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SCHULLAGER: Nach Bundesgerichtsentscheid: St.Galler Stadtrat überdenkt Skilager-Regelung

Ein Bundesgerichtsentscheid, wonach obligatorische Skilager maximal 16 Franken pro Tag kosten dürfen, beschäftigt nun auch die Stadt St.Gallen. Obwohl die Lager dort freiwillig sind, will die Stadt ihre Regelung überprüfen.
Daniel Wirth
Ein Skilager bedeutet mehr als nur Wintersport zu betreiben, es bietet die Möglichkeit für viele gemeinschaftliche Erlebnisse. (Bild: Benjamin Manser (6. Januar 2016))

Ein Skilager bedeutet mehr als nur Wintersport zu betreiben, es bietet die Möglichkeit für viele gemeinschaftliche Erlebnisse. (Bild: Benjamin Manser (6. Januar 2016))

«Alles fährt Ski, alles fährt Ski, Ski fährt die ganze Nation». Diese Zeilen sang Vico Torriani erstmals 1963. Der Wintertourismus boomte damals in der Schweiz. Sieben Jahre später, 1970, gewann Bernhard Russi auf der Piste Saslong im italienischen Gröden an der Weltmeisterschaft die Abfahrts-Goldmedaille. Zwei Jahre später gewann er im japanischen Sapporo in der gleichen Disziplin Gold an den Olympischen Winterspielen. Und Marie-Theres «Maite» Nadig aus Flumserberg im Kanton St.Gallen gewann in Sapporo als Teenager völlig überraschend Gold in der Abfahrt und im Riesenslalom.

Das waren noch Zeiten! Da lief der Fernseher in den meisten Schweizer Stuben beim Mittagessen und die ganze Familie schaute kauend Skirennen. Auch in der Region St.Gallen. In der Zeit, als die Kanten an den Skiern noch angeschraubt waren und die Sicherheitsbindung gerade den Kabelzug ablöste, fuhren viele Familien aus dem Unterland in die Berge zum Skifahren.

Halb St.Gallen war in den Bergen am Skifahren

Es gab Zeiten, da begegnete ein Stadtsanktgaller seinen Nachbarn in Flims oder im Engadin in den Skiferien. Die ersten hohen Kunststoff-Skischuhe mit Schnallen ersetzten seinerzeit gerade die gebundenen knöchelhohen Lederskischuhe. Die Wintersport-Geräte und das -Zubehör entwickelten sich rasant, und in den Schweizer Alpen wurden die Lifte und Bahnen ausgebaut, um je länger je mehr Touristen zu befördern. Skifahren war in den 1970er- und 1980er-Jahren populär in der Schweiz. Die Zeiten haben sich geändert – aus vielerlei Gründen: Das Freizeitangebot ist breiter, das Skifahren in der Schweiz teurer und die Winter sind im Klimawandel schneeunsicher geworden. Gerade für Familien und speziell für solche mit tiefen Einkommen sind ein paar Tage Skiferien heute kaum mehr erschwinglich. Allein schon die Ausrüstung geht ins Geld. Viele Schulkinder aus dem Unterland können heutzutage mit der Familie keinen Wintersport ausüben.

Hier springen die Schulen in die Bresche, die seit Jahrzehnten Skilager durchführen. Aus der Stadt St.Gallen fahren in diesem Jahr 1442 Schülerinnen und Schüler in 81 Klassen ins Skilager. 55 Klassen fuhren im Januar in die Berge, 17 fahren im Februar und neun Klassen im März. Die Skilager sind freiwillig. Schuldirektor Markus Buschor sagt aber: «Die Schulleitungen und die Lehrer haben seit Jahren auf möglichst geschlossene Lagerteilnahmen hingearbeitet, sodass die Lager von den Eltern und Schülerinnen und Schülern in der Stadt St. Gallen faktisch als obligatorisch wahrgenommen werden.» Auch wenn sie bislang nie offiziell so deklariert wurden.

Im Dezember hat das Bundesgericht in diesem Zusammenhang einen Entscheid gefällt, der grosse Auswirkung hat auf die Schulgemeinden: Bei obligatorischen Lagern dürfen sie den Eltern nur noch die Kosten für die Mahlzeiten, 16 Franken pro Tag, in Rechnung stellen. Das Bundesgericht hat eine Regelung des Thurgauer Grossen Rats aus dem Jahr 2015 gekippt, wonach Elternbeiträge für Skilager bis zu 300 Franken betragen dürfen. «Dieser Bundesgerichtsentscheid hat uns bewegt, die Ausgangslage im Hinblick auf die Skilager im Jahr 2019 sorgfältig zu prüfen», sagt Stadtrat Buschor, der Vorsteher der Direktion Bildung und Freizeit der Stadt St. Gallen. Dies, obschon die Skilager, die von den Schulen der Stadt St.Gallen organisiert werden, grundsätzlich freiwillig sind und die Eltern gegenwärtig einen Beitrag in der Höhe von 150 Franken bezahlen. Eltern, die nicht im Stande sind, diesen Beitrag aufzubringen, können ein Gesuch um eine Ermässigung stellen.

Buschor ist ein Verfechter von Skilagern

«Skilager sind wichtig, stelle ich als Nichtskifahrer mit Überzeugung fest», sagt Markus Buschor. Lagererfahrungen seien für jedes Kind ganz besonders wertvoll; es gehe um soziales Lernen, um Gemeinschaftserlebnisse, die über den rein schulischen Rahmen hinaus reichten. Für Kinder aus Kleinfamilien böten Lager zudem ein tolles Gruppenerlebnis.

Vor diesem Hintergrund könnte man sich auch auf finanziell günstigere, reine Sommerlager beschränken. «Aber», sagt Buschor, «gerade in unserer einzigartig alpinen Schweiz ermöglichen Wintersportlager den Kindern ein ganz besonderes Schnee-Erlebnis, dies auch für jene, die nicht auf den Skiern, sondern polysportiv unterwegs sind.» Mit den Skilagern werde den Schulkindern, davon viele mit Migrationshintergrund, ermöglicht, die Einzigartigkeit der Schweiz zu erleben.

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