichen.

Offener Rahmen

«Unsere Jugendlichen werden oft in der Oberstufe auffällig. Ihre sozialen oder psychischen Probleme machen es nötig, dass sie ihre familiäre Umgebung verlassen», erklärt Elsa Pfister. Sie leitet das Wohnheim seit knapp drei Jahren. Bevor eine junge Frau oder ein junger Mann eintrete, werde genau geprüft, ob die Institution auch wirklich der geeignete Ort sei. «Das <Varnbüel> ist keine geschlossene Einrichtung.

Die Jugendlichen müssen mit dem offenen Rahmen umgehen können und sich an die klar vorgegebene Hausordnung halten.»

Für die Betreuung der jungen Leute ist ein Team aus Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen verantwortlich. Jeder Jugendliche hat eine Bezugsperson, mit der er einen individuellen Wochenplan zusammenstellt.

Darin ist beispielsweise festgehalten, wann die Hausaufgaben zu machen sind, welche «Ämtli» erledigt werden müssen und wie das Budget aussehen soll. «Wir legen sehr viel Wert auf eine persönliche, den Bedürfnissen zugeschnittene Betreuung», betont Elsa Pfister. Wer eine KV-Lehre mit Berufsmaturität absolviere, habe einen anderen Wochenplan, als jemand in der Schulausbildung.

Eine Lehrstelle finden

Tritt eine junge Frau oder ein junger Mann bereits im Oberstufenalter ins Wohnheim Varnbüel ein, geht es zunächst darum, den Schulabschluss über die Bühne zu bringen und einen Praktikumsplatz oder eine Lehrstelle zu finden. Laut Elsa Pfister bleiben die Jugendlichen in der Regel bis zu ihrem Lehrabschluss im Wohnheim. «In seltenen Fällen ist eine Rückführung in die Familie möglich. Es kann aber auch vorkommen, dass wir jemanden ausschliessen müssen.

» Dies sei beispielsweise der Fall, wenn ein Jugendlicher ein grosses Suchtproblem habe. Aber auch Gewalt werde im «Varnbüel» nicht geduldet.

Hat sich die Situation der Bewohnerinnen und Bewohner stabilisiert, besteht die Möglichkeit, in einen Aussenplatz zu wechseln. Je zwei Jugendliche teilen sich dort eine 3-Zimmer-Wohnung. Sie werden weiterhin von einer Fachperson betreut, die sie in ihrem Zusammenleben und auf dem Weg in die Selbständigkeit begleitet. Wenn immer möglich werde der Kontakt zu den Familienangehörigen aufrechterhalten und gefördert.

Wenig Probleme mit Alkohol

Je nach Alter haben die jungen Leute auch Ausgang. «Erfreulicherweise haben wir sehr wenig Probleme mit Alkoholexzessen», betont Elsa Pfister. Etwas häufiger komme es vor, dass die Jugendlichen kifften. «Wir führen regelmässig Urinproben durch. Wer Marihuana konsumiert oder zu viel getrunken hat, erhält eine Sanktion. Sie müssen dann die Urinprobe selber bezahlen, und ein Teil des Ausgangs wird gestrichen.»

Finanziert wird das Wohnheim Varnbüel über sogenannte Versorgertaxen und Subventionen vom Bundesamt für Justiz. Es ist von der Interkantonalen Vereinbarung für Soziale Einrichtungen (IVSE) anerkannt. «Die Betreuungspersonen machen zusammen mit den Jugendlichen die Lohnverwaltung. Das Budget reichen sie jeweils beim Sozialamt ein, da dieses für den Aufenthalt im Wohnheim zahlt», erzählt Elsa Pfister.

13 Wohnplätze im Zentrum

Seit seinem Bestehen ist das «Varnbüel» an der Müller-Friedberg-Strasse in einem 160jährigen, neu renovierten Haus mitten im Zentrum der Stadt St. Gallen untergebracht. Das Wohnheim bietet acht interne und fünf externe Wohnplätze. Beide Angebote verfügen je über einen Reserveplatz, der individuell und nach Bedarf besetzt werden kann. Gemäss Elsa Pfister sind die Plätze stets gut belegt. Zurzeit sei die Fachhochschule Luzern mit einer Bedarfsanalyse für den ganzen Kanton St.

Gallen beauftragt.

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